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Borussia Mönchengladbach
Hazard: "Ich bin bereit für die Startelf"

Porträt: Das ist Thorgan Hazard
Porträt: Das ist Thorgan Hazard FOTO: afp, jd ej
Mönchengladbach. Der belgische Offensivmann Thorgan Hazard spricht über Familie, seine Freundschaft zu Ibrahima Traoré und seine sportliche Situation bei Borussia.

Herr Hazard, zunächst mal Glückwunsch. Sie sind seit kurzem zweifacher Vater – die Familie wächst. Wie fühlt sich das an?

Thorgan Hazard Super. Das Baby entwickelt sich gut. Es trinkt viel und schläft gut - nun, es könnte besser sein mit dem Schlafen, aber das ist okay. Es macht viel Spaß und wir sind sehr glücklich.

Mal ehrlich: Wechseln Sie auch die Windeln?

Hazard (lacht) Natürlich! Aber nicht so lange das Baby noch so klein ist. Das kann meine Frau besser. Aber wenn es größer ist: Na klar!

Familie ist Ihnen wichtig?

Hazard Ja, sehr. Wir sind lieber 30 als 20, wenn wir uns treffen. Ich habe drei Brüder, wir haben zusammen schon viele Kinder, es ist wie ein Kindergarten, laut und lustig, wir haben fast ein Fußballteam zusammen. Wobei: Ich weiß ja nicht, ob meine Mädchen auch Fußball spielen werden, aber ich bin mir sicher, dass Edens Jungs gute Kicker werden.

Zwei Kinder bedeutet viel Verantwortung, die scheuen Sie nicht?

Hazard Ich übernehme gern Verantwortung, das habe ich schon immer getan. Bei meiner Familie und auch auf dem Spielfeld - im Moment gilt es ja mehr für die Familie, weil ich wenig spiele.

Das würden Sie gern ändern. Glauben Sie, dass sich ihre Situation verändert hat, nachdem Josip Drmic nun zum Hamburger SV gewechselt ist?

Hazard Ich weiß es nicht. Josip hat ja auch nicht viel gespielt. Aber er kam vor mir ins Team, wenn jemand ausgefallen ist, wie gegen Sevilla und Leverkusen. Ich versuche, dem Trainer weiter zu zeigen, was ich kann. Gegen Mainz habe ich seit langem mal wieder 30 Minuten gespielt, da konnte ich mehr zeigen. Wenn man nur ein paar Minuten spielt, ist es schwer, viel zu zeigen.

Am Anfang der Saison haben Sie zur Startelf gehört.

Hazard Ja, und ich denke, ich habe s auch ganz gut gemacht. Gegen Schalke im Pokal und gegen Darmstadt habe ich ja auch von Beginn an gespielt. Ich kämpfe weiter um meine Chance und versuche, sie zu nutzen, wenn sie kommt. Ich weiß, dass ich die Qualität habe, und bereit bin für die Startelf - und davon will ich den Trainer überzeugen.

Haben Sie in der Winterpause an einen Wechsel gedacht?

Hazard Wenn man nicht viel spielt, macht man sich immer Gedanken, wie es weitergeht. Das ist normal. Ich habe ein Gespräch mit Max Eberl und Steffen Korell gehabt, um die Situation zu verstehen. Vorher hatte auch André Schubert mit mir gesprochen und mit gesagt: Du bekommst deine Chance und kannst mir dann zeigen, was Du kannst. Ich habe versucht, es zu tun. Und ich denke, ich habe etwas gezeigt. Aber es ist nicht leicht, wenn man nicht mal zwei, drei Spiele in Folge macht. Allerdings hat es auch das Team gut gemacht, vor allem vorn: Raffael spielt eine tolle Saison, auch Lars Stindl. Die Konkurrenz ist groß.

Diese Saison sollte für Sie eigentlich der nächste Schritt sein für Sie. Gibt es einen Stillstand oder haben Sie einen Fortschritt gemacht?

Hazard Ich habe mich entwickelt, natürlich. Ich spielte zwar nicht regelmäßig, aber es ist eine andere Situation, als in der Saison zuvor. Da war ich ein neuer Spieler im neuen Verein. Ich habe gespielt und dem Trainer gezeigt, was ich kann. Dann ist der Trainer gegangen und einer neuer ist da: Alles war wieder auf Null gestellt, ich musste von vorn anfangen.

War das Spiel in Mainz ein Schritt nach vorn? Sie haben einige gute Aktionen gehabt.

Hazard Der Trainer hat gesagt, er war zufrieden mit mir. Was nun kommt, werden wir sehen. Ich hoffe vor jedem Spiel, dass ich anfange, also auch nun gegen Bremen. Wenn ich spiele, werde ich versuchen, ein super Spiel zu machen und dem Team zu helfen, zu gewinnen. Nach den beiden Niederlagen in der Rückrunde wäre es gut, wieder mal zu siegen.

Bremen wird ein harter Brocken sein. Es gab schon zwei Niederlagen in dieser Saison.

Hazard Richtig. Aber wir wollen und brauchen den Sieg. Wir wollen oben dabei bleiben und wollen dafür zu Hause unsere Punkte holen. Im Pokalspiel haben wir viele Fehler gemacht, aber wir hätten das Spiel gewinnen können. Es war ärgerlich.

Sieht Schubert Sie im Zentrum oder auf dem Flügel?

Hazard Das ist schwer zu sagen. Wenn ich reingekommen bin, dann oft auf dem Flügel. Beim Pokalspiel in Schalke habe ich im Zentrum gespielt an der Seite von Lars Stindl. Ich spiele lieber zentral, aber ich mag es auch, auf dem Flügel zu spielen. Für mich geht es nur darum, zu spielen, und wenn ich linker oder rechter Verteidiger sein soll, dann mache ich das.

Wenn Sie in der Rückrunde auch nicht viele Einsatzzeiten bekommen - werden Sie dann über einen Wechsel im Sommer nachdenken?

Hazard Ich will viel spielen, das weiß jeder im Verein. Dafür werde ich alles tun. Ich habe einen langen Vertrag bei Borussia - und ich fühle mich wohl, im Klub, in der Stadt. Meine Familie ist hier, ich habe hier gute Freunde. Als Spieler muss man allerdings auch darauf achten, ob man Einsätze bekommt, das ist klar. Ich hoffe, ich bekomme meine Chance, mein ganzes Können zu zeigen. Wenn ich richtig schlecht spiele, kann ich verstehen, wenn man mich auf der Bank setzt. Wir werden sehen, wie die Saison noch läuft.

Sprechen Sie mit Ihrem großen Bruder Eden über Ihre Situation?

Hazard Nicht so viel. Er hat ja im Moment die gleiche Situation und muss sich darauf konzentrieren. Wir sprechen ab und an, aber so recht kann er mir auch keine Tipps geben: Er war ja nie in so einer Situation, dass er nicht regelmäßig spielt. Darum kann er mir nicht viel dazu sagen. Er hat nur gesagt: Wenn du ein paar Minuten bekommst, zeig alles, was du hast. Eden hat sich das Mainz-Spiel angeschaut und mir nachher gesagt: Das war gut, mach so weiter.

Die Hazard-Familie ist eine Fußball-Familie. Wer ist Ihr größter Kritiker? Ihr Vater? Eden? Oder Ihre Mutter?

Hazard Schwer zu sagen. Mal ruft mich mein Vater nach einem Spiel an, manchmal schickt mir meine Mutter eine SMS oder meine Brüder melden sich. Aber es wird nicht jedes Spiel durchgesprochen. Unsere Eltern sagen uns: Spielt euer Spiel und dann wird es gut sein. Aber ich muss sagen: Meine Mutter ist die, die sich am meisten mit Fußball beschäftigt. Sie liebt Fußball.

Ist Sie für Gladbach oder Chelsea, wo Eden spielt?

Hazard Sie ist für beide. Und für Ujpest Budapest, wo mein kleiner Bruder spielt.

Wie wichtig ist Ibo Traoré für Sie? Sie sind gute Freunde geworden.

Hazard Er ist sehr wichtig für mich. Als ich kam, hat er sich um mich gekümmert. Und anfangs waren wir in der derselben Situation, als wir beide neu waren und nicht gespielt haben. Wir konnten uns gegenseitig helfen. Jetzt spielt Ibo eine tolle Saison, er ist "on Fire", die Fans lieben ihn und seine Spielweise. Er sagt mir: Mach weiter, es wird kommen. Ibos Beispiel zeigt: Wenn die Chance kommt, muss man sie nutzen. Er hat es getan.

Üben Sie im Training schon mal das Kumpel-Tor: Flanke Traoré, Treffer Hazard. Oder umgekehrt?

Hazard Wir machen nach dem Training öfter mal mit Yann Sommer Torschussübungen. Ibo ist ja ein Spezialist und ich bin auch ganz gut bei Freistößen. Ibo probiert immer wieder seinen Ibo-Trick: reinziehen in die Mitte und dann abziehen. Er macht das super.

Wie sieht Ihr Plan für die Rest-Saison aus?

Hazard Wir wollen wieder die Champions League erreichen. Es wird schwer. Es wird ein harter Kampf mit Schalke, Leverkusen und Wolfsburg, auch Hertha ist da, aber es ist nicht unmöglich. Ich will viel dazu beitragen - auf dem Platz.

Und nächste Saison spielen Sie dann gegen Eden im Europapokal?

Hazard (lacht) Ha! Chelsea wird es schwer haben, in die Champions League zu kommen. Dazu müssen sie die Champions League in dieser Saison gewinnen, vermute ich. Aber vielleicht spielen wir auch beide in der Europa League -und vorher fahren Eden und ich zusammen zur EM. Das wäre der perfekte Plan. Allerdings habe ich nur eine EM-Chance, wenn ich viel spiele. Also muss ich mich erst mal auf meinen Job bei Borussia konzentrieren und den Trainer überzeugen.

Borussias 9 ist weg, aber die 10 startet durch?

Hazard Erst mal muss die 10 noch Geduld haben. Aber ich will mich durchsetzen.

KARSTEN KELLERMANN FÜHRTE DAS GESPRÄCH

Quelle: RP
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