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Borussia Mönchengladbach
Torloses Jubiläum

Einzelkritik: Gladbachs Offensive zu unpräzise und kraftlos
Einzelkritik: Gladbachs Offensive zu unpräzise und kraftlos FOTO: Dirk Päffgen
Mönchengladbach. Borussias Mittelfeldspieler Christoph Kramer machte am Freitag gegen Eintracht Frankfurt sein 100. Bundesligaspiel. Doch entscheidende Impulse konnte auch er beim ereignisarmen 0:0 gegen einen kompakten Gegner nicht setzen. Von Karsten Kellermann

Neun mal 90 gleich 100. Das ist die Rechnung, die Christoph Kramers Bundesligakarriere zusammenfasst. Neunmal hat der Mittelfeldspieler in dieser Saison für Borussia gespielt inklusive der gestrigen Partie gegen Eintracht Frankfurt. Dass er nicht eine Minute verpasste, als einziger Feldspieler in dieser Saison mithin, ist ein netter Nebenaspekt der Geschichte. Doch der Hauptplot des Abends war dann doch sein Jubiläum: Es war sein 100. Spiel in der Bundesliga, 72 davon machte er für Gladbach, 28 während der Exkursion nach Leverkusen.

Ein besonderes Spiel sei das 100. für ihn, hatte Kramer vorab gesagt. Das wurde es auch, indes anders, als es sich Kramer erhofft hatte. Es gab das zweite sieglose Heimspiel in Folge, wie gegen den Hamburger SV kamen er und seine Kollegen nicht über ein 0:0 hinaus.

Dass er mit 25 Jahren schon dreistellig sein würde in seiner Spielbilanz, hat sich Kramer im Sommer 2013, als er Borusse wurde mit damals noch 22 Jahren, nicht träumen lassen. Doch zeugt diese 100 von seinem kometenhaften Aufstieg bei Borussia, der ihn bis ins WM-Finale und zum Triumph von Rio katapultierte. Die Gäste, die sich zum "Runden" eingefunden hatten, waren jedoch welche aus der schwierigen Kategorie. Denn Frankfurt ist extrem kompakt und unangenehm. Gerade in solchen Spielen ist einer wie Kramer gefragt.

Er soll Ordnung ins Spiel bringen und Ruhe. Der junge Mo Dahoud, der am Freitag wieder neben ihm spielte, ist eher der Feingeist und in Raffaels Abwesenheit ein nötiger Kreativling, der für Tobias Strobl ins Team kam. Kramer hat den defensiveren Part in der Doppelsechs – und ist der mit der Erfahrung. Und er war viel unterwegs, wie gewöhnlich. Kramer zeigt Präsenz, das ist sein Spiel, er wurde als Führungsspieler zurückgeholt von Bayer, das entspricht seinem Selbstverständnis.

Doch an Abenden wie dem gestrigen ist es schwer, inspiriert zu sein und zu inspirieren. Kramer dirigierte zwar, zuweilen beidarmig, doch seine Fingerzeige fruchteten zunächst nicht – und zündende Ideen hatte auch er nicht. Defensiv machte er es gut, ließ in Zusammenarbeit mit Tony Jantschke in der Mittelfeldzentrale kaum etwas zu. Doch entscheidende Impulse konnte auch er dem eigenen Angriffsspiel nicht geben. Er spielte vor allem kurze Pässe, Pässe, die zwar situativ beruhigten, aber nichts aufbrechen konnten. So brachten seine knallorangenen Schuhe mehr Farbe ins Spiel als er selbst. In der 50. Minute aber spielte Kramer dann den Ball mal steil, auf André Hahn, dessen Hereingabe Fabian Johnson im Strafraum aber knapp verpasste. Da war endlich Geschwindigkeit im Spiel, die den Borussen sonst fehlte.

Das lag auch an Kramer, aber nicht nur. Er will den Stress der englischen Wochen nicht gelten lassen, hat angeraten, nicht zu viel darüber zu sprechen, um sich die Müdigkeit nicht einzureden. Doch die Frische, die Lockerheit fehlte gestern auch ihm. "Wir haben derzeit nicht so das Selbstverständnis nach vorne. Da ist es wichtig, dass wir defensiv stabil stehen. Und das haben wir getan", sagte Kramer, der bis zum Schluss bemüht war.

Nun ja, und hätte Oscar Wendt nicht die Latte, sondern ins Tor getroffen, dann hätte Kramer ihm wohl einen ausgegeben. Doch Wendt traf nicht. Daher ist Kramers 100 in der Bundesliga für ihn wohl eher ein statistischer Wert, aber kein Spiel, das in der Erinnerung bleibt.

Quelle: RP
 
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