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Borussia Mönchengladbach
Borussia und die Briten – eine besondere Beziehung

Raffael verschießt Elfmeter nach Schwalbe
Raffael verschießt Elfmeter nach Schwalbe FOTO: dpa, ve sab
Mönchengladbach . Borussia hat von jeher ein spezielles Verhältnis zu britischen Klubs. Der erste Europapokal-Gegner überhaupt waren nach dem Pokalsieg von 1960 die Glasgow Rangers. Duelle gibt es aber nicht nur auf dem Rasen, sondern auch bei Twitter.  Von Karsten Kellermann

Jetzt lieferte sich die Borussia wieder mit Manchester City einen Schlagabtausch – im Internet. Die Gladbacher leisteten sich einen Spitze gegen Joe Hart, den sie mit ihrem Fitness-Trainer Markus Müller verglichen. Optisch ist das tatsächlich nicht so abwegig. Aber der Reihe nach.

Die Begegnungen gegen die Rangers waren eine derbe Erfahrung für die Gladbacher, 0:3 und 0:8 gingen die Spiele verloren gegen den hochhaushohen Favoriten. Kurios: 16 der 22 Borussen, die 1960 zum Rückspiel nach Schottland reisten, hatten zuvor nie in einem Flugzeug gesessen.

Gegen den FC Everton gab es dann 1970 die nächste Traurigkeit. Nach zweimal 1:1 gab es im Pokal der Landesmeister ein Elfmeterschießen, das der deutsche Meister 3:4 verlor. Es war historisch, denn dieses Elfmeterschießen war das erste im Europapokal der Landesmeister überhaupt.

Dann kam der FC Liverpool, der zur für das Unglück der Borussen gegen Teams von der Insel. 1973 im Uefa-Cup-Finale und 1977 im Landesmeister-Endspiel trafen sich die Gladbacher und die Reds und in beiden Fällen siegten die Briten. Hernach erwuchs eine innige Fanfreundschaft zwischen den Borussen und dem Klub von der Anfield Road. Gegenseitige Besuche sind seit vielen Jahren Usus.

Borussia Mönchengladbach und der FC Arsenal 

Gegen den FC Arsenal schafften es die Borussen 1996 immerhin, das Insel-Trauma zu besiegen. 3:2 gewann Gladbach im Highbury-Stadion, es war der erste Sieg auf der Insel, und mit diesem Ergebnis endete auch das nach Köln verlegte Rückspiel. Auf gewisse Weise gab es nun die späte Revanche der Londoner: Für 45 Millionen Euro kauften sie nun Gladbach das "Herzstück" der vergangenen Saison weg: Granit Xhaka.

In der vergangenen Saison kam das nächste englische Erlebnis: Manchester City. Der neureiche Klub aus der nordenglischen Metropole besiegte die Borussen zweimal, und mit dem 4:2 im Rückspiel, das "City" erst in den letzten zehn Minuten herausschoss, nachdem die Borussen nach einer grandiosen ersten Halbzeit 2:1 geführt hatten, besiegelte er zugleich das komplette Europapokal-Aus der Borussen in ihrer ersten Champions-League-Saison.

Manchester City ist ein möglicher Play-off-Gegner 

Nun kann es theoretisch zu einer schnellen Chance zur Widergutmachung kommen: In den Play-offs zur Champions League ist das Treffen mit ManCity möglich. Für Rainer Bonhof, Borussias Vizepräsident, wäre das eine Freude. "Pep Guardiola würde es sicher nicht gefallen auf uns zu treffen, wir haben ihm, als er Bayern-Trainer war, das Leben ja oft schwer gemacht", sagte Bonhof  im Trainingslager der Borussen in Rottach-Egern mit einem Grinsen.

Die letzten vier Spiele gegen Gladbach konnten Guardiolas Bayern nicht gewinnen (0:0, 0:2, 1:3, 1:1). Der Spanier wechselte nun Saison zu "City". Dass zuletzt Gerüchte aufpoppten, er sei an der Verpflichtung Yann Sommers interessiert, ist ein kruder Randaspekt der Geschichte.

Die hat nun im Internet eine neue Note bekommen. Beide Klubs bekebbelten sich mit einem Augenzwinkern. Als bei den Borussen im Trainingslager Torwart-Knappheit herrschte, stellte sich kurzfristig Athletik-Trainer Markus Müller ins Tor. Als dieser einen Ball abwehrte, twitterte Borussia in ihrem englischsprachigen Twitter-Account:  "Keine schlechte Parade, Markus. Er ist praktisch Joe Hart mit einem Bart, mit dem Unterschied, dass der Ball nicht drin ist."

Hart, "Citys" Nummer 1 und auch die von England, hatte bei der EM in Frankreich bei einem Treffer von Island schlecht ausgesehen. Aus Manchester kam prompt der Konter: Der Klub postete ein Video aus dem Champions-League-Hinspiel der Vorsaison: Das zeigt, wie Hart, der in beiden Spielen gegen Gladbach stark hielt, einen von Raffael geschossenen Elfmeter hält.

"Schöne Parade. Aber was haltet Ihr von dieser. Der Ball war auch nicht drin", war darunter zu lesen. Borussia zwitscherte zurück, mit einem Seitenhieb auf Harts Werbepartner: "Schön und gut, Freunde, wir geben gern zu, dass er an diesem Tag Head & Shoulders überlegen war."

Manchester ist im Übrigen geübt in Twitter-Wettstreits mit Borussen. Im Zuge des Wechsels von Ilkay Gündogan von Dortmund zu City war der Klub schon einmal  auf diesem Kanal in eine Fehde verwickelt.  Auch in der Sache hatten die Deutschen das letzte Wort. Was Gladbach angeht, könnte diese Episode die Wahrscheinlichkeit, das Los Manchester City im Play-off zu bekommen, erhöht haben.

Denn es wäre eine dieser typischen Fußballgeschichten, die manchmal unvermeidlich scheinen. Frei nach dem Motto: Und das Vorspiel fand bei Twitter statt. Es würde zu Borussias besonderer Beziehung zu den Briten passen.

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