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Borussia Mönchengladbach
Borussia verspielt vier Millionen Euro

Fotos: Gladbach - Bremen
Fotos: Gladbach - Bremen FOTO: Dirk Päffgen
Mönchengladbach. Binnen einer Woche ist der Zauber in Mönchengladbach nach dem Ausscheiden aus Europa- und DFB-Pokal verflogen. Manager Max Eberl und Trainer André Schubert suchen nach personellen Alternativen auf dem Transfermarkt. Von Karsten Kellermann

Nach dem Pokal-Aus war das Schweigen. Die Männer, die bei Borussia Mönchengladbach als Fußballprofis angestellt sind, mochten sich nicht äußern zum 3:4 im DFB-Pokalheimspiel gegen Werder Bremen. Lars Stindl, Schütze des zwischenzeitlichen 1:0, winkte ab. Und auch Thorgan Hazard, zunächst Vorlagengeber, dann Chancen-Verschwender. Doch besser als Max Eberl hätte sowieso niemand Borussias bisherige Hinrunde zusammenfassen können: "Unfassbar und skurril" sei sie gewesen, sagte der Manager.

Nach dem Erstrunden-Sieg im Pokal gab es sechs Pflichtspielniederlagen und den Abgang von Trainer Lucien Favre. André Schubert führte die Mannschaft von Rang 18 auf Platz drei mit zehn Ligaspielen ohne Niederlage, die Serie gipfelte im 3:1 gegen die Bayern. Auch sonst lief es besser als nach dem vermeintlichen Los-Unglück erwartet: Borussia setzte sich im Pokal "auf" Schalke durch und stand vor dem letzten Champions-League-Spiel auf Platz drei der Gruppe, das Überwintern in Europa war möglich.

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Binnen einer Woche ist der Zauber verflogen: Als einziges deutsches Team ist Borussia durch das 2:4 in Manchester aus dem Europapokal ausgeschieden, das 0:5 in Leverkusen beendete brachial die hübsche Serie in der Liga und nun ist auch der Pokaltraum von den Bremern jäh gestoppt worden. In einem bleibt sich Borussia indes treu: Sie macht es extrem. Stellte Schubert mit seiner Erfolgsserie zum Start als Trainer noch einen Vereinsrekord auf, so gibt es nun wieder einen: drei Niederlagen mit vier oder mehr Gegentoren in Folge gab es noch nie in Gladbachs Bundesliga-Geschichte.

Das doppelte Ausscheiden im Pokal und in Europa hat seinen Preis - rund vier Millionen Euro. Es war also eine teure Woche. Und eine mit 13 Gegentoren. Insgesamt hat Borussia in dieser Saison schon 45 kassiert in 25 Pflichtspielen (16 davon in der Ära Favre), das sind schon sechs mehr als in der Vorsaison nach 46 Pflichtspielen. "Wir sind eine sehr offensiv ausgerichtete Mannschaft, die immer den Weg nach vorne sucht. Aber das ist ein schmaler Grat", sagte Schubert. "Seine" Borussia steht für Spektakel, doch seit dem Meisterstück gegen die Bayern fehlt der wichtige Spaßfaktor Erfolg.

Hinzu kommt ein nahezu absurdes Verletzungspech: sieben Profis fehlen derzeit, die meisten davon längerfristig, nur Ibrahima Traoré könnte bis zum letzten Hinrundenspiel gegen Darmstadt eventuell aus dem Krankenstand zurückkehren. Weswegen Max Eberl auf der Suche nach neuem Personal ist. Indes soll es keine Lückenfüller geben, sondern Spieler, die das Team auch perspektivisch voranbringen. "Wir überlegen, etwas zu tun, was sinnvoll ist, was uns weiterhilft. Das ist aber gar nicht so leicht", sagt Eberl.

Bremer Doppelschlag ist zu viel für Borussia FOTO: dpa, rwe hak

Er hofft, dass es gegen Darmstadt einen versöhnlichen Abschluss, sprich: drei Punkte, gibt. Die Lilien sind jedoch unangenehm und die Borussen, physisch und mental ausgelaugt, werden sich regelrecht aufraffen müssen, um dem Anspruch Eberls nachzukommen. Danach ist Pause. Gladbach wird sich neu sortieren - um sich dann in der Rückrunde ganz darauf zu konzentrieren, erneut einen Europapokalplatz zu ergattern. André Schubert wird in der Vorbereitung das erste Mal viel Zeit mit dem Team haben. Er wird vor allem an der Balance zwischen Offensive und Defensive arbeiten müssen. Er muss die Stabilität der Favre-Ära mit seinem Spaßansatz noch besser vermengen. Und er kann Ideen wie die "pendelnde Viererkette" ausführlicher einstudieren lassen. Für den Moment muss er aber die erste Ergebniskrise seiner Amtszeit meistern, damit die Borussen nach all den Skurrilitäten der Hinrunde mit dem Gefühl des Erfolgs in die Pause gehen. Eine erneute Negativerfahrung indes würde die vorweihnachtliche Stimmung doch arg schmälern.

Quelle: RP
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