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Borussia Mönchengladbach
Das nächste Schneckenrennen um Europa

Borussia Mönchengladbach: Schneckenrennen um die Europa League
Wer so einen Ball in der kommenden Saison in der Hand hat, ist noch völlig unklar. FOTO: Imago
Mönchengladbach. Borussia ist einer von acht Kandidaten für maximal drei Europa-League-Plätze. Wir schauen auf die Konkurrenz von Hertha BSC bis Bayer Leverkusen. Von Jannik Sorgatz

In den Duden hat es das Schneckenrennen noch nicht geschafft, aber einen Wikipedia-Eintrag gibt es. Dort erfährt der Leser von diversen Schneckenrennen zwischen Bielefeld und dem Elsass, von einer Komödie aus Frankreich, einem Gesellschaftsspiel und einer gleichnamigen Folge der Zeichentrickserie "Spongebob Schwammkopf".

Im Wikipedia angeschlossenen Wörterbuch stammen die Beispiele für die Verwendung des Wortes Schneckenrennen allesamt aus Fußball-Artikeln. Auch dieser hier liefert eine neue Quelle, denn: Das Schneckenrennen im Kampf um die Europa-League-Plätze wird in der Saison 2016/2017 wieder einmal in einem rekordverdächtig geringen Tempo ausgetragen. Fünf Spieltage vor dem Saisonende trennen den Fünften, Hertha BSC, und den Zwölften, Bayer Leverkusen, lediglich sieben Punkte. Seit Einführung der Drei-Punkte-Regel waren es zum gleichen Zeitpunkt mit sechs Zählern nur in der Saison 1995/1996 weniger. Wir listen das Restprogramm der acht Kandidaten auf und vergleichen ihre Formkurven.

  • 5. Platz, Hertha BSC (43 Punkte): Wolfsburg (H), Bremen (A), Leipzig (H), Darmstadt (A), Leverkusen (H)

13 Punkte aus 13 Spielen: Pal Dar-dais Team hat im Jahr 2017 die Bilanz eines Abstiegskandidaten. Acht Auswärtsspiele in Folge gingen verloren, weshalb es die Berliner am meisten aufmuntern wird, dass sie noch dreimal zu Hause ran dürfen. "Die einzige Konstanz ist die Inkonstanz", sagt Verteidiger Sebastian Langkamp, meint damit aber mehr als die Hälfte der Liga. Bereits in der vergangenen Saison bewiesen die Berliner mit einem Sturz vom dritten auf den siebten Platz, dass ihnen im Endspurt gerne mal die Luft ausgeht.

  • 6. Platz, SC Freiburg (41): Leverkusen (H), Darmstadt (A), Schalke (H), Ingolstadt (H), Bayern (A)

Die Erfolgsgeschichte der Breisgauer ist eigentlich noch beeindruckender als die von Mit-Aufsteiger RB Leipzig. Christian Streichs Mannschaft empfängt noch die direkte Konkurrenz aus Leverkusen und Gelsenkirchen. Zuletzt wandelte Freiburg allerdings zwischen hohen Niederlagen und knappen Siegen. Sprich: Das Team ist für alles gut und genauso unbeständig wie die Konkurrenz.

  • 7. Platz, 1. FC Köln (40): Hoffenheim (H), Dortmund (A), Bremen (H), Leverkusen (A), Mainz (H)

Der FC ist ein wenig das Sinnbild für das Schneckenrennen. 21 seiner 40 Punkte holte Köln in den ersten elf Spielen, seitdem nur noch 19 in 18. Trotzdem besteht seit Monaten ein Abo auf den siebten Platz. Als sich die Konkurrenz herangepirscht hatte, ging es sogar noch einmal nach oben. Nun droht am Wochenende bei einer Niederlage gegen Hoffenheim allerdings der Sturz aus der Einstelligkeit. Angesichts des harten Restprogramms muss Köln fürchten, dass der Traum von der ersten Europapokal-Qualifikation nach 25 Jahren Abstinenz doch noch platzt.

  • 8. Platz, Werder Bremen (39): Ingolstadt (A), Hertha (H), Köln (A), Hoffenheim (H), Dortmund (A)

Nach der vierten Niederlage im vierten Spiel des Jahres schien Alexander Nouris Zeit auf der Trainerbank schon wieder abgelaufen. Es folgten sagenhafte 23 Punkte aus neun Spielen, nach dem Erfolg im Derby gegen Hamburg darf Werder träumen. Dass neben der funktionierenden Offensive auch die Abwehr endlich steht, macht das Team zu einem realistischen Anwärter. Einst lagen die Hanseaten 19 Punkte hinter Frankfurt, jetzt haben sie einen mehr.

  • 9. Platz, Borussia Mönchengladbach (39): Dortmund (H), Mainz (A), Augsburg (H), Wolfsburg (A), Darmstadt (H)

Gemeinsam mit Werder hat Gladbach in diesem Jahr von allen Kandidaten die meisten Punkte geholt. Nach dem Duell mit Dortmund am Samstag geht es nur noch gegen Abstiegskandidaten - Chance und Risiko zugleich. Das Selbstbewusstsein ist groß, Trainer Dieter Hecking hebt die Qualität seiner Mannschaft hervor. Paart Borussia die mit defensiver Stabilität und der nötigen Mentalität, ist sie einer der größten Anwärter auf Platz fünf bis sieben. Dass der siebte ihnen reicht, können die Gladbacher mit dem Finaleinzug im DFB-Pokal am Dienstag gegen Frankfurt selbst besiegeln.

  • 10. Platz, Eintracht Frankfurt (38): Augsburg (H), Hoffenheim (A), Wolfsburg (H), Mainz (A), Leipzig (H)

Genauso groß ist allerdings die Hoffnung der Eintracht, es über Berlin nach Europa zu schaffen. Doch angesichts der momentanen Krise (zehn Ligaspiele ohne Sieg) sollte Frankfurt mit dem Abstieg 2011 im Hinterkopf erst einmal an die letzten nötigen Punkte für den Klassenerhalt denken. Neun Zähler und sieben Tore in diesem Jahr - sogar Darmstadt hat mehr.

  • 11. Platz, FC Schalke 04 (37): Leipzig (H), Leverkusen (A), Freiburg (A), Hamburg (H), Ingolstadt (A)

Mit einem Pflichtsieg in Darmstadt hätte Schalke auf den siebten Platz springen können. Doch stattdessen ist Königsblau nach der Niederlage beim Schlusslicht und dem ernüchternden Auftritt in der Europa League in Amsterdam schon wieder im Krisenmodus. Das Restprogramm lässt vieles denkbar erscheinen. Zu instabil agiert Markus Weinzierls Mannschaft seit Saisonbeginn. Dabei ist die individuelle Qualität ihr größtes Pfund.

  • 12. Platz, Bayer 04 Leverkusen (36): Freiburg (A), Schalke (H), Ingolstadt (A), Köln (H), Hertha (A)

Im Prinzip gilt für Bayer das Gleiche wie für Schalke, mit dem Unterschied, dass die "Werkself" bereits den Trainer gewechselt hat. Unter Tayfun Korkut spielt Leverkusen äußerst bieder und punktet im Eichhörnchen-Modus. Es geht noch gegen vier direkte Konkurrenten um Europa, allerdings beträgt der Vorsprung auf den Relegationsplatz nur vier Zähler. Bevor Europa noch ein Thema werden kann, muss sich Bayer seiner Abstiegssorgen entledigen.

Das Rennen um die Europa-League-Plätze können Sie hier durchtippen.

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