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Prozess in Mönchengladbach
"Borussia-Vorsänger trat von vorne zu"

Ultra wegen versuchten Totschlags vor Gericht
Ultra wegen versuchten Totschlags vor Gericht FOTO: Reichartz,Hans-Peter
Mönchengladbach. Der 29-jährige Angeklagte muss sich wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung vor Gericht verantworten. Am Donnerstag wurde er von einem Zeugen belastet, der dem Opfer nach der Attacke helfen wollte. Von Ingrid Krüger

Wie hat er getreten? Von vorne? Oder doch eher seitlich? Geschah es aus Tötungsabsicht oder zur eigenen Verteidigung? Um diese Fragen ging es am Donnerstag im Prozess gegen den ehemaligen Borussia-Vorsänger, der vor der Bundesligapartie Mönchengladbach gegen Darmstadt am 20. Dezember vergangenen Jahres einen Fan mit einem Tritt lebensgefährlich verletzt hatte. Der Staatsanwalt wirft dem 29-Jährigen versuchten Totschlag vor. Der Angeklagte, der lange als Vorzeige-Fan galt, sagte aus, er habe sich nur verteidigen wollen.

Das Schwurgericht hatte am zweiten Verhandlungstag einen Zeugen geladen, der sich selbst als Ersthelfer nach der Gewaltattacke bezeichnete. "Ich kenne die Männer nicht, um die es hier geht. Ich gehöre keiner Fan-Gruppe an", erklärte der Mann im Gerichtssaal. Der Zeuge berichtete, dass er das spätere Opfer aus der Getränkebar kommen sah. Und er habe auch beobachtet, wie der Mann mit dem Angeklagten zusammenstieß. "Dann kam auch schon der Sturz", erinnerte er sich.

Nach einem Aufschrei sei das Opfer der Länge nach hinten gefallen. Als der 37-Jährige schon im Fallen war, habe der Vorsänger zugetreten. Da habe sich allerdings bereits ein großer Pulk um die Männer befunden, so der Zeuge. Das Opfer sei mit dem Hinterkopf auf den Boden aufgeschlagen. "Das Geräusch vom Aufprall des Kopfes spüre ich noch immer", so der Zeuge. Der Kammervorsitzende Lothar Beckers wollte genau wissen, wie der Zeuge den Tritt gesehen habe, stand auf und zeigte dem Zeugen zwei Variationen. Der Ersthelfer blieb bei seiner Schilderung "direkt von vorn und nicht allzu hoch".

Der Angeklagte selbst hatte am ersten Verhandlungstag ausgesagt, dass er seitlich getreten habe. Der 37-Jährige sei sehr aggressiv gewesen. Dann habe er ihm vier volle Plastikbecher mit Bier, die er in einer Papp-Palette bei sich trug, über den Kopf gegossen. "Ich war nass bis auf die Unterhose", hatte der Vorsänger im Gerichtssaal berichtet. Der 37-Jährige habe eine körperliche Auseinandersetzung gesucht. Er selbst habe dies abwenden wollen. Er habe nicht ahnen können, wo er sein Opfer treffen würde.

Das erinnert sich an nichts mehr, weder an die Auseinandersetzung noch an den Tritt. Nach eigener Aussage hatte der 37-Jährige, der vorher mit Freunden Wodka und Bier getrunken hatte, im Stadion einen Filmriss. Erst im Krankenhaus sei er wieder zu sich gekommen.

Das Opfer hatte bei der Attacke eine Hirnblutung mit Hirnödem erlitten, seine Zahnprothese wurde durch den Tritt zerbrochen, Teile davon rutschten in die Luftröhre. Mit dem Hubschrauber wurde der lebensgefährlich Verletzte zur Uniklinik nach Düsseldorf geflogen, wo er auf die Intensivstation verlegt wurde. Das Opfer überlebte trotz der schweren Verletzungen. Eine gute Woche später verließ der Mann das Krankenhaus auf eigene Verantwortung.

Am Ende der Gerichtsverhandlung am Donnerstag stellte der Verteidiger des Angeklagten Beweisanträge. Vor allem fordert der Anwalt das Gutachten eines toxikologischen Sachverständigen. Der Prozess wird mit weiteren Zeugen am 14. November fortgesetzt.

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