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Borussias Sieg gegen Bayern
Heckings Erfolgspragmatismus

Borussia Mönchengladbach setzt Dieter Heckings Erfolgspragmatismus um
Borussia-Trainer Dieter Hecking. FOTO: dpa, bt kno
Dieter Hecking denkt Fußball vom Ergebnis her. Wie seine Mannschaft Erfolge erzielt, ist zweitrangig. Das hat Borussia beim 2:1 gegen Bayern München perfekt umgesetzt. Von Karsten Kellermann

Bei Siegen gegen die Bayern heiligt der Zweck jedes Mittel. Es ist bekannt, dass die Borussen besser Fußball spielen können, als sie es taten beim 2:1 gegen den ewigen Favoriten in Fußball-Deutschland. Vor allem nach der Pause gab es doch arg wenig Entlastung, weil der weite Befreiungsschlag oft das einzige Stilmittel im Spiel nach vorn war. Weil sich die Borussen grundsätzlich dem schönen und guten Fußball verschrieben haben, wird der robustere Ansatz im Normalfall eher weniger goutiert.

Nun waren es aber die Bayern, und nun war es ein Sieg gegen die Bayern, der wie immer bei solchen Anlässen lauthals bejubelt wurde, erst im Stadion, dann in den sozialen Netzwerken, dem digitalen Echo der realen Welt. Es gibt auch keinen Grund, das nicht zu tun. Denn an diesem Tag haben die Fans ein Team gesehen, das einen elementaren Wesenszug einer Topmannschaft an den Tag legte: Erfolgspragmatismus. Dieser ist auch das grundsätzliche Prinzip des Trainers Dieter Hecking. Er beschreibt sich als Pragmatiker, und nun hat sein Team offenbar gelernt, genau so zu spielen: Es darf glanzvoll sein, doch vor allem muss es erfolgreich sein. Die A-Note ist wichtiger als die B-Note, für die es im Fußball nichts gibt als warme Worte.

Es gibt viele Statistiken. Wie Ballbesitz, Zweikämpfe oder Torschüsse. In all diesen Disziplinen war Borussia den Bayern am Samstag unterlegen. Und so war es auch eine Woche zuvor bei Hertha BSC. Doch die einzige Wahrheit ist die, die auf der Anzeigetafel steht. Und da stand jeweils ein Gladbacher Sieg.

24 Punkte, das sind 1,85 im Schnitt - rechnet man das, was Borussia nach 13 Spieltagen eingesammelt hat hoch, kommen 63 Punkte zusammen. Das dürfte, wenn es so kommt, für die Meisterklasse Europas reichen.

Pragmatismus bedeutet auch: im richtigen Moment das Richtige zu tun - oder eben nicht das Falsche. 40 Torschüsse ihrer Gegner ließ Borussia in den vergangenen 180 Minuten zu. Es war indes nur eine Schein-Großzügigkeit, denn meist waren es nur Schüsse aus der Distanz oder Abschlüsse aus wenig dankbaren Positionen, die in die Statistik eingingen. Natürlich musste Yann Sommer auch ein paar schwere Bälle halten - doch insgesamt verteidigte Borussia effektiv. Ebenso ist das Spiel nach vorn zu beschreiben: effektiv. 15 Torschüsse brachten sechs Tore.

Das Hecking-Prinzip ist, das Optimum aus der Situation zu machen. Möglichst, und auch das ist des Trainers Ansatz, mit möglichst schönem Fußball (wie unter anderem in den beiden ersten Halbzeiten in Berlin und gegen die Bayern), wenn nötig aber eben auch mit einer Energie-Leistung. Borussia kann glänzen, kann aber auch erfolgreich zu sein, wenn sie es nicht tut. Das haben die letzten beiden Spiele gezeigt. Ganz pragmatisch gesagt: Zweck erfüllt, Borussia steht zu Recht, wo sie steht.

Quelle: RP
 
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