| 17.34 Uhr

0:1 gegen Frankfurt
Ideenlose Borussia kassiert erste Saisonniederlage

Einzelkritik: Abwehr wackelt – Angriff zu harmlos
Einzelkritik: Abwehr wackelt – Angriff zu harmlos FOTO: dpa, pg hpl
Mit einem Sieg gegen Frankfurt sollte bei Borussia "alles im grünen Bereich" sein. Doch Kevin-Prince Boateng sorgte für das einzige Tor des Tages. Von Karsten Kellermann, Mönchengladbach

Yann Sommer schaute konsterniert dem Ball hinterher, er wird sich gedacht haben: "Nicht schon wieder!" 41 Sekunden waren gespielt zwischen den Borussen und Eintracht Frankfurt, als der Ball im Tor der Gladbacher lag. Immerhin 41, muss man fast sagen, hatte es doch im Spiel zuvor, beim 2:2 in Augsburg, nur 35 Sekunden gedauert, bis Alfred Finnbogason das 1:0 für den Gegner erzielt hatte. Doch dieses Mal blieb den Borussen das Schockerlebnis des First-Minute-Gegentores erspart. Denn Kevin-Prince Boateng, der spekatakulärste Neuling bei den Hessen, ließ es sich nicht nehmen, den von Sebastian Haller bereits entscheidend an Sommer vorbei gelenkten Ball noch eigenfüßig ins Tor zu schießen. Er tat es in Abseitsposition. Kein Tor. Glück für Gladbach.

In der Szene. Knapp zwölf Minuten später war Boateng dann erfolgreich. Dieses Mal ließ Haller den Ball nach einem Einwurf abtropfen mit der Brust, und dies recht ungehindert. Ebenso wenig bedrängt war Boateng, der den Ball erneut ins Tor schoss, jetzt aber regulär zum 0:1. Matthias Ginter hatte Haller zu wenig gestört, Denis Zakaria den Torschützen. Das letzte Tor von Kevin-Prince Boateng in der Bundesliga hatte es vor 1316 Tagen gegeben, zudem war es der erste Frankfurter Treffer dieser Saison. So lagen die Borussen dann doch erneut zurück, und die ohnehin komplizierte Aufgabe wurde fortan noch komplizierter.

Borussia löste die Aufgabe nicht. Boatengs Tor blieb das einzige an diesem Tag. So kassierte das Team von Trainer Dieter Hecking im zweiten Heimspiel der Saison die erste Niederlage. Den Borussia-Park wieder zu einer Festung zu machen, wie der eine oder andere Borusse angesagt hatte, das ist erst mal nicht gelungen. Vier Punkte nach drei Spielen, das entspricht angesichts zweier Heimpartien nicht den Ansprüchen der Gladbacher.

Borussia hatte zwar ganz nett gespielt bis zum 0:1, war aber zu wenig zielorientiert. Nach dem Rückstand war der Wille, mehr Zug zum Tor zu entwickeln, spürbar. In der 18. Minuten schickte Zakaria Herrmann auf rechts, dessen Flanke fand am hinteren Pfosten Thorgan Hazard, doch der Belgier schoss den Ball ans Außennetz. Hier wurde mal sehr straight gespielt, oft jedoch war das Angriffsspiel zu verschwurbelt: noch ein Pass, und noch ein Pass und noch ein Pass. Da gingen die Frankfurter bei ihren Attacken schon konsequenter zu Werke – sie waren der erwartet unangenehme Gegner.

Zakaria hält dagegen

Einer, er dagegenhielt, war Denis Zakaria. Erst eroberte in prekärer Situation im Laufduell gegen Boateng den Ball und erhielt dafür Szenenapplaus. Mal ein Zeichen setzen, dagegen halten, sich wehren, das steckte drin in dieser Aktion – und es war auch bitter nötig. Die Frankfurter Fans sangen derweil von ihrer Berlin-Reise, das war gemein, denn damit bohrten sie in Borussias Halbfinal-Niederlagen-Wunde aus der Vorsaison. Und nun waren sie drauf und dran, den Gladbachern erneut ein Problem zu bereiten.

Borussia war trotz aller Bemühungen weiter zu verquast und bekam zu wenig Speed ins Spiel. So konnten sich die Hessen immer wieder formieren, um vielbeinig die Räume zuzumachen und die Passwege zu verstellen. Borussias Kreative um Raffael, der es nach 41 Minuten mit einem indes harmlosen Fernschuss versuchte, Lars Stindl und auch Hazard, waren nicht kreativ genug, um die Eintracht aus der Reserve zu locken.

Nach der Pause stellte Hecking um auf ein 3-5-2-System. Thorgan Hazard rückte vorn mehr ins Zentrum, in der letzten Reihe war nun Nico Elvedi neben Jannik Vestergaard und Ginter der dritte Mann. Patrick Herrmann und Oscar Wendt waren vorgezogene Außenverteidiger. Hecking erhoffte sich von der Umstellung mehr Präsenz im Mittelfeld und vorn mehr Zug zum Tor.

Die ersten Aktionen, die das unterstrichen, gab es nach 55 Minuten. Zunächst gab es einen Kopfball von Ginter, den Frankfurts Torhüter Lukas Hradecky etwas ungelenk zur Ecke lenkte. Dann versuchte es Stindl mit einem Fernschuss aus 25 Metern, den der Finne im Frankfurter Tor überragend hielt. Die größere Offenheit lud indes die Gäste auch zu Kontern ein. In der 58. klärte Wendt soeben vor Timothy Chandler. Hecking hatte noch einige Offensiv-Optionen auf der Bank, um Akzente zu setzen. Zunächst kam Jonas Hofmann für Zakaria – eine offensivere Sechser-Variante. Raúl Bobadilla war noch eine Option für die Schlussphase, und auch der junge Julio Villalba, der erstmals bei einem Pflichtspiel zum Profikader gehörte.

Bobadillas Einwechslung verpufft

In der 67. Minuten kam dann, begleitet von lauten Rufen der Fans, Bobadilla. Genau für solche Situationen ist er geholt worden, der 30-Jährige: Wenn es eng wird, wenn Tore gebraucht werden, wenn Zeichen gesetzt werden müssen. Wenn es schwer fällt vor dem Tor. Bobadilla ist ein Betrieb-Macher der robusten Art, und genau die war nötig gegen die robusten und gut organisierten Frankfurter. Sein letztes Tor für Gladbacher hatte Bobadilla am 19. August 2011 beim 4:1 gegen Wolfsburg erzielt. Über sechs Jahre später sollte er nun mit seinem insgesamt neunten Tor für Gladbach der Retter werden. Er wurde es nicht. Und auch nicht Villalba, der in den letzten Minuten noch kam. Zum ersten Mal in Borussias Geschichte standen zwei Paraguayer in einem Pflichtspiel auf dem Rasen, doch es nützte nichts.

Borussia verlor wie schon im April im Pokal-Halbfinale gegen die Eintracht. Mit einem Sieg, hatte Hecking gesagt, wäre sein Team im grünen Bereich gewesen. Die erste Heimniederlage der Saison tut daher extrem weh. Borussia hatte in der Summe zu wenig zu bieten, um Frankfurt zu gefährden. Kämpferisch war sie, aber es fehlte spielerisch zu viel. Und am Ende konnte es auch Bobadilla nicht mehr richten.

(kk)
 
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