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Borussia Mönchengladbach
Beeindruckende Youngster und ein verkanntes Traumpaar

Einzelkritik: Bestnote für Christensen
Einzelkritik: Bestnote für Christensen FOTO: dpa, jgu kno
Mönchengladbach. Der Spielverlauf gegen Bremen hat an Gladbachs "Goldenen Oktober" erinnert, in dem es fünf Siege und ein Unentschieden gab. Auch die Elfmeterseuche ließ sich nach langer Zeit mal wieder blicken, blieb wie damals aber folgenlos. Von Jannik Sorgatz

1. Gute Quote Bislang galten Raffael und Lars Stindl als Traumpaar in Borussias Offensive. Doch Thorgan Hazard hat dieses Urteil gegen Bremen etwas revidiert. Dem Belgier gelang seine dritte Torvorlage der Saison, alle drei gelangen ihm gegen Werder, alle drei führten zum ersten Gladbacher Treffer des Spiels – und bei allen drei war Stindl der Abnehmer. Anders als in den beiden bisherigen Duellen mit Bremen gab es am Ende den Sieg. Und Hazard und Stindl sind jetzt das Duo mit den meisten Traumpaar-Momenten pro Minute.

2. Remis im Triezen Der Stachel saß tief. Das Champions-League-Aus in Manchester und das 0:5 in Leverkusen wären noch als Zweitagsfliegen zu verkraften gewesen, wenn sich das Aus im DFB-Pokal gegen Bremen nicht unmittelbar angeschlossen hätte. Und wenn es mit einem 3:4 nach 1:0-Führung im eigenen Stadion nicht so bitter ausgefallen wäre. "Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin", sangen in der 7. Minute die Werder-Fans, die fürs Viertelfinale am Dienstag bei Bayer Leverkusen gleich im Rheinland bleiben könnten. Außer Pfiffen hatten die Gladbacher Anhänger nicht viel zu entgegnen, bis sie nach dem 2:0 in der 54. Minute anstimmen konnten: "Wir singen Werder, Werder, 2.Liiiga!" Das Duell endet vorerst mit einem Unentschieden, Fortsetzung nächste Saison – wenn Bremen drinbleibt.

3. Rundum beeindruckend Menschen begeben sich in ein Fußballstadion, um mehr zu sehen als in einem sechsminütigen Sportschau-Beitrag. Wenn es dann um die entscheidenden Szenen eines Spiels geht, hat ihre Festplatte allerdings häufig eine ähnlich limitierte Kapazität. Deshalb fragte sich ein Großteil der 51.000 Zuschauer im Borussia-Park nach dem 2:0 durch Andreas Christensen, wie der Däne in den Fünfmeterraum gekommen war. Die Auflösung: Kurz hinter der Mittellinie eroberte er den Ball, zog das Tempo an, bediente Fabian Johnson im Strafraum und staubte nach den Zwischenstationen Raffael und Mahmoud Dahoud wie ein Mittelstürmer ab. Die Bestnoten hagelte es also nicht allein für Christensens Doppelpack. Auch der Rest war beeindruckend.

Bilder: Das ist Andreas Christensen FOTO: Dieter Wiechmann

4. Klassische Kombination Bis Freitag hatte die Borussia genauso viele Tore aus der eigenen Hälfte erzielt wie Eckballtore – jeweils null, um genau zu sein. Vielleicht hat jemand einen gescheiterten Versuch aus der eigenen Hälfte parat, bei den Ecken war es jedenfalls die 78. der Bundesligasaison, die zum Erfolg führte. Die Kombination Edeltechniker (Raffael) auf den Kopf eines Innenverteidigers (Christensen) war zudem eine äußerst klassische.

5. Verdienter Egoismus Dahoud hatte den Eckball mit einer Aktion herausgeholt, die stellvertretend für seine überragende Leistung stand. Zuerst spielten sein rechter und sein linker Fuß einen Doppelpass im Zweikampf mit Jannik Vestergaard, dann nahm es Dahoud noch physisch statt künstlerisch mit dem dänischen Hünen auf. Der regte sich fürchterlich auf und beruhigte sich erst, nachdem er den Ball noch einmal ins Netz gedroschen hatte. Dahoud hätte auf seinen Assist zum 2:0 sowie die Assist-Assists zum 1:0 und 3:0 noch weitere Torbeteiligungen folgen lassen können. Doch zweimal versuchte er es selbst, anstatt den besser postierten Mitspieler zu suchen. Es sagt viel aus über die Leistung des 20-Jährigen, dass er sich diesen Egoismus locker gönnen konnte.

6. "Ketchup-Effekt" In den guten Phasen des Spiels war Borussias Spielfreude bemerkenswert und immerhin dauerten die guten Phasen zusammen etwa 65 Minuten an. So ähnelte die Partie den Auftritten in Frankfurt (5:1) und Berlin (4:1), die auch um ein Tor zu hoch ausgefallene Siege brachten. Das war im "Goldenen Oktober" 2015. Nun nährt der "Ketchup"-Effekt gegen Bremen den Glauben, dass Gladbachs Offensive, wenn sie einmal warmläuft, für das Gros der Liga nur schwer zu stoppen ist.

Borussia Mönchengladbach: Scorerliste der Saison 2015/16 FOTO: ap

7. Schweizer Co-Rettung Da muss die Defensive nur einigermaßen sicher stehen und darf sich sogar Aussetzer erlauben. Am Freitag untermauerte dafür Yann Sommer eindrucksvoll seine Qualitäten auf der Linie und fing zudem einige hohe Bälle auch außerhalb des Fünfmeterraums ab. In der 65. Minute war es eine Schweizer Co-Produktion, die eine ähnliche Dynamik wie beim Pokal-Aus im Dezember im Keim erstickte. Sommer parierte zunächst bärenstark gegen Zlatko Junuzovic, dann verteidigte Nico Elvedi das leere Tor gegen den einschussbereiten Claudio Pizarro mit allem, was er hat. Überhaupt steigerte sich Elvedi, diesmal für den angeschlagenen Julian Korb hinten rechts unterwegs, im Vergleich zum Dortmund-Spiel deutlich.

8. Verkannte Glücksbringer Martin Hinteregger ist neu und hat die Borussia vielleicht schon im Herbst intensiv verfolgt. Da kann es durchaus sein, dass das Ende der Elfmeterseuche an ihm vorbeigegangen ist. Am Freitag verschuldete er den 13. Strafstoß der Saison, als zehnter Borusse trug er sich in die Liste ein, die zuletzt etwas eingestaubt war. Unter Schubert in der Bundesliga sind Elfmeter für den Gegner jedoch regelrechte Glücksbringer. Gegen Augsburg, Stuttgart, Frankfurt, Berlin und Bremen gewann Gladbach trotzdem, kassierte sogar ausschließlich Gegentore vom Punkt.

Alle Elfmeter gegen Borussia in der Saison 15/16 FOTO: ap, mm

9. Ende des Fluchs Schubert kann Statistiken nicht viel abgewinnen, das ist sein gutes Recht. Zumal er bis vor kurzem an Freitagen mit seiner Mannschaft auf dem Trainingsplatz stand und nicht in der Bundesliga ran musste. Zum vielzitierten Freitagsfluch hat er also nicht viel beigetragen, geboren wurde er unter Lucien Favre, jetzt hat Schubert ihn beendet. Nach 569 Minuten ohne Freitagstor war Stindl erfolgreich, nach dem 5:1 wird bis 2018 vermutlich auch niemand mehr mit dem Thema um die Ecke kommen.

10. Halt-Pohl-Lauf Außerdem gab es den effektiven Gegenfluch, Karneval ist mächtiger als ein schnöder Wochentag. Wir zählen nüchtern und formlos die neun Karnevalsspieltage seit 2007 auf, an denen es sechs Siege und drei Unentschieden gab:

  • 2008: 1:1 gegen Kaiserslautern (H)
  • 2009: 3:2 gegen Hannover 96 (H)
  • 2010: 2:1 gegen Nürnberg (H)
  • 2011: 2:0 gegen Hoffenheim (H)
  • 2012: 2:1 gegen Kaiserslautern (A)
  • 2013: 3:3 gegen Leverkusen (H)
  • 2014: 1:1 gegen Braunschweig (A)
  • 2015: 1:0 gegen Köln (H)
  • 2016: 5:1 gegen Bremen (H)
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