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Borussias 4:1 gegen Bielefeld
Nicht nur Drmic hat der Test etwas gebracht

Borussia Mönchengladbach: Rhythmus für Vincenzo Grifo und Co.
Mandela Egbo (links) kann in Testspielen bei den Profis meistens überzeugen. FOTO: Dirk Päffgen
Mönchengladbach. Rhythmus für die Rückkehrer, Chancen für die Youngster und Julio Villalbas Gelegenheit, sich zu bewähren - was Borussias Trainer Dieter Hecking aus einem scheinbar wertlosen Testspiel mitnehmen kann. Von Jannik Sorgatz

Selbstverständlich sind Testspiele immer mit einem Sternchen versehen. Das 4:1 gegen Arminia Bielefeld am Mittwoch war deshalb genau genommen ein 4:1*, bei dem die dritte Garde eines Erstligisten die zweite eines Zweitligisten besiegte. Trotzdem - und das haben vor ein paar Wochen bereits das 2:1 gegen den MSV Duisburg und das 5:1 gegen VVV Venlo gezeigt - lassen sich ein paar Erkenntnisse aus diesen Tests gewinnen, von denen am 21. November bei Ajax Amsterdam der nächste ansteht. Und diese Erkenntnisse gehen über das verblüffende Comeback von Josip Drmic mit vier Scorerpunkten hinaus.

Rückkehrer waren noch nicht im Rhythmus

Tony Jantschke trug auch in der ersten Halbzeit gegen Mainz die Folgen von sechs Monaten ohne Pflichtspiel mit sich herum. Vincenzo Grifo pumpte am Ende doch gewaltig. Und Christoph Kramer, beim 1:1 erst zur Pause eingewechselt, musste in der Schlussphase erkennen, dass Trainer Dieter Hecking die richtige Wahl getroffen hatte, ihn nach zwölf Tagen Pause nicht von Beginn an zu bringen. Das Rekonvaleszenten-Trio ging gegen Bielefeld jeweils über 90 Minuten, was dem Rhythmus weitaus förderlicher sein dürfte als Trainingseinheiten mit zehn Feldspielern. Mit einem Klasse-Tor und einer Eckball-Vorlage konnte besonders Grifo auf sich aufmerksam machen - nachdem es so ausgesehen hatte, als habe er eine halbe Stunde benötigt, um dem Test etwas abgewinnen zu können.

Die U23 muss sich nicht verstecken

Aaron Herzog ist mit 19 noch nicht lange aus dem Alter raus, in dem junge Fans am Trainingsplatz ausharren, um sich Autogramme von den Profis zu holen oder um Selfies zu bitten. Am Mittwochabend konnte er nach seinem Tor gegen Bielefeld und sehenswerten 66 Minuten stolz ein Foto posten - von sich selbst beim Jubel. "Aaron Herzog hat ein richtig gutes Spiel gemacht", sagte Hecking und pickte explizit den Youngster aus der U23 heraus.

Darüber hinaus präsentierte sich Mandela Egbo wieder einmal als agiler Rechtsverteidiger, der trotz Offensivdrangs die Balance fand. Justin Hoffmanns leitete das 4:0 durch Josip Drmic ein. In den Testspielen zuvor hatte Mike Feigenspan überzeugt, der diesmal erst auf der Bank saß, weil Vincenzo Grifo und Patrick Herrmann die Außenbahnen besetzten. "Ich lege Wert darauf, dass die Spiele genau so konzentriert gespielt werden. Dann haben sie ihren Nutzen", sagte Hecking.

Dass es kein lauer Kick im Novemberdunst wurde, war auch den Youngstern zu verdanken. "Spieler, die länger nicht gespielt haben, kommen so in ihrem Rhythmus rein. Spielfreude kommt auf, sie bewegen sich gut, schießen schöne Tore. Das ist es, was man sich als Trainer erhofft von solchen Testspielen", sagte Hecking. Und sein U23-Kollege Arie van Lent konnte erkennen, dass er eine sehr talentierte Mannschaft hat, deren zwischenzeitliche Probleme in der Regionalliga wohl vor allem mit einem Schuss Leichtsinn und Naivität zusammenhängen.

Julio Villalba ackert

Es ist mühselig, darüber zu spekulieren, welche Fortschritte Julio Villalba schon gemacht hätte, wenn er in der U23 spielen dürfte. Für Jungprofis war sie in der Vergangenheit regelmäßig ein Sprungbrett: Patrick Herrmann, Julian Korb, zuletzt Laszlo Bénes und Michael Cuisance. Dass der Paraguayer keine Spielberechtigung für die Regionalliga bekommen würde, war den Verantwortlichen klar, als sie den damals noch 17-Jährigen verpflichteten. Jetzt ist er gerade 19 geworden und kommt seit Saisonbeginn lediglich auf vier Einsätze: Acht Minuten spielte er in der Bundesliga beim 0:1 gegen Eintracht Frankfurt, dafür durfte sich Villalba gegen Duisburg, Venlo und Bielefeld austoben. Diesmal blieb er ohne Tor, deutete aber wieder an, was für ein unangenehmer Gegenspieler er sein kann. Den 21. November wird sich Villalba schon im Kalender angestrichen haben - spätestens dann bekommt er im Test bei Ajax die nächste Chance. 

 
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