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Borussia Mönchengladbach
Als Galgenhumor das letzte Mittel war

Borussia Mönchengladbach: Die längsten Serien ohne Auswärtssieg
Borussia Mönchengladbach: Die längsten Serien ohne Auswärtssieg
Mönchengladbach. Sechs ihrer neun schlimmsten Auswärtsserien in der Bundesliga hat die Borussia nach der Jahrtausendwende hingelegt. Ihre Fans haben schon viel Schlimmeres durchgemacht als die aktuelle Misere von acht Spielen ohne Sieg. Von Jannik Sorgatz

Die Aktion kam nicht wirklich gut an beim Verein und den Spielern, wobei die Selbstironie doch offensichtlich war. "AUSWÄRTS-DEPP!" stand in Großbuchstaben auf der Vorderseite des T-Shirts, das das Fanprojekt in den Umlauf gebracht hatte, auf der Hinterseite eine überschaubare Liste mit Siegen in der Fremde und da drüber: "Wir fahren weit, wir fahren viel, und wir verlieren jedes Spiel..."

Das war im Herbst 2006, ein paar Monate später stieg die Borussia zum zweiten Mal ab und der vielsagende Slogan der 00er-Jahre hatte ein Jahr Pause, weil eine ganze Generation Borussia-Fans in der 2. Bundesliga mehr Auswärtssiege bejubeln durfte als bis dahin in ihrem gesamten Leben. 

Wenn man sich noch einmal die Gladbacher Bilanz in fremden Stadien zwischen 1998 und 2010 zu Gemüte führt, ist blankes Entsetzen eine legitime Reaktion: Von 204 Bundesliga-Auswärtsspielen zwischen dem "Wunder von Wolfsburg", das den ersten Abstieg im Mai 1998 um ein Jahr aufschob, und dem 6:3 bei Bayer Leverkusen im August 2010 gewann die Borussia lediglich 13. Allein bis zum 5. Mai 2012 kamen zwölf Auswärtssiege dazu, die meisten unter Lucien Favre. Da hatte es sich endgültig erledigt mit den "Auswärts-Deppen" und es müsste angesichts der Tristesse jener Jahre nach der Jahrtausendwende wohl noch einiges passieren, bis der Begriff wieder die wirkliche Gefühlswelt der Fans widerspiegelt.

Schon 16-mal länger gewartet

Momentan wartet die Borussia seit acht Auswärtsspielen auf einen Sieg. Es ist die 21. Negativserie in der Gladbacher Bundesliga-Historie, die so lange anhält: fünfmal acht Spiele, siebenmal neun Spiele, zweistellig wurde es bislang neunmal. Die drei elendigsten Serien hatten die Fans gerade erst hinter sich, als sie sich 2006 die "Auswärts-Depp"-Shirts überzogen:

  • 09. Mai 1998 bis 19. August 2001 – 18 Auswärtsspiele ohne Sieg
  • 10. September 2002 bis 22. November 2003 – 21 Spiele
  • 10. April 2004 bis 25. September 2005 –  22 Spiele

Zwischen dem 10. April 2004 (2:1 bei Hansa Rostock) und dem 14. März 2009 (4:2 beim 1. FC Köln) gewann die Borussia auswärts nur viermal in 64 Spielen. Man kommt rückblickend nicht drumherum, es einfach nur traurig zu finden. Drei der vier erlösenden Nachmittage erlebten die Viel- und Allesfahrer übrigens auf der "Alm" bei Arminia Bielefeld. Wer dort Hausverbot hatte, durfte nur in Frankfurt jubeln.

Rückblickend darf man sich regelrecht wundern, dass der Klub so pikiert reagierte. Oliver Neuville schrieb im Oktober 2006 auf seiner Webseite über die T-Shirts: "Ganz ehrlich: Schön finde ich so etwas nicht. Ich verstehe es gut, dass die Fans sauer sind. Gerade die Borussia-Fans begleiten uns immer zahlreich zu den Auswärtsspielen und unterstützen uns. Das finde ich toll. Ich respektiere es auch, wenn sie aufgrund der Leistungen nicht gut auf uns zu sprechen sind. Aber ich finde, es gehört auch immer dazu, dass man sich gegenseitig respektiert. Und solch ein Ausdruck wie 'Deppen' ist nicht respektvoll." Neuville hatte es nicht verstanden, dass sich die Fans selbst aufs Korn nahmen.

Unter André Schubert lief es schon besser

Das mit der Borussia und den Auswärtsspielen begann nach dem Bundesliga-Aufstieg schon äußerst holprig: Den ersten Erfolg in der Fremde gab es am 23. Oktober 1965 beim 1. FC Kaiserslautern, den zweiten erst 18 Auswärtsspiele später am 26. November 1966 beim 1. FC Köln. 

In den vergangenen fünf Spielzeiten gelangen Gladbach jeweils mindestens vier Auswärtssiege, momentan steht die Mannschaft von André Schubert bei drei, die ihm als Interimstrainer hintereinander vom Start weg gelangen. Solch einen Hattrick hatte es davor zuletzt vor 20 Jahren gegeben. Niemand kann also behaupten, dass die Borussia unter Schubert gar nicht wüsste, wie es geht. Am Freitag in Hannover hat sie die nächste Gelegenheit, es zu zeigen.

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