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Borussia Mönchengladbach
Vorhang auf für Sow

Borussia Mönchengladbach: Vorhang auf für Djibril Sow
Er war die große Unbekannte unter Borussias Neuzugängen und spielte sich nun in den Vordergrund: Djibril Sow, der sagt: "Mein Ziel ist es, spätestens im nächsten Jahr zum Bundesliga-Kader zu gehören." FOTO: Wiechmann, sxc.hu; Montage: klü
Mönchengladbach. Der 18-jährige Schweizer Neuzugang nutzt Borussias Trainingslager zur Eigenwerbung. Nun spricht er über Ziele und die eigene Vita. Von Karsten Kellermann

Sein Name ist Sow, Djibril Sow. Lucien Favre ist ehrlich. "Ich kannte ihn bisher nicht, ich habe ihn in seinem ersten Training zum ersten Mal am Ball gesehen", sagt Borussias Trainer. Gerade hat Borussia das letzte Testspiel des Trainingslagers in Rottach-Egern 2:1 gegen Standard Lüttich gewonnen, und der Schweizer wird nach seinen Eindrücken der Tage am Tegernsee gefragt. "Ich war überrascht von der Qualität von Sow. Er spielt sehr gut Fußball, bewegt sich richtig, ist clever, geht im richtigen Moment nach vorn, er spürt, er antizipiert gut", sagt Favre über seinen Landsmann mit der Nummer 20. Vorhang auf für Sow, hieß es also. Vorhang auf für die bisher große Unbekannte.

Schon im ersten Testspiel in Koblenz hatte der 18-Jährige aus dem defensiven Mittelfeld heraus mutig aufgespielt, sein Fernschuss leitete die 1:0-Führung durch Peniel Mlapa ein. Auch bei den Spielen im Trainingslager hatte Sow immer wieder gute Szenen, ob als Sechser gegen Swansea oder als Flügelspieler gegen Rennes und Lüttich. Gegen die Belgier hätte er fast sogar getroffen, doch sein Schussversuch rutsche etwas über den Außenrist und verfehlte das Tor. Der junge Mann, der in Borussias U23 aufgebaut werden soll, ist ein sehr feiner Spieler, ein technisch versierter Kerl.

Sow gehört zu den Nachwuchsspielern, die in Rottach-Egern vorspielen durften. Wären indes die Nationalspieler alle schon weiter gewesen, wäre er vielleicht gar nicht dabei gewesen. Er hat seine Chance genutzt. Sow gehört zu den Gewinnern des Trainingslagers. Er kam sozusagen aus dem Nichts, war der große Unbekannte in der Schweizer Fraktion bei Borussia. Sein Landsmann Josip Drmic ist der zweitteuerste Einkauf der Klubgeschichte, Nico Elvedi, wie Sow 18, wurde sogar auf einer Pressekonferenz vorgestellt, Yann Sommer und Granit Xhaka sind absolute Leistungsträger. Aber wer ist dieser Djibril Sow?

Herr Sow, erklären Sie das bitte mal selbst.

Sow Ich bin ein Schweizer Doppelbürger, der in Zürich geboren wurde. Meine Mutter ist Schweizerin, mein Vater aus dem Senegal. Ich bin eher ein ruhiger Typ. Meine gesamte fußballerische Ausbildung habe ich beim FCZ gemacht. Jetzt habe ich einen Fünf-Jahres-Vertrag in Gladbach unterschrieben.

Kennen Sie Nico Elevdi, der auch vom FC Zürich kommt, näher?

Sow Mit Nico bin ich zur Schule gegangen. Und als Lucien Favre Trainer in Zürich war, war ich oft Balljunge. Er war in Zürich ein Idol.

Und jetzt arbeiten Sie mit ihm in Gladbach. Sie sollen zunächst in der U23 spielen. Es ist dennoch ein sehr großer Schritt.

Sow Das kann man sagen. Bisher habe ich mit der U21 des FCZ in der Dritten Liga in der Schweiz gespielt. Ich war zweimal bei Testspielen der Ersten Mannschaft dabei, aber ich hatte noch keine Pflichtspieleinsätze. Und jetzt trainiere ich mit Borussias Bundesligateam. Das ist schon fast ein Kulturschock. Aber ich finde es gut, ich habe schon in diesem Trainingslager sehr viel gelernt. Ich versuche natürlich, weiterhin so oft wie möglich im Training der Ersten Mannschaft dabei zu sein. Mein Ziel ist es, spätestens im nächsten Jahr zum Bundesliga-Kader zu gehören.

Sie haben in den Testspielen auch außen gespielt, sind aber vor allem ein Sechser. Wie sind Sie auf dem Platz?

Sow Diese Position ist ja auch eine Führungsposition. Und darum versuche ich auch Führungsaufgaben zu übernehmen, auch, wenn ich der Jüngste bin. Ich versuche so viel wie möglich am Ball zu sein.

Ein kühner Gedanke ist, sich in Zukunft bei Borussia eine Schweizer Doppelsechs Granit Xhaka/Djibril Sow vorzustellen.

Sow So weit denke ich noch nicht. Es wäre schön, aber es geht erstmal Schritt für Schritt.

Sow weiß, dass er geduldig sein muss. Auch andere Jungspunde wie Mo Dahoud und Marvin Schulz, die wie Sow Sechser in der Warteschleife sind, wurden von Favre öfter hoch gelobt in der Vorbereitung - Dahoud hat immerhin ein paar Pflichtspielminuten im A-Team bekommen, Schulz noch nicht. Der Weg ist also weit, auch wenn Sow jetzt nah dran war während des Trainingslagers. "Er ist ein Junge für die Zukunft, der auch noch A-Jugend spielen kann. Darum soll er erst mal alles kennenlernen. Wie schnell es dann geht, entscheidet er selbst", sagt Sportdirektor Max Eberl. Den ersten kleinen Schritt hat Sow schon gemacht. Lucien Favre kennt ihn und seine Qualitäten jetzt.

Quelle: RP
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