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Borussia Mönchengladbach
Ein Name, zwei Marken

Borussia bereitet sich intensiv auf den Saisonstart vor
Borussia bereitet sich intensiv auf den Saisonstart vor FOTO: Dirk Päffgen
Mönchengladbach. Zum Bundesligaauftakt treffen sich morgen die Namenscousinen aus Dortmund und Mönchengladbach. Doch wo "Borussia" draufsteht, ist nicht dasselbe drin. Trotz aller Unterschiede gibt es allerdings auch Gemeinsamkeiten. Von Karsten Kellermann

Der Fußball hat sich verändert. Auf dem Rasen, aber auch drum herum. Dort, wo professionell gespielt wird, sind die Klubs längst Unternehmen geworden, zuweilen sogar börsennotierte - und sie haben jeder für sich ein Markenbild entworfen. "Claim" heißt das in der Wirtschaft. Darüber definiert sich der Klub, er beschreibt seine Seele, sein Selbstverständnis.

13 Sportvereine in Deutschland tragen den Namen Borussia. Die beiden namhaftesten treffen sich morgen um 18.30 Uhr beim Bundesliga-Auftakt: Die Borussia aus Dortmund empfängt die aus Mönchengladbach. Den Vornamen haben beide gemeinsam, doch es sind zwei Marken, die da vor 80.000 Menschen aufeinandertreffen.

"Fohlenelf, das ist unsere Marke" sagt Markus Aretz, der in Gladbach für die Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich ist. Das Wort ist auch auf den Kragen der Trikots gestickt. "Darin steckt viel von den Tugenden, die wir mit Borussia verbinden: Traditionsbewusstsein, Glaubwürdigkeit, Mut, Jugendlichkeit, Begeisterung. Diese Grundwerte finden sich in allen Bereichen des Klubs wieder", sagt Aretz. Der Ursprung dieser Werte ist die Tradition Borussias, "in den späten 60er und 70er Jahren, als die Fohlenelf von Hennes Weisweiler Fußballdeutschland begeisterte", sagt Aretz. Erfinder des Namens war der damalige RP-Redakteur W. A. Hurtmanns. Kurz nach dem Umzug in den Borussia-Park wurde eine Findungskommission gebildet, die dann "das, was diesen Klub ausmacht, strukturiert und damit das Bild geschärft hat", sagt Aretz. Heute ist der Name Programm in Gladbach - und zugleich auch "ein Markenversprechen, an dem wir uns und unsere Fans sich orientieren", wie Aretz sagt.

Das gilt auch für den Slogan der anderen, der westfälischen Borussia: "Echte Liebe." Auch darin steckt das Selbstverständnis des Revierklubs. Wir-Gefühl, Traditionsbewusstsein, Volksnähe, attraktiver Fußball, aber auch Maloche sind die Attribute, über die sich der BVB definiert. Der Ursprung des Klubs ist das Arbeiterviertel rund um den Borsigplatz im Norden der Stadt, und diesem fühlt sich der BVB stets verpflichtet. Auch wenn er inzwischen ein Global Player geworden ist, der zuletzt auch eine Promotion-Tour nach Asien machte. Zugleich gibt es nach wie vor den traditionellen vorsaisonalen Gottesdienst. Der war gestern Abend in der Dortmunder Dreifaltigkeitskirche, in der die Wurzeln des BVB liegen, um exakt 19.09 Uhr - wegen des Gründungsjahrs der neun Jahre jüngeren der beiden Borussias.

Wo Borussia draufsteht, ist also nicht dasselbe drin - und nicht einmal der Name hat denselben Ursprung. Während sich das "Borussia" in Mönchengladbach auf den preußischen Ursprung des Namens bezieht ("Borussia" ist latinisierter Name des ehemaligen deutschen Königreichs Preußen), verdankt der BVB seinen Vornamen eher einem Zufall. Während der Gründungsversammlung in der Dortmunder Gaststätte "Wildschütz" ging es turbulent zu, und am Ende wurde ein Name für das neue Etwas gesucht. Da fiel der Blick der Gründerväter auf ein Werbeplakat der da schon längst geschlossenen Borussia-Brauerei. Somit findet sich - indes unfreiwillig - auch die Tradition der einstigen Bierstadt Dortmund in der Namensgebung wieder.

Trotz aller Unterschiede: "Es gibt sicherlich Klubs, die sich mehr unterscheiden", sagt Markus Aretz. Beide Klubs sind tief verwurzelt in ihrer Tradition, haben bundesweit Fans und Sympathisanten und gehören zu den Vorzeigeobjekten der Bundesliga. Und beide stehen für offensiven Systemfußball, jeder auf seine Art. Borussia gegen Borussia, das ist eines der großen Traditions-Duelle im Lande. Der Vergleich der Namenscousinen ist eine Marke für sich. "Es waren immer sehr interessante Spiele, bei denen immer viel los war", sagt Gladbachs Defensivmann Tony Jantschke.

Quelle: RP
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