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Borussia Mönchengladbach
Nach dem Spaßfußball jetzt die Schützenhilfe?

Einzelkritik: Christensen und Vestergaard oft überfordert
Einzelkritik: Christensen und Vestergaard oft überfordert FOTO: dpa, ua hpl
Mönchengladbach. Borussia Mönchengladbach und 1899 Hoffenheim haben mit ihrem Offensivfußball am Wochenende begeistert. Nun können sich die zwei Teams beim Erreichen der Ziele eine gegenseitige Hilfestellung geben. Von Karsten Kellermann

Wenn sich eine Mannschaft mit einer Niederlage zwei freie Tage verdient hat, war es kein normales Fußballspiel, an dem sie teilnahm. Die Profis von Borussia Mönchengladbach waren tatsächlich Teil eines Spektakels, dem 3:5 bei 1899 Hoffenheim. Bis Dienstag dürfen sich die Gladbacher vom Arbeitseinsatz im Kraichgau erholen, der den Trainern, Borussias Dieter Hecking ebenso wie Hoffenheims Julian Nagelsmann, viel Freude bereitete.

"Hochgeschwindigkeitsfußball", "offenes Visier", "unfassbar attraktiv" – so beschrieben Hecking und Nagelsmann bei der Pressekonferenz das wogende Hin und Her zweier torhungriger Teams. Und den geneigten Beobachter beschlich das Gefühl, dass sogar Nagelsmann an diesem Tag die Punkte ohne weiteres Murren auch geteilt hätte, weil es sich gerechter angefühlt hätte nach der beidseitigen Demonstration des Spaßfußballs. Da saßen zwei Generationen von Trainern, die Fußball mit denselben Augen sehen. Kaum hätte es verwundert, wenn sie für ein paar Tage den Job getauscht hätten, um das jeweils andere Ensemble mal genießen zu dürfen.

Gegenseitige Hilfestellung

Am Ende gab es dann ein Versprechen der Brüder im Geiste, das Angebot gegenseitiger Hilfe am kommenden Spieltag. Der bringt den jeweils anderen ausgerechnet mit dem unbeliebtesten Gegner zusammen: Borussia erwartet Dortmund, der Klub dessen Fans sich stets besonders intensiv am "Fußballprojekt" Hoffenheim abgearbeitet haben. Hoffenheim tritt derweil bei Gladbachs Erzrivalen 1. FC Köln an.

Doch weniger die Animositäten sind es, die eine gegenseitige Hilfestellung interessant machen, sondern die Tabellenkonstellation. Der BVB ist Hoffenheims Konkurrent im Rennen um den dritten Platz und dem damit verbundenen direkten Einzug in die Champions League. 54 Punkte hat Nagelsmanns Team, 53 die Dortmunder. Gladbach hat 39 Punkte und damit einen weniger als Köln, das derzeit Siebter ist. Wollen sich die Borussen noch für Europa qualifizieren, müssen sie wohl Köln hinter sich lassen.

Warum Hoffenheim einen Schritt weiter in der Liga ist als Gladbach, zeigte das 5:3. Etwas konsequenter, etwas resoluter, etwas zweikampfstärker, etwas ausgeruhter waren die Blauen, weswegen der Sieg in der Gesamtabrechnung verdient war. Gladbach bleibt damit weiter ohne Sieg gegen ein Team aus dem Spitzenquartett – ein weiterer Anreiz für Samstag ist, das gegen den BVB zu ändern. Und die Hoffenheimer haben mit Köln noch eine Rechnung offen, schließlich endete dort die Pokalgeschichte dieser Saison in Runde zwei mit einer 1:2-Niederlage.

Hauptsache Europa

"Wenn meine Mannschaft den Elan aus Hoffenheim in die letzten Saisonspiele mitnimmt, werden wir definitiv noch den einen oder anderen Sieg holen", sagte Hecking, und Nagelsmann dürfte selbiges über sein Team sagen, das dabei ist, Geschichte zu schreiben. Was Gladbach schon erlebt hat, davon träumt Hoffenheim nachhaltig: den Besuch der großen Fußballprominenz, Champions League mit Barcelona, Juventus oder Manchester.

Gladbach wäre mit etwas kleineren Namen zufrieden, Hauptsache Europa heißt es da, zur Not auch über ein bis zwei Qualifikationsrunden. Wie Hoffenheim Schützenhilfe in Köln leisten kann, haben die Borussen dem Gleichgesinnten eine Woche vorher vorgemacht beim 3:2-Sieg. Vor allem aber müssen die Borussen, die gegen den nicht minder offensivstarken BVB sicherlich weit mehr defensive Stabilität haben müssen als in Sinsheim, selber die Punkte machen, "die uns hoffentlich noch etwas ganz Schönes bringen", wie Sportdirektor Max Eberl sagte.

 
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