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Borussia Mönchengladbach
Gladbacher fahren selbstbewusst zu den Bayern

Borussias denkwürdigste Duelle mit dem FC Bayern
Borussias denkwürdigste Duelle mit dem FC Bayern FOTO: dpa
Mönchengladbach. Zuletzt drei Spiele ohne Niederlage: Diese Bilanz spricht für Borussia, die auswärts aber in der Rückrunde schwächelt. Von Karsten Kellermann

Es war 1986, als Borussia Mönchengladbach schon einmal dabei war, als der FC Bayern im eigenen Stadion Meister wurde. Damals war es jedoch ein enges Fernfinale für die Münchener gegen Werder Bremen, und immer wieder fanden sich die Spieler an der Seitenlinie ein, um am Radio Neuigkeiten zu erhaschen aus Stuttgart, wo Bremen spielte. Nebenbei lief das Spiel gegen Gladbach, und die Gäste vom Niederrhein, so schien es, waren nur gekommen, um den Bayern nicht im Weg zu stehen. Viel anders ist 0:6-Niederlage kaum zu erklären.

Am Samstag kann der FC Bayern wieder Meister werden. Und das, was Thomas Müller angekündigt hat, klingt furchterregend. "Wir werden richtig einen raushauen", hat er gesagt. Allerdings meinte er damit nicht das heutige Treffen der alten Rivalen aus den 1970ern, sondern das Halbfinal-Rückspiel in der Champions-League-Halbfinale am Dienstag gegen Atletico Madrid. Das erste Spiel ging 0:1 verloren. Der Vergleich mit den Borussen ist für die Bayern ein Zwischenspiel. Die Frage ist, ob man das Wort "Zwischenspiel" um ein "nur" ergänzen darf. Ist es für die Gladbacher möglicherweise sogar der perfekte Zeitpunkt, die Bayern zu fordern? Haben die vielleicht, wenn es hart auf hart kommt, doch das Rückspiel gegen Atletico und das ganz, ganz große Ziel, den Gewinn der Champions League, weiter oben auf der Prioritätenliste?

Natürlich wollen die Bayern gewinnen und als neuer Meister die "Rojiblancos" empfangen. Dann wäre Teil eins der dreiteiligen Titelmission abgehakt. Aber werden sie wirklich alles dafür tun, dafür bis an die Schmerzgrenze gehen, sich total verausgaben mit dem Madrid-Spiel vor der Brust? Da geht es nicht mal um das Personal, das Pep Guardiola auf den Platz schicken wird, sondern darum, ob ein Risiko eingegangen wird und ob die allerletzte Motivation da ist. Es ist anzunehmen, dass die Bayern mental stark genug sind, davon auszugehen, den einen Sieg, der noch für den Titel fehlt, auch so noch einzufahren.

Borussia braucht Mut

Was bedeutet dieser - rein theoretische - Denkansatz für die Gladbacher? Sicher nicht, dass es eine lockere Dienstreise wird. Dafür ist die Auswärtsbilanz der Rückrunde (ein Punkt) zu dünn, dafür waren die letzten beiden Darbietungen in der Fremde zu karg. Andererseits wäre es eine sporttypische Geschichte, wenn die Mannschaft, die 2016 auswärts nirgends gewonnen und zuvor sogar beim Absteiger Hannover verloren hat, ausgerechnet beim Primus siegt. "Wir fahren nicht nur zum Gratulieren nach München", stellte Trainer André Schubert schon mal klar. Und wie die Bayern zu besiegen sind, hat er schon nachgewiesen - beim 3:1-Erfolg im Hinspiel. Die wohligen Gedanken vor allem an die zweite Halbzeit "machen uns Mut".

Mut ist auch ein wesentlicher Faktor, den ein Gast braucht in München. Wer sich einigelt oder kuscht, der wird nichts holen bei den Bayern. "Wir müssen unser Spiel machen", sagt Gladbachs bester Torschütze Raffael. In der vergangenen Saison waren die Borussen mutig und taktisch clever in München, Raffael schoss beide Tore zum 2:0-Sieg. Er geht daher als Bayern-Schreck durch, ebenso wie André Hahn, der in jenem Spiel wie verrückt immer wieder anlief gegen die Aufbauspieler der Bayern. Den Spanier Xabi Alonso dürfte der Gladbacher noch in seine Träume verfolgt haben.

"In den letzten Spielen gegen die Bayern waren wir immer gut", erinnert sich Raffael. Seit drei Spielen gab es keine Niederlage, die letzten beiden Partien wurden gewonnen. André Schubert, der in der Hinrunde gegen die Bayern erstmals seinen taktischen Favoriten namens Dreierkette vorstellte, hat ein Szenario parat, dass seinem Team wichtige Punkte im Rennen um die Champions League einbringen würde, zugleich aber den Bayern die Meisterfeier beschert: "Sie können auch Meister werden, wenn sie verlieren.".

Vorausgesetzt, Dortmund verliert. Wie 1986, als Bremen mit 1:2 in Stuttgart unterlag und den Bayern den Weg zum Titel freimachte.

Quelle: RP
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