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Borussias 1:0-Sieg im Pokal
Richtige Reaktion zum richtigen Zeitpunkt

Borussia Mönchengladbach: Sieg im Pokal war die richtige Reaktion
Die Borussia-Spieler demonstrierten auch nach dem 1:0-Sieg Geschlossenheit. FOTO: Dieter Wiechmann
Mönchengladbach. Mehr Konzentration, mehr Geduld und weniger Risiko: Das sind Faktoren, die Borussia das 1:0 in Düsseldorf einbringen. Von Karsten Kellermann

Zuweilen geht es um den richtigen Zeitpunkt, Dinge zu sagen oder eben nicht. Vor dem Pokalspiel bei Fortuna Düsseldorf vermied es Borussias Trainer Dieter Hecking, eventuelle mentale Folgen des argen und skurrilen 1:5 gegen Bayer Leverkusen anzusprechen. Dass eine Halbzeit, die 0:5 verloren geht, Spuren hinterlässt in den Köpfen der auf Erfolg geeichten Athleten, ist indes wohl jedem Hobby-Psychologen ohne größere Wanderungen durch Seelenlandschaften klar. "Auch wenn ich es öffentlich runtergespielt habe, hatten wir mit den fünf Gegentoren gegen Leverkusen natürlich zu tun", sagte Hecking nun nach dem 1:0 im Pokal bei Fortuna Düsseldorf. Im Erfolg ist es leichter, Schwächen zuzugeben.

Das Spiel, das Thorgan Hazard zugunsten Borussias entschied, war wie eine Art therapeutischer Sitzung, in der sich die Borussen selbst kurierten mit der Medizin Erfolg. Vor allem die weitgehende Stabilität an diesem Tag war ein deutlicher Fortschritt gegenüber dem, was am Samstag gegen Bayer nach der Pause passierte. Da schwelgte Borussia wohl auch zum eigenen Entsetzen in radikaler Offenheit, nun gegen die umschaltstarken Fortunen wurde mit mehr Konzentration und weniger Risiko derartiger Schaden vermieden.

So folgte der blamablen Fünf eine ordentliche Null in der Gegentorstatistik, die auch dank des Elfmeter-Fehlschusses des unglücklichen Fortunen Niko Gießelmann stand. Glück, das sich Borussia erarbeitete. Auch, weil sie über 90 Minuten die innere Spannung hielt. "Das ist nicht selbstverständlich", sagte Dieter Hecking. Er meinte damit die mentale Situation der Spieler. Für die ging es nicht nur um Runde drei, sondern auch darum, etwas geradezurücken, auch für sich selbst.

In Düsseldorf haben sich die Borussen gezeigt, dass sie mit Drucksituationen umgehen können. Es war die richtige Reaktion zum richtigen Zeitpunkt. "Die Mannschaft hat das 1:5 gut weggesteckt", sagte Hecking, der selbst sichtlich erleichtert wirkte. Denn er weiß, dass die Lage nach der Heimpleite gepaart mit einem Pokal-Aus beim Zweitligisten Düsseldorf, das verbunden gewesen wäre mit dem jähen Ende der Hoffnung "in diesem Wettbewerb weit zu kommen" (Hecking), in der Summe höchst ungemütlich geworden wäre. Doch der aufaddierte Misserfolg blieb aus. Die Borussen haben gegen den Zweitligisten ihren Job gemacht, es war ein Pflichtsieg ohne Glanz, aber eben ein Sieg. So fahren sie mit einem guten Gefühl nach Hoffenheim. Der Gegner ist ein direkter Konkurrent im Kampf um die internationalen Plätze und würde bei einem Sieg von Gladbach überholt werden.

Gegen Hoffenheim ist es für die Borussen mal wieder eine Wesensschau: Sind sie befähigt, nach oben zu schauen? Oder fehlt dazu die Konstanz? In Leipzig haben sie bei einem Topteam gepunktet (2:2), in Dortmund wurden sie deklassiert (1:6). Gegen Hoffenheim bedarf es mindestens der Leipzig-Leistung, um bestehen zu können.

Starke Nerven und vor allem eine durchgängige Konzentrationsfähigkeit wären die Grundlage. Wichtig ist auch, bereit zu sein, auf Situationen zu reagieren und Tempowechsel "drauf" zu haben. Nach vorn zu denken ist gut und schön und richtig, aber zu ungestüm nach vorn zu spielen, das ist gefährlich, zumal Hoffenheim ähnlich schnell umschaltet wie Leverkusen. Geduld zu haben ist eine Kunst. Borussia muss wieder lernen, sie durchweg zu beherrschen. Gleiches gilt für die Ruhe beim Abschluss. Die fehlte auch in Düsseldorf. Den Kontern, die Borussia fuhr, mangelte es an Konsequenz. Wie gegen Bayer wurde das 2:0 nicht gemacht, doch bestraft wurde das dieses Mal nicht. Darauf sollten sich die Borussen jedoch nicht verlassen. Sie haben sich die Köpfe wieder zurechtgerückt. Nun gilt es bereit zu sein für Hoffenheim. Auch mental. Und der richtige Zeitpunkt für einen Aufwärtssieg ist - immer.

Quelle: RP
 
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