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Borussia Mönchengladbach
Unvollendetes erfüllt keine Sehnsüchte

Borussia Mönchengladbach: Unvollendetes erfüllt keine Sehnsüchte
Nach dem 2:2 in Augsburg waren die Borussen enttäuscht. FOTO: dpa, puc nic
Meinung Borussia hat beim FC Augsburg gezeigt, dass sie weiß, worauf es ankommt – jedoch nur 45 Minuten lang. Danach ließ sie sich unnötig den Schneid abkaufen.  Von Karsten Kellermann

Das Jahr 1995 ist in Borussias Historie keines der erfüllten Sehnsüchte. Natürlich weil es den Pokalsieg gab, den letzten Titel der Klubgeschichte. Und es gab den besten Bundesliga-Start bis heute mit zwei Siegen. Es bleibt dabei, weil Borussia nun nach dem 1:0 gegen Köln nur 2:2 in Augsburg spielte.

Es war ein janusköpfiger Auftritt: Die erste Halbzeit war sehr gut, die zweite sehr schlecht. So erinnerte das Spiel in der Summe an die Schlussphase der vergangenen Saison, als die Gelegenheiten günstig waren, die Sehnsüchte aber unerfüllt blieben. Genau das ärgerte Dieter Hecking: Denn sein Team zeigte vor der Pause alles, was nötig war, in Augsburg zu gewinnen. Es kam nach dem frühen Rückstand zurück, hielt dagegen, nutzte seine spielerische Überlegenheit effektiv aus und führte zur Halbzeit. Hätte Thorgan Hazard einen Hauch mehr Glück gehabt, wäre sein Ball vom Innenpfosten ins Tor geprallt, was vermutlich die Vorentscheidung gewesen wäre.

Und dann? Dann ließ sich Borussia den Schneid abkaufen und überrennen. Nicht nur der Fußball ging verloren, sondern auch alles andere. Es war fast spooky, wie krass die Diskrepanz war, denn Erklärungen gab es nicht wirklich. Und was nicht erklärt werden kann, macht immer etwas Angst: Fehlte die Kraft? Fehlte die Einstellung? Was Borussia hatte nach der Pause, war das nötige Glück plus den starken Torwart Yann Sommer, das rettete wenigstens den einen Punkt. Dabei gab es genug harte und weiche Gründe, dieses Spiel zu gewinnen: Es gab ein Geburtstagskind (Lars Stindl) und zwei Jubilare (Raffael, Patrick Herrmann) – vor allem aber die Gelegenheit, den Derby-Sieg zu veredeln und sich damit perspektivisch ein Polster anzulegen.

So aber ist der Druck groß, nach der Länderspielpause die kompliziert-unberechenbaren Heimspiele gegen Frankfurt und Stuttgart zu gewinnen. Die Pflicht, daheim zu punkten gibt es ohnehin, aber es gibt eben nicht das Sicherheitsnetz, das möglich gewesen wäre. Denn die nächsten Auswärtsaufgaben sind extreme Brocken: Leipzig und Dortmund. Andererseits: Der Saisonstart ist in Ordnung. Borussia ist im Pokal weiter, hat in der Liga noch nicht verloren – und steht nach zwei Spielen da, wo sie am Ende am liebsten sein will: auf einem Europapokal-Platz. Zwei Punkte ist der aktuelle Schnitt – wenn Borussia den hält, dann würde das schnurstracks in die Champions League führen.

Die erste Augsburg-Halbzeit zeigte zudem die Qualität der Borussen, spielerisch und kämpferisch. Und der Tatsache, dass es trotz der begabten Offensivler und vieler Chancen kein Stürmer-Tor gibt in der Liga, ist entgegenzuhalten, dass beide Außenverteidiger und ein defensiver Mittelfeldspieler getroffen haben, was für mehr Breite im Kader spricht. Was sich in Augsburg noch zeigte: Die These, dass die Liga extrem eng ist, wurde dort belegt. Sie erlaubt keine Nachlässigkeiten, keine Flapsigkeiten, sonst folgt die Strafe auf dem Fuß.

Die Borussen nehmen die Erkenntnis mit, dass mit 100 Prozent sehr viel, mit ein paar Prozent weniger aber auch sehr wenig möglich ist. Das Spiel in Augsburg war unbefriedigend, das ist immer so bei Unentschieden, bei denen etwas verspielt wird. Unvollendetes ist nun mal nicht dazu geeignet, Sehnsüchte zu erfüllen. Bitte merken, Borussia.

Quelle: RP
 
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