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Borussia Mönchengladbach
Drohungen gegen Fanklub "Sachsenfohlen" wegen eines Banners

Borussia Mönchengladbach: "Sachsenfohlen" von rechts angefeindet
Mit diesem Foto begannen die Anfeindungen gegen die "Sachsenfohlen". FOTO: Sachsenfohlen
Mönchengladbach. Schon länger nehmen die "Sachsenfohlen" ein Fanklub-Banner mit der Aufschrift "Refugees Welcome" mit ins Stadion. Am Sonntag sind sie dafür bei Facebook und im Stadion angefeindet worden. Die Borussia hat bereits reagiert.  Von Jannik Sorgatz

Sportlich ist es eine gelungene Reise gewesen für die "Sachsenfohlen". Zunächst unterstützten fünf Mitglieder des Borussia-Fanklubs am vergangenen Sonntag die Frauenmannschaft im Rheydter Grenzlandstadion und sahen ein 4:0 gegen Alemannia Aachen. Dann zogen sie weiter in den Borussia-Park, wo die Männer in der Bundesliga 3:1 gegen die TSG Hoffenheim gewannen. Trotzdem klingt Rico Warmuth am Telefon etwas niedergeschlagen, als er davon erzählt, was den "Sachsenfohlen" bei ihrem Niederrhein-Besuch außerdem widerfahren ist.

Um 12.13 Uhr, während das Spiel noch läuft, posten sie auf ihrer Facebook-Seite ein Foto aus dem Grenzlandstadion: fünf Männer in Borussia-Montur, im Vordergrund zwei Banner, die an einem Wellenbrecher befestigt sind. "Sachsenfohlen" steht auf dem einen, "Refugees Welcome" auf dem anderen. Noch vor dem Anpfiff des Spiels gegen Hoffenheim schreibt Volker S.* (Name von der Redaktion geändert) unter das Foto: "Solltet ihr diese drecks Fahne bei Borussia aufhängen gibt es Ärger." Dahinter setzt er noch vier unmissverständliche Fäuste (siehe Screenshot).

Diesen Kommentar hat unsere Redaktion per Screenshot dokumentiert. FOTO: Screenshot Facebook

"Das Banner ist gar nicht neu. Schon beim Champions-League-Spiel gegen Juventus hing es zum Beispiel im Stadion", sagt Warmuth, der Willkommenskultur gegenüber Flüchtlingen nicht als politische, sondern als humanitäre Haltung sieht. Da sie keine Lust auf den angedrohten Ärger haben, packen die "Sachsenfohlen" das Banner beim Hoffenheim-Spiel gar nicht erst aus. Trotzdem sei kurz nach dem Abpfiff ein Mann in der Nordkurve auf sie zugekommen, berichtet Warmuth. Es sei S. gewesen, der seine Drohungen aus dem Internet wiederholt habe.

Später am Abend geht die Diskussion unter dem besagten Facebook-Post weiter. Die Drohungen anderer User werden vehementer. Am Montag löscht S. seine Kommentare, viele andere sind am Dienstag immer noch da. Dazu gesellen sich aber auch User, die sich hinter die "Sachsenfohlen" stellen. "Uns wird schlecht beim Anblick mancher Kommentare hier. Lasst euch nicht einschüchtern", schreibt eine Borussia-Dortmund-Seite.

"Man fühlt sich ausgestoßen"

"Es grenzt an Satire, dass uns als Sachsen so etwas widerfährt", sagt Warmuth, dessen Heimat-Bundesland seit Monaten im Fokus steht wegen Pegida in Dresden und rechtsextremer Auswüchse an zahlreichen Orten. Abseits des Zynismus sagt Warmuth über die Drohungen von Menschen, die eigentlich denselben Verein unterstützen: "Man fühlt sich in so einer Situation irgendwie ausgestoßen, das hat nichts mehr von Familiengefühl."

"Uns ist bekannt, dass es zu diesen Anfeindungen gekommen ist", sagt Markus Aretz, Borussias Leiter der Medien- und Marketingabteilung, im Gespräch mit unserer Redaktion. "Wir dulden bei Borussia ein derartiges Verhalten natürlich in keiner Weise und haben uns der Sache bereits angenommen." Der Verein hat sich wie die "Sachsenfohlen" in der Vergangenheit klar positioniert zum Thema Diskriminierung. Unter dem Dach des Stadions hängen Banner mit den Slogans "Gegen Rassismus", "Für Respekt" und "Für Toleranz". Zum Heimspiel gegen den FC Augsburg wurden 1500 Flüchtlinge eingeladen. Und auch wenn der Verein diesen Fakt in keiner Weise instrumentalisiert: Im Mittelfeld des Teams spielt mit Mahmoud Dahoud ein 20-Jähriger, der im Babyalter als Flüchtling aus Syrien nach Deutschland kam.

Ein mulmiges Gefühl

Rico Warmuth bedauert es sehr, dass diese Vorfälle im Stadion und im Internet die Sonntagstour überstrahlen. Zum letzten Heimspiel gegen Bayer Leverkusen am 7. Mai wollen 18 "Sachsenfohlen" anreisen. "Ein mulmiges Gefühl" werden sie wohl im Hinterkopf behalten, befürchtet Warmuth, "aber wir wissen ja, dass es eigentlich eine Reise zu Freunden ist."

(jaso)
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