| 13.35 Uhr

Borussia Mönchengladbach
Gladbachs Mann für die Standards

Das ist Vincenzo Grifo
Das ist Vincenzo Grifo FOTO: Dirk Päffgen
Rottach-Egern. Vincenzo Grifo kann der Borussia dabei helfen, nach "ruhenden" Bällen gefährlicher zu werden. Drei der fünf Tore in der Vorbereitung fielen durch Standards. Grifo war allerdings nur einmal beteiligt. Von Karsten Kellermann

Patrick Herrmann überlegt. Wann er zuletzt einen Freistoß direkt verwandelt hatte? "Das muss in der Jugend gewesen sein", sagt der Flügelspieler von Borussia Mönchengladbach. Doch die Art und Weise, wie er den Ball beim Testspiel der Gladbacher gegen Leeds United ins Tor streichelte, sah aus, als habe er sein Leben lang nichts anderes getan. Warum er sein Talent in dieser Disziplin so lange verborgen hat? "Früher hatten wir ja Juan Arango, und wenn es da Freistoß gab, war das nur sein Job", erklärt Herrmann.

Arango, der Venezolaner, hat den Freistoß zur Kunst erhoben. Nach seinem Abgang 2014 lag das Thema weitgehend brach in Gladbach. Nun haben die Borussen einen Mann gekauft für sechs Millionen Euro vom SC Freiburg, der dafür steht, dass es wieder anders wird: Vincenzo "Vince" Grifo. Der in Pforzheim geboren Italiener ist ein Standard-Experte.

Der 24-Jährige sagt von sich: "Ich bin ein Instinktfußballer." Er hat früher als Kind an nichts anderes gedacht als an Fußball, war fast immer auf dem kleinen Bolzplatz in der Pforzheimer Nordstadt. Auf Plätzen wie diesen schlägt die anarchische Seele des Spiels, hier wird gekickt um des Kickens Willen, hier geht es auch ums Gewinnen, vor allem aber um den Spaß. Grifo hat sich in dieser Zeit richtig gut mit dem Ball angefreundet. Davon wollen die Borussen nun profitieren.

Zumal da sie in Co-Trainer Dirk Bremser einen haben, der als einer der besten Standard-Ausbilder der Bundesliga gilt. 35 Prozent aller Tore, sagt Bremser, fallen durch Standards: "Es gibt keinen schnelleren Weg, ein Tor zu erzielen." Darum werden in Gladbach nun Freistöße und Ecken gepaukt. Borussia will weiter kombinieren, doch unter Trainer Dieter Hecking ist der pragmatische Weg zum Tor wieder hoffähig geworden. Fernschüsse, wie Thorgan Hazards 1:0 beim 1:2 gegen Nizza am Donnerstagabend. Und Standards.

Dass drei der fünf Tore, die Gladbach bisher in der Vorbereitung erzielt hat, aus Standards resultierten, verwundert daher nicht. Eher schon, dass Grifo nur einmal beteiligt war. In Wuppertal schoss er dem Verteidiger Nico Elvedi eine Ecke auf die Stirn, Elvedi machte sein erstes Tor für Gladbach. "Wenn die Ecken so kommen, kann man nur treffen", sagte der Schweizer. Die beiden direkten Freistoßtore schossen Herrmann und der 17-jährige Franzose Mickael Cuisance. Nun gegen Leeds, als Herrmann traf, standen Grifo und der ebenfalls schussbegabte Laszlo Benés daneben. Auch das ist eine Masche: Mindestens ein Rechts- und ein Linksfuß sollen am Ball stehen, um dem gegnerischen Torwart das Spekulieren zu erschweren.

Dass Grifo zeitnah auch einen Freistoß ins Ziel bringen wird, ist zu vermuten. Doch ihn nur auf Standards zu reduzieren, wäre falsch. Er ist ein Individualist mit hohem Teamplayer-Faktor. Und er hat Zug zum Tor - da ist er ganz Straßenfußballer. In der vergangenen Saison war er in Freiburg an 22 Treffern beteiligt und damit einer der besten Scorer der Liga. Niemand in der Liga schoss in der abgelaufenen Spielzeit öfter aufs Tor von außerhalb des Strafraums als Grifo. Und nur zwei Spieler waren an mehr Abschlüssen beteiligt als er (83 Torschüsse, 93 Vorlagen).

Was Grifo noch ist: ein guter Typ. Freiburg hat einen Publikumsliebling verloren. Das will Grifo nun auch in Gladbach werden. "Ich habe gehört, dass ich der erste Italiener bei Borussia bin. Ich hoffe, dass Borussia an ihrem ersten Italiener sehr viel Spaß haben wird und ihn nicht mehr vergessen wird", sagt er. Schöne Freistoßtore wären hilfreich. Siehe Juan Arango.

Quelle: RP
 
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