| 19.53 Uhr

Extralob für variablen Ginter
Hecking und Nagelsmann sehen "verdienten Gladbach-Sieg"

Borussia Mönchengladbach: Sonderlob für variablen Matthias Ginter
TSG-Trainer Julian Nagelsmann und Borussia-Coach Dieter Hecking vor dem Spiel. FOTO: dpa, ua jai
Sinsheim. Borussia ist mit dem Sieg in Hoffenheim ins obere Tabellendrittel zurückgekehrt. Nachdem die zweite Halbzeit gegen Leverkusen vor einer Woche 0:5 ausgegangen war, hieß es diesmal nach der Pause 3:0 für Gladbach – was aus dem 0:1-Rückstand ein 3:1 machte. Von Jannik Sorgatz

Dieter Hecking wollte "nicht die gleiche Platte auflegen wie im April", als er von dem packenden Duell zwischen 1899 Hoffenheim und Borussia Mönchengladbach geschwärmt hatte, aber: Das musste er dann doch, nur diesmal auf der Basis eines 3:1-Sieges statt einer 3:5-Niederlage. "Es war wieder ein tolles Fußballspiel zweier Mannschaften, die nach vorne ausgerichtet sind und immer ihre Chancen suchen", sagte Hecking. Diesmal war sein Nebenmann auf dem Podium in der Pressekonferenz, Hoffenheims Coach Julian Nagelsmann, der Unterlegene. Die Niederlage bedeutete für seine Mannschaft die erste im eigenen Stadion nach 22 Spielen ohne Pleite. 

"Es war ein verdienter Sieg für Gladbach", sagte Nagelsmann. "In der Anfangsphase waren wir minimal besser, aber natürlich hatte Gladbach da schon Chancen, die wir selbst einleiten. Wir hätten uns uns nicht beschweren dürfen, wenn wir da in Rückstand geraten." Er meinte Thorgan Hazards Schuss einen halben Meter neben das Tor, obwohl er nach einem Ballverlust des Gegners alle Zeit der Welt hatte, dazu klärte Torwart Oliver Baumann nach einem riskanten Querpass von Kevin Vogt gerade noch vor einem Gegenspieler.

Beide Mannschaften spielten permanent auf Sieg. So stand es nach Torschüssen am Ende 16:16, aber die Details verrieten, warum Borussia gewonnen hatte: Heckings Team hatte zwölf Versuche innerhalb des Strafraums, Nagelsmanns Mannschaft nur sechs. 1,8 "Expected Goals" produzierten die Gäste, nur 1,1 die Gastgeber. "Nach der Pause wurde es zu hektisch bei uns, wir wollten zu schnell das zweite Tor", sagte Nagelsmann, während Hecking den Lerneffekt seiner Mannschaft aus dem Leverkusen-Spiel hervorhob. In der Halbzeit habe er ihr eingeimpft, nicht wieder ins offene Messer zu laufen und in Ruhe den Rhythmus zu finden. So passten auch die Zeitpunkte der Tore zum 1:1 in der 61. Minute und zum 2:1 in der 79. Minute. Borussia drehte das Spiel geduldig. Dass sie in der 82. Minute gleich nachlegte mit der Vorentscheidung zum 3:1, war das i-Tüpfelchen des Fortschritts.

Hecking setzte seine Rotations-Ankündigung in die Tat um. In Jannik Vestergaard, Vincenzo Grifo und Jonas Hofmann brachte er drei Neue, zudem rotierte der Trainer auch innerhalb der acht Spieler, die schon in Düsseldorf begonnen hatten: Matthias Ginter rückte vor auf die Sechs neben Denis Zakaria und Thorgan Hazard spielte ganz vorn. "Das war quasi nach dem Pokalspiel klar", sagte Hecking über Raffaels erste Verschnaufpause dieser Saison. Zudem wollte er Michael Cuisance mit seinen 18 Jahren nicht überbeanspruchen in der Englischen Woche. Bereits nach einer Viertelstunde gegen Hoffenheim ging die Rotation unfreiwillig weiter: Hofmann verletzte sich wohl ohne Einwirkung des Gegners bei der Vorbereitung von Hazards Großchance am Knie und musste raus. Eine Diagnose gab es am Samstagabend noch nicht. Für Hofmann kam Patrick Herrmann in die Partie.

Hecking gefällt Ginter auch auf ungeliebter Position

Ein Extralob erhielt Ginter vom Trainer. "Ich habe heute gelesen, dass Matthias lieber nur Innenverteidiger spielen will. Natürlich war das heute auch eher eine Ausnahme", sagte Hecking (gemeint war das Interview mit unserer Redaktion) nach dessen erstem Einsatz für Gladbach vor der Abwehr. "Aber genau das zeichnet einen Führungsspieler aus. Und ich habe ihm gesagt, dass ich genau das von ihm erwarte: Dass er nicht auf seiner Position beharrt, wenn Not am Mann ist." Im Gegenteil: In der 79. Minute verließ der Nationalspieler sogar die Sechs und traf in Mittelstürmer-Manier zum 2:1, nach der zweite Vorlage des überragenden Grifo. 

Beinahe im Gegenzug wäre Sandro Wagner allerdings der Ausgleich gelungen. "Wir brauchen 40 Minuten, um zwei Tore zu machen. Hoffenheim hätte beinahe einen Angriff gebraucht, um eins zu machen. Da hätten wir uns maßlos ärgern müssen", sagte Manager Max Eberl. "Das sind Kleinigkeiten, die zeigen, dass wir auch noch Verbesserungspotenzial haben." Einstweilen waren die Gladbacher aber hochzufrieden mit dem dritten Auswärtssieg in Folge, das 1:0 im Pokal bei Fortuna Düsseldorf unter der Woche eingeschlossen. 

Während es zur Pause angesichts der anderen Ergebnisse noch so aussah, als würde Borussia den Anschluss ans obere Tabellendrittel verlieren, gehört sie auf Platz sechs nach zehn Spieltagen dazu. In der kommenden Woche kommt der FSV Mainz, der erst einen Auswärtspunkt geholt hat. Dann kann Gladbach seine Ansprüche mit einem Sieg vor der Länderspiel-Pause untermauern.

 
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