| 18.46 Uhr

3:5-Niederlage
Gladbach verliert verrücktes Spiel bei Hoffenheim

Einzelkritik: Christensen und Vestergaard oft überfordert
Einzelkritik: Christensen und Vestergaard oft überfordert FOTO: dpa, ua hpl
Sinsheim. Borussia Mönchengladbach hat am 29. Spieltag der Bundesliga eine 3:5 (2:2)-Niederlage bei der TSG Hoffenheim kassiert und einen Dämpfer im Kampf um die Europapokal-Plätze kassiert. Adam Szalai war mit einem Doppelpack der Matchwinner für die Hausherren. Von Karsten Kellermann, Sinsheim

Dieter Hecking hatte einen Wunsch. Sein Team sollte erstmals in dieser Saison einen Gegner, der zu den besten vier der Tabelle gehört, besiegen. Das gelang nicht. 3:5 verlor Borussia Mönchengladbach bei der TSG 1899 Hoffenheim, die mit dem sechsten Heimsieg in Serie (Vereinsrekord) ihre Champions-League-Ambition untermauerte, während die Gladbacher nach dem Derby-Sieg in Köln einen Dämpfer im Europa-League-Rennen erhielten. Zunächst holten die Borussen einen 0:2-Rückstand schon vor der Pause auf, gerieten dann aber durch ein kurioses Freistoßtor des früheren Düsseldorfers Kerem Demirbay und einen Fernschuss von Marc Uth erneut und entscheidend nochmal in Rückstand. Mo Dahouds Anschlusstor reichte nicht mehr, Demirbay sorgte schließlich für den Endstand. 

Weil Tony Jantschke, Christoph Kramer, Raffael und kurzfristig Thorgan Hazard fehlten, musste Dieter Hecking sein Team ungewohnt üppig umkrempeln. Tobias Strobl ersetzte Kramer, für Raffael spielte André Hahn an der Seite von Lars Stindl im Zweiersturm und  für Hazard stand erstmals seit knapp fünf Monaten Ibrahima Traoré in der Startelf.

Zunächst spielt aber ein Startelf-Rückkehrer auf der anderen Seite die Hauptrolle. Adam Szalai schoss die TSG 2:0 in Führung. Zunächst staubte er ab, nachdem Borussias Torwart Yann Sommer einen Kopfball von Sandro Wagner soeben noch abwehren konnte, dann lenkte er mit der Sohle die Hereingabe von Sebastian Rudy ins Netz, weil er am Fünfmeterraum-Eck schneller als Jannik Vestergaard war.

Doch die Borussen haben unter Dieter Hecking ein recht gutes Verhältnis zu Auswärts-Rückständen, insbesondere zu einem 0:2. In Leverkusen und in Florenz stand es so, und am Ende siegten die Borussen, 3:2 bei Bayer und 4:2 in der Toskana. Kurios: In beiden Fällen erzielte Kapitän Lars Stindl das 2:2 – auch in Sinsheim. Das war nach 35 Minuten der Fall. Zuvor hatte die Co-Produktion zweier Ex-Hoffenheimer das Anschlusstor gebracht: Tobias Strobl bediente Vestergaard. Der Verteidiger hat derzeit einen Torlauf, schon vor einer Woche beim Sieg in Köln hatte er getroffen.

Gladbach profitiert erneut von Handspiel

Es war ein wildes Spiel, das hin und her wogte, der Unterhaltungswert war hoch, pure Action. Und mittendrin ein Schiedsrichter Christian Dingert, der mit einigen eigenwilligen Entscheidungen zum turbulenten Treiben beitrug. Vor allem beim Tor durch Stindl. Da hatte Hoffenheims Torwart Oliver Baumann den heranstürmenden Jonas Hofmann getroffen – an der Hand, doch Dingert pfiff nicht, woraufhin Dahoud den Ball hinüberlegte zu Stindl, der den Ball dann ins Netz stupste. Dingert und die Gladbacher Hände, das ist eine Fortsetzungsgeschichte, denn der Unparteiische leitete auch die Partie in Ingolstadt, wo Stindl den Ball mit der Hand zum 1:0 für Gladbach ins Tor lenkte.

Auch das Thema Wildheit ist ein bekanntes, wenn sich Hoffenheim und Gladbach gegenüberstehen. In der vergangenen Saison gab es ein 3:3, bei dem die Kraichgauer schon 3:1 geführt hatten, bevor die Borussen durch  Josip Drmic und Fabian Johnson noch zum Ausgleich kamen. Beide Torschützen waren dieses Mal nicht dabei, Drmic saß auf der Bank, Johnson fehlte verletzt.

Nach dem Seitenwechsel gab es erst mal Pfiffe für die Borussen – in Abwesenheit. Denn sie brauchten etwas länger in der Pause, vielleicht, weil Dieter Heckings Halbzeitansprache etwas umfangreicher ausfiel. Der Trainer hatte ja schon öfter in der Pause die richtigen Worte gefunden. Personell änderte er indes zunächst nichts. Doch sein Team hatte offenbar Lust auf den zweiten Auswärtssieg binnen einer Woche.

Zunächst war es Traoré, der in typischer Manier nach innen zog, schoss, aber das lange Eck knapp verfehlte (50.). Drei Minuten später war Traoré nicht vom Ball zu trennen, schickte Wendt in die Tiefe, der Schwede flankte auf André Hahn am langen Pfosten, doch der bugsierte den Ball an die Latte. Das passte zu seinem unglücklichen Gesamtauftritt: Er war im Team, um seine Körperlichkeit gerade bei Standards gegen die vielen lange Kerle in Blau. Doch er fand als zentraler Stürmer wenig Bindung zum Spiel.

Das war bei Hoffenheims Sandro Wagner anders. Der war meist in der Nähe, wenn Gefahr im Verzug ist. So war es auch in der 58. Minute beim Freistoß von Kerem Demirbay. Wagner flog heran, verpasste aber den Ball. Damit irritierte er jedoch Sommer, der Ball hüpfte ungehindert ins Tor. 3:2 für Hoffenheim mit der ersten Gelegenheit nach der Pause. Der Treffer belegte die Tendenz des Tages: Es war nicht das Spiel taktsicher Zwänge und unbedingter Defensive. Hier standen sich zwei torhungrige und unternehmungslustige Mannschaften gegenüber.

Beide Trainer setzten im Schlussspurt ein Zeichen, weiter offensiv zu spielen. Hecking brachte Josip Drmic (für Hahn) und Patrick Herrmann (für Traoré), sein Kollege Julian Nagelsmann setzte in der Schlussphase Marc Uth (für Wagner) auf Nadiem Amiri (für Szalai) – vier Herren mit Joker-Potenzial also. Uth schöpfte das in der 75. Minuten weidlich aus. Aus 20 Metern schoss er den Ball mit links ins Tor-Eck, da konnte Sommer nur staunend hinterherschauen. 4:2. Damit aber nicht genug.

Gladbach, wie erwähnt erfahren im Drehen von Rückständen, kam nochmal. Mo Dahoud verkürzte zum 4:3 (79.), nachdem Drmic, schon in Köln Vorbreiter des Derby-Siegtores von Stindl, ihm den Ball aus dem Gewühl vorgelegt hatte. Sein zweiter Assist im zweiten Spiel in Folge. In den Schlussminuten durfte sich auch der junge Lazslo Bénes noch an der Aufholjagd beteiligen, er hatte bei seinem 1:0-Siegtor gegen Berlin schon gezeigt, dass er Torinstinkt hat. Dieses Mal konnte er diesen aber nicht mehr unter Beweis stellen. Dafür traf Demirbay erneut, sein 5:3 war der Schlusspunkt.

(kk)
 
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