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Borussia Mönchengladbach
Unter Schubert von 2:12 auf 16:16 mit 14:4

Bundesliga : Die Chancenverwertung der Klubs
Bundesliga : Die Chancenverwertung der Klubs FOTO: dpa, fg hak
Mönchengladbach. Unter André Schubert legt die Borussia die beste Serie seit zwei Jahren hin. Zudem war das 5:1 bei Eintracht Frankfurt der höchste Auswärtssieg seit 1987. Dass Mahmoud Dahoud damals noch nicht einmal geboren war, ist eine epische Untertreibung. Von Jannik Sorgatz

1. Und dann kommt Schalke
Die Bilanz aus vier Spielen unter André Schubert ist sagenhaft, das lässt sich nicht nur am inzwischen ausgeglichenen Torverhältnis festmachen – von 2:12 auf 16:16 dank 14:4. Noch nach dem fünften Bundesliga-Spieltag, an dem die Ära Lucien Favre endete, ließen sich apokalyptische Übersichten erstellen mit Mannschaften, die in der Historie genauso schlecht gestartet waren. In die Top Ten hat es noch keines dieser Teams am Saisonende geschafft, die Borussia ist schon Mitte Oktober dort angekommen und findet die Konkurrenz bis zum vierten Platz nun akkurat aufgereiht vor sich in der Tabelle. Am Sonntag kommt dann der Dritte aus Schalke, der seit 2004 ein beinahe traumatisches Verhältnis zum Borussia-Park pflegt. 

2. Kreatives Foulen
Für Fans, Journalisten und Vereinsverantwortliche ist es im Fußball ein Leichtes, sich die Wahrheit ein wenig zurechtzubiegen, ohne gleich Unwahres zu verbreiten. Nur vier Gegentore in den vergangenen vier Bundesliga-Spielen sind ja bereits ein guter Wert. Bei den Gladbachern ist es jedoch mehr als legitim, lediglich die Nicht-Elfmeter-Gegentore zu zählen, womit die Bilanz auf eine überragende Null schrumpft. Lobenswert ist zudem die Tatsache, dass sich Yann Sommer und seine Vorderleute auch beim zehnten Elfmeter im zwölften Pflichtspiel noch etwas Neues ausgedacht haben, das zeugt von Kreativität: Verunglückter Fehlpass von Alvaro Dominguez, Sommer vergisst das Vorhandensein seines rechten Beines, Frankfurts Luc Castaignos erledigt den Rest.

Einzelkritk: Note 1 für Dahoud und Raffael FOTO: dpa, ade nic

3. So hoch wie seit 28 Jahren nicht
Dass die Fortsetzung der Elfmeter-Seuche im Nachklang kaum eine Rolle spielte, spricht für die Souveränität, mit der die Borussia die Eintracht in der zweiten Hälfte auseinandergenommen hat. Einen Auswärtssieg mit vier Toren Unterschied gab es zuletzt im November 2010 beim 4:0 in Köln. Da es im Fußball ums Toreschießen geht, wird ein 5:1 noch höher gewertet, so dass man bis in den März 1987 zurückgehen muss, zum oft zitierten 7:1 in Bremen, um einen deutlicheren Erfolg in der Fremde zu finden.

4. Schmerzhafter Torjubel
Dass Mahmoud Dahoud damals noch nicht geboren war, ist eine epische Untertreibung. Der 19-Jährige erblickte erst am Neujahrstag 1996 das Licht der Welt. In Frankfurt lieferte Dahoud jedoch eine Leistung ab, als habe er das Spiel der Borussia schon einst in Bremen geprägt, mit Schnäuzer und Vokuhila. Selbst die Art und Weise, wie er den Elfmeter zum 4:1 herausholte, war sehenswert. Marco Russ blieb nur der humorlose Bodycheck, weil Dahoud sich mit einer komplizierten Fuß-Verrenkung schon den Weg vorbei am Abwehrspieler der Eintracht gebahnt hatte. Schmerzhafte Momente bot das Spiel für Dahoud sonst nur beim Torjubel. Granit Xhaka sorgte für leichte Atemnot beim Youngster, weil er ihn so fest drückte.

5. Gefährliche Joker, gefährliche Sechser
Die Sky-Regie führte lieber ihr teures Echtzeit-Grafik-Programm vor und widmete sich Xhakas Statistiken, anstatt zu zeigen, wie Havard Nordtveit kurz vor dem Ende André Hahn bediente und der das 5:1 erzielte. Aber mit solchen Joker-Co-Produktionen ist in der Regel wirklich nicht zu rechnen. Nachdem er gegen Wolfsburg den Torschützen Nordtveit eingewechselt hatte, brachte Schubert am Samstag den Doppel-Torschützen Hahn. Bemerkenswert ist außerdem die neue Torgefahr von Borussias Sechsern: Xhaka und Dahoud haben je zweimal getroffen unter dem Interimstrainer, Nordtveit einmal. Vergangene Saison erzielten die defensiven Mittelfeldspieler nur sechs Tore in 34 Spielen.

Pressestimmen: "Fohlen tanzen durch die Liga" FOTO: qvist /Shutterstock.com/Retusche RPO

6. Raffael blüht auf
Es ist fast schon ein Wunder der Natur – als wenn Schneeglöckchen mitten im Herbst blühen würden. Immerhin galt Raffael über Jahre als Favres Lieblingsblume, da war zu befürchten, dass der Brasilianer nach dem Rücktritt seines großen Förderers völlig eingehen würde. Stattdessen trifft der 30-Jährige nicht nur wieder und bereitet zuverlässig vor, sondern wirkt regelrecht euphorisiert. Man ist geneigt, Klopp'sche Tugenden wie "Galligkeit" und "Geilheit" zu diagnostizieren. Im 200. Bundesliga-Spiele erzielte Raffael seine Tore 53 und 54, seine Trefferquote im Gladbach-Trikot ist doppelt so hoch wie in Berlin.

7. Die Schubert-Tabelle
Drei Punkte auf Schalke, vier Punkte auf Leverkusen, fünf Punkte auf Hertha und Darmstadt, sieben Punkte auf Dortmund, je acht Punkte auf Wolfsburg, Ingolstadt und Köln – unter Schubert hat die Borussia, bis auf die Bayern, auf jedes Team der Bundesliga deutlich aufgeholt. Binnen vier Wochen, man muss es ja immer wieder betonen. Nach neun Spieltagen hatte die Borussia vergangene Saison 17 Punkte auf dem Konto, bis zur Winterpause kamen nur noch zehn dazu. Gut möglich, dass der Geisterbahn-Start in der Weihnachtszeit vollkommen vergessen ist. 

Fotos: Mann des Tages Dahoud trifft dank Po-Abfälscher FOTO: dpa, ade nic

8. Wie sie laufen
Nach fünf Bundesliga-Spielen unter Favre und vier unter Schubert lassen die Daten inzwischen einen ordentlichen Vergleich zu. Was hat sich geändert? Das neue Laufverhalten ist wohl der meistgenannte Faktor. Wie folgende Tabelle zeigt, läuft die Borussia unter dem neuen Coach genauso viel wie unter dem alten, dafür aber intensiver und mit mehr Sprints:

Trainer Distanz Sprints schnelle Läufe intensive Läufe
Favre 117 km 168 449 620
Schubert 117 km 208 450 657

*alle Zahlen sind auf 90 Minuten heruntergerechnet

9. Mehr Risiko
Dominguez auf Stranzl, Stranzl auf Jantschke, Jantschke wieder zurück, Stranzl auf Xhaka – so vorsichtig sieht Borussias Spielaufbau seltener aus, was nicht nur am Personal liegt. Es geht insgesamt schneller nach vorne. Fehler sind einkalkuliert und die erhöhte Risikobereitschaft schlägt sich auch in der Statistik nieder:

Trainer angekommene Pässe gespielte Pässe Erfolgsquote
Favre 527 619 85,1 Prozent
Schubert 369 470 78,5 Prozent


10. Mehr Abschlüsse, starke Quote
Das Derby beim 1. FC Köln war sinnbildlich für Gladbachs Probleme: 60 Prozent Ballbesitz, aber in der zweiten Hälfte kein einziger Schuss aufs Tor. Unter Schubert kommt die Borussia deutlich häufiger zum Abschluss. Die Favre-Zahlen bewegten sich im Bundesliga-Vergleich im Keller. Jetzt reicht es fürs erste Drittel, zuzüglicher großer Effektivität. Gladbach weist mittlerweile die beste Chancen-Verwertung auf.

Trainer eigene Schüsse Schüsse pro Tor Schüsse des Gegners Schüsse pro Gegentor
Favre 9 22,5 14,8 6,2
Schubert 14 4 13,3 13,3


Die Statistik zur Chancenverwertung der Bundesliga-Klubs finden Sie hier.

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