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Borussia Mönchengladbach
Kein Spitzenteam ist so schwer zu durchschauen

Tops und Flops der Hinrunde in Zahlen
Tops und Flops der Hinrunde in Zahlen FOTO: dpa, ade nic
Mönchengladbach. Hinter Borussia Mönchengladbach liegt das, was man auf den ersten Blick eine Achterbahn-Fahrt nennen würde. Doch selbst die Achterbahn der Hinrunde war keine gewöhnliche. Das zeigt der Statistik-Rückblick. Von Jannik Sorgatz

Bereits vergangene Saison war die Borussia ein Lieblings-Phänomen aller Analysten, egal ob hauptberuflich oder hobbymäßig. Eine der ballsichersten und dominantesten Mannschaften der Bundesliga ließ regelmäßig mehr Torschüsse zu, als sie selbst produzierte, und am Ende standen besonders in der rekordverdächtigen Rückrunde meist drei Punkte zu Buche.

Im zweiten Halbjahr 2015 war Gladbach allerdings ein noch größeres Rätsel. Fünf Niederlagen vom Start weg, als Dritter der Vorsaison, mit einer direkt daran anschließenden Serie von sechs Siegen in Folge haben Liga-Geschichte geschrieben. Nach dem elften Spieltag war das Schlusslicht des fünften Spieltages schon wieder auf den Europapokal-Plätzen angekommen. Doch das war nur die Spitze des Zahlen-Eisberges. Wenn man anhand von Statistiken ein Gemälde in Auftrag geben könnte, wäre bei diesem Borussia-Kunstwerk alles krumm und schief, es würde bei einer Auktion aber vermutlich Millionen einbringen. Und die Analysten würden sich am Kopf kratzen.

Nicht dass der Erfolg unter André Schubert unerklärlich wäre. In vielen Bereichen ist Gladbach ein Spitzenteam. Davon zeugen oberflächlich die 32 Tore in zwölf Spielen unter dem neuen Trainer. Etwas hintergründiger ist da schon die Information, dass zwölf verschiedene Spieler trafen, so viele wie sonst nur beim FC Bayern. Sechs Akteure mit mindestens drei Hinrundentoren sind sogar Ligaspitze.

Borussia Mönchengladbach: Scorerliste der Saison 2015/16 FOTO: ap

Die Borussia ist weiterhin schwer auszurechnen, aber selbst mit den offensichtlichen Stärken, scheinen die Gegner häufig nicht zurechtzukommen. So ist die Linkslastigkeit im Spiel mit Oscar Wendt und Fabian Johnson ein Trumpf, beide könnten theoretisch ohne großen Substanzverlust die Position des anderen übernehmen. Beim 3:2 gegen den SV Darmstadt rückte Wendt in der Schlussphase wirklich nach vorne und erzielte den Siegtreffer.

Mit Flexiblität und Willenskraft konnte Gladbach besonders zum Ende der Hinrunde physische Defizite ausgleichen. Umso bemerkenswerter, dass auf diese Weise in den letzten fünf Ligaspielen der Hinrunde durch späte Tore noch fünf Punkte geholt wurden: Das 2:1 gegen Hannover 96 fiel in der 84. Minute, das 3:3 gegen die TSG Hoffenheim und das 3:2 gegen Darmstadt jeweils in der 87. Minute. Da ist eine Mannschaft offensichtlich platt, fällt bei Manchester City und Bayer Leverkusen völlig auseinander und streut drumherum dennoch diese moralischen Spitzenleistungen.

Dass Yann Sommer in 16 Spielen nur einmal die Null hielt, wird ihm persönlich kaum jemand ankreiden. Die Gegentorflut kompensierte die Borussia in manchen Partien halt mit noch mehr eigenen Toren. Das Schubert-Torverhältnis von 32:18 sieht außerdem weitaus freundlicher aus als die Gesamtbilanz von 34:30, die an ein mittelklassiges Team in den torreichen 70ern und 80ern erinnert.

Ein Schwachpunkt in der Hinrunde waren die vielen Tore, die Gladbach nach Standards, Kopfbällen oder am besten gleich nach Kopfbällen bei Standards kassierte. Hier soll die Verpflichtung von Martin Hinteregger für Besserung sorgen. Ansonsten kann die Borussia aus den zwölf Schubert-Spielen ganz viel in die Rückrunde mitnehmen. Zudem werden die Altlasten des Fehlstarts mit jedem Spieltag weniger spürbar.

Hier geht es zu den Tops und Flops der Hinrunde in Zahlen.

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