| 21.15 Uhr

Borussia Mönchengladbach
Hahn sorgt für Happy End an einem filmreifen Nachmittag

Borussia Mönchengladbach schafft Happy End dank André Hahn
André Hahn ist momentan nicht aufzuhalten. FOTO: dpa, a fpt
Mönchengladbach. Am Ende herrschte grenzenloser Jubel im Borussia-Park. Martin Stranzl, Roel Brouwers und Havard Nordtveit erlebten den bestmöglichen Abschied im eigenen Stadion. Dafür mussten sie sich bei André Hahn bedanken – und bei Augsburgs Daniel Baier. Von Jannik Sorgatz

Bereits zwischen 15.15 und 15.20 Uhr war es enorm emotional zugegangen im Borussia-Park. Doch die Emotionen zwischen 15.30 und 17.18 Uhr, im Verlauf der gut 90 Minuten zwischen Gladbach und Leverkusen, standen dem in nichts nach. Rückstand, Ausgleich, Entscheidung vertagt, dann doch noch der Siegtreffer durch André Hahn, alle abgehängt bis auf Schalke, auf einmal sicher Vierter, nein doch nicht und plötzlich doch – dieser Nachmittag war wie ein Schnelldurchlauf der bewegten Saison des VfL. Einen Film gab es bereits über die vorangegangene Spielzeit, das Drama der aktuellen würde Hollywood noch etwas besser gefallen.

Ab 17.18 Uhr kamen dann beide Emotionsquellen zusammen: Die Abschiede von Roel Brouwers, Martin Stranzl und Havard Nordtveit vereinigten sich mit den Feierlichkeiten angesichts des zu 99,9 (oder vielleicht sogar zu 99,99) Prozent sicheren vierten Platzes. Die Borussia wird am 16./17. und 23./24. August zwei Play-off-Spiele um die Champions League absolvieren, wenn der FSV Mainz, Hertha BSC oder Schalke 04 nicht haushoch gewinnen. Holt der VfL bei SV Darmstadt einen Punkt, kann die Konkurrenz auch 724:0 gewinnen. Mindestens einmal kehrt der Gänsehautgarant namens Hymne also zurück an den Niederrhein.

"Das ist einfach nur groß"

André Schubert gab später zu Protokoll, dass er erst in der Jubeltraube vor der Nordkurve endgültig mitbekommen habe, dass der FC Augsburg noch auf Schalke ausgeglichen hatte. Daniel Baier mutierte neben Gladbachs Hahn zum zweiten "Mann des Tages". "Ich empfinde großen Stolz auf diese Mannschaft, auf die Spieler, das ganze Funktionsteam. Das ist einfach nur groß", sagte Schubert.

Brouwers, Stranzl und Nordtveit badeten ausgiebig im Applaus und durften sich noch ein paar Gesänge von den Fans wünschen, die natürlich bestens ins Stimmungsbild passten. "Auf, auf, auf in die Champions League!", stimmte Brouwers an. Stranzl, der in den Schlussminuten sogar noch reingekommen war, entschied sich für "Gladbach ist der geilste Klub der Welt!". Nordtveit begnügte sich mit einem langgezogenen "Vau-Eff-Ell!". Und immer wieder: "Danke! Danke! Danke!"

"Das Kompliment, das ich meiner Mannschaft machen will, kann gar nicht groß genug sein. Man hat schon gemerkt, dass etwas Druck da war. Erste Chance nicht genutzt, zweite nicht, dritte nicht – wir hätten uns das Leben leichter machen können", meinte Schubert. Letzteres galt vor allem für Hahn, der neben seinen zwei Toren zahlreiche Möglichkeiten vergab und selbst nach seinem Doppelpack noch einmal für großes Raunen sorgte, weil er den besser postierten Raffael und damit das 3:1 rechts liegen ließ. 

André Hahn fallen "tausendmillionen Steine vom Herz"

Üppiges Lob vom Trainer erhielt Hahn, der seit seinem Comeback alle 89 Minuten getroffen hat, natürlich trotzdem. "Er ist ein Mentalitätsmonster. Seine Art und Weise, Zweikämpfe zu führen, reißt auch seine Mitspieler mit", sagte Schubert. "Heute hat er noch eine andere Qualität gezeigt: Er hat auch nach drei vergebenen Torchancen noch daran geglaut, das Tor zu machen." Und was sagte der Doppel-Torschütze? "Wenn einem so ein Treffer gelingt und man schon merkt, dass man den Ball perfekt trifft, dann fallen einem tausendmillionen Steine vom Herz und von der Seele."

Zum fünften Mal punktete die Borussia noch nach einem Rückstand, erst zum zweiten Mal nach dem 3:2 gegen Darmstadt am 17. Spieltag drehte sie das Spiel völlig. "Die Mentalität in der Mannschaft ist sehr stark, wir geben nie auf und versuchen, bis zur 92. Minute Gas zu geben. Mal klappt das, mal weniger. Aber mit dieser Saison können wir wirklich sehr zufrieden sein", sagte Kapitän Granit Xhaka, der wie so oft in den vergangenen Wochen zu den besten Gladbachern gehörte.

Es war ein aufregender Nachmittag, zu dem auch die Gäste ihren Teil beitrugen. Leverkusen ackerte fleißig bei sommerlichen Temperaturen – erstaunlich, wenn man bedenkt, dass Bayer seit einer Woche als Dritter feststeht und nur mit einem 15-Mann-Kader anreiste. "Beide haben mit offenem Visier gespielt, es sah aus wie ein Endspiel um den dritten Platz. Das spricht auch für meine Mannschaft", sagte Trainer Roger Schmidt. 

Wie der FC Bayern und anders als der VfL Wolfsburg haben sich Leverkusen und Gladbach auf den ersten vierten Plätzen behauptet. Das war die Nachricht des Tages – auch wenn der Weg dorthin mal wieder eine Achterbahnfahrt war. Aber diese Saison ist eben ein einziger Freizeitpark, in dem alles rotiert.

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