| 22.05 Uhr

"Haben es Wolfsburg zu leicht gemacht"
Borussia verschläft schon wieder die Anfangsphase

Einzelkritik: Vestergaard und Ginter mit Unsicherheiten
Einzelkritik: Vestergaard und Ginter mit Unsicherheiten FOTO: Dirk Päffgen
Zum siebten Mal in dieser Saison kassierte Borussia in der ersten halben Stunde ein Gegentor, beim 0:3 gegen den VfL Wolfsburg waren es sogar zwei. Die Hypothek war am Ende zu groß, um sie mit einer starken Viertelstunde zu beheben. Von Jannik Sorgatz, Wolfsburg

Auch dieses Bundesligaspiel hat offiziell 90 Minuten plus Nachspielzeit gedauert. Aber es gibt Anhaltspunkte, dass es diesmal genügt, nur 25 plus 15 Minuten intensiver zu betrachten. In den ersten 25 Minuten hat Borussia beim VfL Wolfsburg defensiv zu viel falsch gemacht und in den 15 Minuten vor der Pause nicht genug richtig gemacht, um die Defizite wieder auszugleichen. "Vielleicht haben wir den einen oder anderen Schritt weniger gemacht, haben nicht in die Zweikämpfe gefunden und waren nicht so präsent", sagte Matthias Ginter. "Woran das gelegen hat, gilt es zu analysieren. Normal sollte der Sieg gegen Bayern beflügeln, anstatt zu bremsen."

Borussias Innenverteidiger musste eine halbe Stunde auf der Sechserposition aushelfen und rotierte nach Tony Jantschkes Auswechslung zurück. Mit seiner Ad-hoc-Analyse deutete Ginter an, dass das Spiel gegen den Rekordmeister in den Köpfen nach acht Tagen noch ein wenig weiterlief und die Gladbacher die Aufgabe gegen Wolfsburg deshalb erst richtig angingen, als es fast schon zu spät war. Nach dem Abpfiff waren die Borussen zum Gästeblock gegangen und hatten sich bei den Fans für die Unterstützung bedankt. Anschließend ging es für Ginter und Torwart Yann Sommer schnurstracks in die Interviewzone, wo beide den Auftritt so ähnlich bewerteten, als habe bereits eine einstündige Nachbesprechung stattgefunden. "Wir waren in den ersten 25 Minuten nicht präsent genug und haben den Wolfsburgern zu viele Räume gegeben. Sie haben die Qualität, um das auszunutzen. Da haben wir es ihnen zu einfach gemacht", sagte Sommer, der erst in der zweiten Halbzeit einen Torschuss abwehren konnte.

In den Statistiken des Spiels fanden am Ende erhebliche Spuren der enorm schwachen Anfangsphase. Nur 44 Prozent der Zweikämpfe hatte Borussia unterm Strich gewonnen und war 5,2 Kilometer weniger gelaufen als Wolfsburg. Mit insgesamt 115,2 Kilometern blieb Dieter Heckings Mannschaft unter ihrem Saisonschnitt, gegen Bayern hatte sie noch eine Bestmarke aufgestellt. Trotzdem nahm der Trainer seine Spieler in Schutz, von einem negativen Nachhall des Erfolges vor einer Woche wollte er nichts wissen. "Wir sind eine spielerisch gute Mannschaft und es liegt uns nicht immer, bissig in die Zweikämpfe zu kommen", sagte Hecking. "Aber so einfach dürfen wir es dem Gegner auch nicht machen."

Auch er stützte die 25-plus-15-Theorie. "Wolfsburg hat in den ersten 25 Minuten gut gespielt. Da will ich gar nicht immer nur fragen, was wir falsch gemacht haben. Das muss man einfach mal akzeptieren", sagte Hecking. "Nach 30 Minuten haben wir gezeigt, warum wir hier hingefahren waren, um gewinnen." Bis zur Pause hatte Borussia 66 Prozent Ballbesitz und gab 4:0 Torschüsse ab. Zwei weitere fanden gar keinen Eingang in die Statistik, weil sie aus Abseitspositionen abgegeben wurden. Bei Thorgan Hazard schätzte Hecking recht akkurat, dass es "zwei Zentimeter" waren, die der Belgier zu nah am Tor stand. Kurz darauf ließ der die beste Möglichkeit leichtfertig liegen, nachdem er sich gegen John Anthony Brooks stark behauptet hatte.

Zum siebten Mal kassierte Borussia in der ersten halben Stunde das 0:1, zum siebten Mal in dieser Saison konnte sie nicht gewinnen – und bis auf eine Ausnahme korreliert beides. Nach dem Gegentor gegen 1899 Hoffenheim in der 25. Minute drehte Heckings Mannschaft in der zweiten Hälfte geduldig das Spiel. Mit der doppelten Hypothek war sie in Wolfsburg allerdings weit davon entfernt. Nach dem Auslaufen am Montag haben die Spieler am Dienstag frei. Am Mittwoch wird das Trainerteam sie dann noch etwas quälen müssen mit den Szenen der ersten 25 Minuten. Dafür dürfte es anschließend die 15 Minuten vor der Pause geben, um die Köpfe wieder nach oben zu bekommen.

 
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