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Borussia Mönchengladbach
Borussia könnte von Leihgeschäften profitieren

Borussia Mönchengladbach und Djibril Sow könnten von einer Ausleihe profitieren
Djibril Sow wird eventuell an die Young Boys Bern verliehen. FOTO: Dieter Wiechmann
Mönchengladbach. Borussia steht, das hat Manager Max Eberl zuletzt verlauten lassen, im "sehr guten und engen Austausch" mit dem FC Chelsea. Dass es dabei unter anderem um den talentierten Stürmer Bertrand Traoré, den Chelsea an Ajax Amsterdam ausgeliehen hatte, gegangen sein könnte, wurde spekuliert. Von Karsten Kellermann

Doch dürfte es wohl vor allem Andreas Christensen sein, der Verteidiger, den die Borussen so lieb gewonnen haben, über den der englische Meister und die Gladbacher gesprochen haben und sprechen. Für den Moment hat sich Christensen verabschiedet, via Facebook auch nochmal ganz offiziell von den Fans. Doch wer weiß was wird, wenn er keine Perspektive sieht bei Chelsea.

Diese Perspektivlosigkeit ist in Zeiten eines total überhitzen Transfermarktes eine Chance für die Klubs, die zum einem gewillt sind, mit jungen Spielern und den damit verbunden Nebenwirkungen zu arbeiten, und zum anderen nicht das ganz große Geld haben, um die fabulösen Transfersummen, die unterwegs sind, aufzubringen. Die jungen Herren, die gern mehr spielen möchten, aber in der Zukunft noch ein Planungsfaktor für ihre Klubs sind, werden daher gern mal verliehen.

Leihgeschäfte waren lange verpönt, weil man keinen echten Mehrwert sah. Den Spieler weiterbringen und dann verlieren – das war nicht als gutes Geschäft eingeloggt. Das hat sich geändert. Denn: Wenn ein Spieler richtig gut ist, wird er ohnehin nach zwei, drei Jahren versuchen, den nächsten Schritt zu machen und auch dann entschwinden, wenn er zuvor gekauft worden ist. Beispiele in Gladbach sind Marco Reus oder Granit Xhaka.

Gerade der FC Chelsea macht das Geschäftsmodell vor (das bei den meisten englischen Klubs vorherrscht): Man häuft Talente an und leiht sie im Bedarfsfall aus, damit die Spieler bei anderen Klubs die nächsten Entwicklungsschritte machen. Für den Verein, der zugreift, ist es die Chance, einen Spieler zu bekommen, der sonst wohl nicht realisierbar wäre, und von dessen Qualität für einen gewissen Zeitraum zu profitieren. Zuweilen gibt es im Anschluss an das Leihgeschäft eine Kaufoption, die wiederrum eine Rückkaufoption beinhalten kann. Vertragswerke können da recht komplex sein. "Man muss kreativ sein", sagt Eberl.

Borussias gute Erfahrungen mit Leihspielern

Was Borussia angeht, hat sie gute Erfahrungen gemacht mit Leihgeschäften und dem FC Chelsea. 2003 war es der Finne Mikael Forssell, den der damalige Manager Christian Hochstätter holte. Forssell wurde im Abstiegskampf zum Gladbacher Helden. Borussia lieh sich quasi die Rettung. Später spielte Thorgan Hazard, den Chelsea zuvor schon an Zulte Waregem "geparkt" hatte, bei Borussia auf Leihbasis vor, um dann 2015 für acht Millionen Euro verpflichtet zu werden. Bei Andreas Christensen hat es bis dato nicht so geklappt, Chelsea hat ihn zurückbeordert bis auf Weiteres – doch hatte Borussia zwei Jahre einen ganz starken Abwehrspieler.

So oder so hat das Leih-Modell für alle Seiten einen Vorteil: Der abgebende Klub verliert das Talent nicht komplett und bekommt bestenfalls einen fertigen Spieler zurück. Der leihende Klub bekommt mindestens einen guten Spieler, den er auch testen kann für Weiteres, wenn es eine Kaufoption gibt. Er kauft aber nicht die viel zitierte Katze im Sack, weil er die Qualitäten des Spielers kennengelernt hat. Und der Spieler kann spielen und sich entwickeln, er bekommt eine Perspektive.

Eine solche will auch Djibril Sow haben. In Gladbach dürfte es für ihn eher eng werden mit vielen Einsätzen in der Bundesliga. Doch will Borussia den begabten Schweizer auch nicht ganz weggeben. Daher gibt es Gespräche mit Young Boys Bern über ein Leihgeschäft. Sow könnte in seiner Heimat den nächsten Schritt machen. Borussia hat inzwischen viele Talente eingesammelt, zwei weitere aus Portugal – Moreto Cassama und Bruno Costa – sind im Gespräch. Für den 18 Jahre alten Griechen Panagiotis Retsos soll die Borussia bereits ein Angebot abgegeben haben. Otto Addo wurde als Spezialtrainer für die Hochbegabten eingestellt, doch kein Training ersetzt Spielerfahrung. So könnte das Modell mit Ausleihen immer wieder auch interessant sein, um den jungen Herren Perspektiven und Spielpraxis zu geben, wenn es in Gladbach einen Talent-Stau gibt. Ein bisschen Chelsea am Niederrhein.

(kk)
 
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