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Borussia Mönchengladbach
4:2 – oder die Rückkehr des Gerüsts

Einzelkritik: Raffael glänzt als Vorbereiter
Einzelkritik: Raffael glänzt als Vorbereiter FOTO: dpa, fg fdt
Mönchengladbach. Der Traumstart für Borussias Interimstrainer André Schubert fußt auf einem wieder besser harmonierenden Kollektiv: Die Rückkehrer Herrmann, Dominguez und Johnson fungieren im Team gleichermaßen als Kitt wie als Vitamin B. Von Stefan Klüttermann

Letztlich hatte André Schubert einfach das getan, was er auch zuvor getan hatte, als er eine neue Aufgabe angetreten hatte: Er gewann sein erstes Pflichtspiel. Wie in Baunatal, wie in Paderborn, wie auf St. Pauli und wie auch vor wenigen Wochen bei Borussias U 23. Nun holte Gladbachs Interimstrainer also auch mit den Profis drei Punkte beim Debüt. Wobei das, was beim furiosen 4:2-Befreiungsschlag gegen den FC Augsburg die nachhaltigste Hoffnung auf einen nachhaltigen Aufschwung am Niederrhein nährte, die Tatsache war, dass es ein Erfolg des Kollektivs war. Das Team ist in der Fußballersprache seit Jahren der Star, in Gladbach ist seit gestern das Team der Hoffnungsträger.

Dabei profitierte Schubert von zweierlei Dingen: Zum einen vom Mut, in Patrick Herrmann, Alvaro Dominguez und Fabian Johnson gleich drei in die Startelf zu befördern, die ihr Comeback nach Verletzungspause feierten. Zum anderen davon, dass diese drei dazu beitrugen, dass die Mannschaft wieder über weite Strecken als Kollektiv auftrat. Ein Trio als Kitt und Vitamin B zugleich. "Das ist ja das, was wir Lucien Favre auch am Sonntag gesagt haben, dass ein Patrick Herrmann, ein Alvaro Dominguez, ein Fabian Johnson zurückkehrt. Du kannst das Gerüst wieder aufbauen", sagte Sportdirektor Max Eberl vor dem Anpfiff bei "Sky".

Dahoud erzielt erstes Bundesliga-Tor FOTO: dpa, fg fdt

Es war beileibe nicht so, dass Schubert dem Fußball von Lucien Favre den Rücken gekehrt hätte, es war eher so, dass die Spieler den Favre-Fußball in diesen 90 Minuten lange Zeit mit der von Schubert eingeforderten Aktivität und Aggressivität gegen - zugegebenermaßen eine Halbzeit lang extrem schwache Augsburger - ausführten. Dominguez spielte ruhig, solide und bis auf die Szene vor Augsburgs erstem Elfmeter auch clever, Johnson garnierte seine unaufgeregte, dafür aber umso wichtigere Spielweise für Borussias System als Türöffner zum 1:0, und Herrmann brachte in seinen knapp 55 Minuten wieder mehr Tempo zurück auf den Rasen. Plötzlich war Raffael bärenstark und hatte Partner zum Kombinieren, plötzlich fand ein emsiger Lars Stindl seine Rolle, plötzlich packte Oscar Wendt auf der linken Seite wieder mehr offensiver Mut.

Die drei Rückkehrer gaben ihren Nebenleuten also viel, und sie bekamen auch zurück: Dominguez profitierte davon, dass die Doppelsechs vor ihm und Christensen gut funktionierte, Johnson und Herrmann funktionierten von den stark verbesserten Raffael und Stindl. Ein Kollektiv, das - wie von allen Beteiligten in den Tagen zuvor gefordert - gemeinsam aus der Krise rauskommen will und kann.

Favre war in dieser noch jungen Saison erfolglos auf der Suche nach seinem Gerüst gewesen, also nach dem, was mehr als vier Jahre eines seiner Erfolgsrezepte gewesen war. Misserfolg, Formkrisen und Verletzungspech zwangen ihn immer wieder zu vielen Umstellungen, manche machte er indes auch ohne Not. Glücklos blieb er in jedem Fall. Nun könnte sein Erst-einmal-Nachfolger jenes Gerüst wiedergefunden haben, das harmoniert. Schubert sagte zwar: "Es ist die Elf für heute Abend", und etwas anderes wäre auch überraschend inmitten Englischer Wochen, aber die Balance war in dieser Besetzung eben lange wieder stimmiger. Es war alles noch nicht wieder rosig, aber es gab eben wieder zahlreiche herausgespielte Chancen, Stabilität und Verteidigen im Miteinander statt im Nebeneinander. Das Team ist in Gladbach eben der Hoffnungsträger.

Borussia kassiert schon wieder zwei Elfmeter-Tore FOTO: dpa, fg fdt
Quelle: RP
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