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Borussia Mönchengladbach
Sommer kennt Grifos Qualitäten schon

Borussia Mönchengladbach: Vincenzo Grifo hat einen feinen rechten Fuß
Vincenzo Grifo holt im September 2016 einen Elfmeter für den SC Freiburg gegen Borussia heraus. FOTO: Dirk Päffgen
Mönchengladbach. Vincenzo Grifos Weg in den Profifußball war lange nicht vorgezeichnet. Von seinen Straßenfußballer-Qualitäten profitiert der 24-Jährige heute noch. Ab Juli will er sie in Gladbach ausspielen. Von Jannik Sorgatz

Borussia-Fans, die sich die Zusammenfassung des Zweitliga-Spiels zwischen der SpVgg Greuther Fürth und dem FSV Frankfurt vom 24. Oktober 2014 ansehen, könnten feuchte Augen bekommen. Da setzt die Nummer 32 der Frankfurter erst einen Freistoß vom rechten Strafraumeck direkt neben den Pfosten, dann haut sie von der gleichen Position den Ball per Dropkick in den Winkel. Da werden Erinnerungen wach an Juan Arango, dessen linken Zauberfuß Borussia Mönchengladbach in den vergangenen drei Jahren nie so richtig ersetzen konnte.

Nun sind bei Vincenzo Grifo ein paar Abstriche zu machen: Er ist Rechtsfuß, hat erst in der abgelaufenen Bundesliga-Saison damit begonnen, auch gegen größere Klubs als Fürth zu brillieren, und seine Best-of-Videos bei Youtube haben keine Überlänge. Doch der 24-Jährige verspricht, genau diese gefühlvolle Gewalt im Umgang mit dem Ball vom SC Freiburg mitzubringen, die es im Gladbacher Kader so nicht gibt. Er ist kein Traoré, kein Herrmann, kein Johnson, kein Hazard, kein Stindl, kein Hofmann, kein Raffael. 

VfR Pforzheim, Germania Brötzingen, 1.CFR Pforzheim – das waren Grifos Stationen bis zur Volljährigkeit. Solch einen Werdegang haben Bundesligaspieler selten hinter sich, seit Nachwuchsleistungszentren in Deutschland flächendeckender sind als schnelles Internet. Nachdem der Deutsch-Italiener in der U19-Verbandsliga 53 Tore geschossen und im Pokal den Karlsruher SC fast im Alleingang besiegt hatte, zog es ihn 2011 zum KSC. Dort blieb Grifo ein Jahr, dann holte ihn die TSG Hoffenheim, wo er sich seinen ersten Profivertrag allerdings noch verdienen musste. Den unterschrieb Grifo im Frühjahr 2013 mit 20 Jahren.

Über Pforzheim, Karlsruhe, Hoffenheim II, Dynamo Dresden, den FSV Frankfurt und den SC Freiburg hat er sich kontinuierlich nach oben gearbeitet. Man ist geneigt, Parallelen zu Lars Stindl zu erkennen, der auch nicht zur Überflieger-Fraktion der Mario Götzes oder Leon Goretzkas zählte, die mit 16, 17 Jahren schon bei Juniorenturnieren auf Eurosport zu bewundern waren.

Seine Mitschüler nannten ihn "Freak"

"Ich war früher noch nicht so schnell und hatte wohl auch kein Idealgewicht", erklärte Grifo einst auf der Hoffenheimer Vereinswebseite, warum der Durchbruch bei ihm etwas auf sich warten ließ. Er kommt mit dem Ruf eines Straßenfußballers. "Ich habe als Kind jede freie Minute im Käfig verbracht", sagte Grifo. "Mein älterer Bruder Francesco hat mich bei den Großen mitspielen lassen und auf dem Schulweg hatte ich auch immer einen Ball dabei. Meine Mitschüler haben mich als Freak bezeichnet."

Den "Freak" lernte Borussia im vergangenen September kennen, als Grifo beim Freiburger 3:1-Erfolg zwei Tore vorbereitete. Erst legte er Maximilian Philipp den Ball auf, dann umkurvte er Torwart Yann Sommer und wurde von den Beinen geholt – den Elfmeter verwandelte Nils Petersen zum Endstand. Dass Grifo Freistöße liegen, zeigte er nicht nur bei Youtube, sondern auch in diesem Spiel. Sommer ließ seinen gefährlichen Versuch nach vorne abklatschen. Vielleicht gelingt ihm kommende Saison ja Borussias erstes Freistoßtor seit Dezember 2015. Damals traf Havard Nordtveit gegen Darmstadt, Raffael war zuvor gegen Schalke erfolgreich, Granit Xhaka je einmal gegen Villarreal und Hannover, dazu Thorgan Hazard gegen Sarajevo. Auch diese Qualität ist Gladbach in den drei Jahren seit Arangos Abgang abhandengekommen.

Dass Grifo neben der Technik mittlerweile auch die physische Verfassung mitbringt, um hohen Ansprüchen gerecht zu werden, beweist ebenfalls ein Video im Internet. Da jongliert der 24-Jährige gekonnt mit den Ball – in roten Badeshorts am Pool.

 
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