| 16.29 Uhr

Borussia Mönchengladbach
Trainer Schubert sammelt Pluspunkte

Einzelkritik: Wendt und Xhaka überzeugen
Einzelkritik: Wendt und Xhaka überzeugen FOTO: afp, MLM
Turin. Die Übergangslösung auf Borussias Bank betreibt Werbung für ein dauerhaftes Engagement. Auch unter den Spielern gibt es Fürsprecher. Von Karsten Kellermann

Die T-Frage, die Frage nach dem neuen Cheftrainer, ist in diesen Tagen unvermeidlich bei Borussia Mönchengladbach. Das ist so seit dem Tag nach dem Rücktritt von Lucien Favre. Sportdirektor Max Eberl entschied sich damals für eine Übergangslösung: André Schubert, der bis dahin Borussias U23 betreute. Schubert war gerade erst gekommen, weil der Trainerjob beim Regionalliga-Team vakant war. Borussia wählte ihn auch deswegen aus, weil die Wankelmütigkeit Favres bekannt war. Ein Trainer in Reserve für den Fall der Fälle. Der trat nach dem Derby in Köln ein.

Seitdem ist Schubert Trainer auf Zeit. Eberl hat ihn installiert, um in Ruhe nach dem "neuen perfekten Trainer" fahnden zu können. Schubert hat Erfolg. Vier Siege in der Liga gab es, seit er übernommen hat. Kein anderer Gladbach-Trainer ist so gut gestartet. Nun hat er den zweiten Geschichtsbucheintrag sicher: Das 0:0 bei Juventus Turin ist der erste Punkt, den Gladbach in der Champions League holte. In Turin zeigte Borussia ein eher Schubert-untypisches Spiel: Sie verteidigte aufopferungsvoll und verzichtete (auch vom Gegner erzwungen) auf das übliche hohe Pressing. Schuberts Gladbach kann also nicht nur gewinnen, sondern auch auf Ergebnis spielen. Das ist ein neuer Aspekt in der laufenden Echtzeit-Bewerbung des Trainers. In der stehen inzwischen so viele Pluspunkte, dass längst vermutet wird, Schuberts Beförderung zum offiziellen Chef ist die logische Folge.

Fotos: Borussen bedanken sich bei 4000 Fans in Turin FOTO: dpa, lus jai

Schubert bleibt eine Übergangslösung

Doch Eberl bleibt dabei, dass Schubert eine Übergangslösung ist. Gleichwohl hat er auch nie völlig ausgeschlossen, dass der Bundesliga-Novize am Ende den Job doch machen darf. "Es kann auch sein, dass André Schubert Trainer wird", sagte Eberl nun in Turin. Zur Fraktion derer, die das empfehlen, gehört Mittelfeldmann Granit Xhaka. "Er macht es wirklich gut", sagte auch Stürmer André Hahn. Was der Unterschied ist zwischen der Zusammenarbeit mit Schubert und Favre, beschrieb nun der verletzte Kapitän Martin Stranzl, der während des Spiels in Turin Experte bei Sky war. "Es war immer schwierig, einen Weg gemeinsam zu finden. Er hat seine Gedankenwege. Wenn etwas anderes hinzukam, war es immer direkt eine Erschütterung", sagte Stranzl über Favre. Schubert hingegen "ist sehr kommunikativ und tauscht sich gerne aus. Er bleibt fokussiert, aber bringt auch Lockerheit rein".

Eberl ist also in der Komfortzone unterwegs. Dabei hilft der Umstand, dass Schubert "beim Team den Nerv trifft" (Eberl). Für den Moment ist Schubert der richtige Trainer für das Team. Der Manager kann den Markt sondieren und die Option Schubert beobachten: Wie geht der Kandidat mit Rückschlägen um? Ist er über den Motivator hinaus auch einer, der dem Team eine (neue) Richtung geben kann?

Bislang hat sich Schubert ein sehr gutes Zeugnis verdient. Die vier Siege haben sein Team in der Liga von Rang 18 auf zehn gehievt. Mit einem Sieg am Sonntag gegen Schalke, wäre Borussia in der oberen Tabellenhälfte ankommen - "da, wo wir hingehören. Letzte Saison haben wir uns alles von oben angeschaut, jetzt ist das Motto von unten nach oben zu kommen", sagte Xhaka. Das gilt auch für die Champions League: Der Punkt aus Turin hält die Möglichkeit offen, 2016 weiter international dabei zu sein.

Quelle: RP
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