| 17.46 Uhr

2:2 nach langer Führung
Borussia kann den Augsburg-Fluch nicht besiegen

Augsburg - Gladbach: die Bilder des Spiels
Augsburg - Gladbach: die Bilder des Spiels FOTO: dpa, puc nic
Augsburg. Siebenmal probiert, siebenmal ist nichts passiert: Borussia hat eine 60-minütige Führung beim FC Augsburg nicht ins Ziel retten können und 2:2 gespielt. Von Jannik Sorgatz

Es hätte ein Nachmittag mit enormen Seltenheitswert werden können. Denn zwei Siege zum Saisonstart gelangen Borussia zuletzt vor 22 Jahren. Auf Alfred Finnbogasons Führung (1.) antworteten Denis Zakaria (7.) und Oscar Wendt (31.) noch vor der Pause, doch Sergio Cordova erlöste Augsburg eine Minute vor dem Ende. Beide Teams hatten in einem unterhaltsamen Spiel Chancen für deutlich mehr Tore, der späte Punkt für den FCA war hochverdient.

Dieter Hecking hatte die Derbysieg-Startelf nur auf einer Position verändert. Patrick Herrmann kam für den unter der Woche leicht angeschlagenen Ibrahima Traoré rein – und durfte sich über sein 200. Bundesligaspiel für Borussia freuen. 2012 hatte er Gladbach mit seinem Treffer zum 1:1 wenigstens einen der raren Punkte in Augsburg beschert. Der Fluch schien seine Wirkung diesmal jedoch besonders früh zu entfalten. Nach einem langen Ball schlief Borussia im Kollektiv. Michael Gregoritsch legte quer zu Alfred Finnbogason, der mit einem Haken all seine Gegner narrte. Unter Yann Sommer Oberkörpers rollte der Ball ins Tor – nach 32 Sekunden das schnellste Bundesligator der Augsburger Vereinsgeschichte.

In den folgenden Minuten erweckten die Gastgeber eher den Eindruck, genau dort weitermachen zu wollen. Diesmal legte Finnbogason im Strafraum auf Jonathan Schmid ab, dessen Schuss Jannik Vestergaard an der Hand traf – wahrscheinlich unabsichtlich, aber definitiv in der leidigen Grauzone bei diesem Thema.

Die Beschwerden der Augsburger waren in der siebten Minute noch nicht ganz verklungen, da lag der Ball schon wieder im Tor, diesmal nur auf der anderen Seite. Denis Zakaria spielte einen optimal getimeten Doppelpass mit Geburtstagskind Lars Stindl (29) und lief wie ein Eishockeyspieler im Penaltyschießen auf Keeper Marwin Hitz zu. Der 20-Jährige blieb cool und erzielte sein erstes Bundesligator.

Borussia fing sich nun allmählich in der Defensive, während nach vorne weiterhin Zug drin war. So setzte Oscar Wendt in der elften Minute einen Schuss mit dem schwachen rechten Fuß über das Tor, Nico Elvedi fand Jubilar Herrmann mit einer scharfen Flanke, dessen Schuss abgewehrt und von den Augsburgern geklärt werden konnte. Ein paar Nickligkeiten auf beiden Seiten gab es, dazu ließ Finnbogason eine gute Kontergelegenheit fahrlässig liegen.

Als sich das Geschehen nach einer halben Stunde langsam neutralisierte, ging Borussia in Führung. Der Ball lief zunächst ruhig in den eigenen Reihe, dann erblickte Raffael die Lücke und brachte mit einem beherzten sowie technisch hochwertigen Antritt die Augsburger Abwehr um Ex-Kollege Martin Hinteregger im Alleingang durcheinander. Der Brasilianer setzte Herrmann in Szene, der schon beinahe getroffen hätte, doch Wendt hatte sich eingeschaltet und beförderte den Ball per Kopf in die linke Ecke.

Oft wurden beide Mannschaften fast in derselben Minute gefährlich. So hatte erst Sommer Glück, dass Caiuby den Distanzschuss von Daniel Baier direkt vor seinen Augen nur leicht abfälschte. Im Gegenzug wurde Thorgan Hazard mit einem langen Ball in Szene gesetzt und hatte großes Pech, weil sein Abschluss aus kurzer Distanz den rechten Innenpfosten traf und es sich doch noch anders überlegte. Nach zwei weiteren Gelben Karten (je zwei für beide Teams in den ersten 45 Minuten) war Halbzeit.

Die begann für Augsburg deutlich besser: Gregoritsch gewann ein Kopfballduell gegen Vestergaard und setzte den Ball aufs Tornetz. Das Tempo war gleich wieder hoch, trotz der Temperaturen von 29 Grad im Schatten. Im Gegenzug spielte Hazard einen Konter schlecht aus, und es ging sofort weiter auf der anderen Seite. Diesmal musste Sommer den Schuss von Baier über die Latte wischen. Die folgende Ecke köpfte Caiuby nur knapp neben den linken Pfosten.

Bis zur 60. Minute schwamm Borussia gewaltig und kam kaum noch länger als drei Stationen an den Ball. Zudem knickte Christoph Kramer im Mittelfeld um, konnte nach einer Behandlung aber weitermachen. Hecking hatte bereits Laszlo Bénes herbeigerufen – der ersetzte kurz darauf den nach seinem Treffer etwas fahrigen Zakaria. Für Augsburg war es langsam zum Verzweifeln, während Sommer seine anfangs unsichere Leistung immer mehr aufwertete. Diesmal gewann er das Duell mit Schmid.

Herrmann hatte dann wie so oft in seinen 200 Einsätzen vorzeitig Feierabend, Jonas Hofmann kam für die Schlussphase. Erst in der 68. Minute zeigte sich Borussia mal wieder gefährlich vor dem Augsburger Tor. Hofmann spielte rechts raus zu Hazard, der in der Mitte den mitgelaufenen Bénes suchte und beinahe fand. Die Zeit spielte Borussia genauso in die Karten wie das ungeduldiger werdende Publikum.

Eine Viertelstunde vor dem Ende wechselte Augsburgs Trainer Manuel Baum dreimal. Der Spielfreude seiner Mannschaft tat das keinen Abbruch. Vestergaard musste zweimal in höchster Not retten, einmal hatte Schiedsrichter Sascha Stegemann nach einem Foul an Matthias Ginter immerhin schon abgepfiffen. Auch Hecking erschöpfte sein Wechselkontingent und brachte Fabian Johnson für den wieder sehr einsatzfreudigen Raffael.

In der 85. Minute wurde das Eckenverhältnis eingeblendet: 10:0 für Augsburg. Während die FCA-Fans vor Verzweiflung stöhnten, feierten die mitgereisten Borussia-Fans. Doch sie freuten sich zu früh – Cordova sorgte in der 89. Minute dafür, dass alles wie immer war in Augsburg für Borussia.

 
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