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Borussias "Seele des Fanprojekts"
"Walli" ist mit 83 Jahren gestorben

Borussia Mönchengladbach: Waltraud "Walli" Hamraths ist mit 83 Jahren gestorben
Waltraud "Walli" Hamraths war glühender Borussia-Fan. FOTO: Detlef ilgner
Mönchengladbach. Wahrscheinlich war überregional kein Gladbach-Fan bekannter. Innerhalb Borussias Fanszene war Waltraud "Walli" Hamraths schon seit Jahrzehnten eine Institution. Nun ist sie mit 83 Jahren gestorben. Von Jannik Sorgatz

Am Ende hatte sich jeder der 2700 Kilometer im Bus gelohnt: Aufbruch am Mittwochabend, dann ein sonniger Tag am Strand in Marseille und am Donnerstagabend schoss Juan Arango in der Nachspielzeit das 2:2, am Freitag weiter nach Fürth, dort am Sonntag einen 4:2-Sieg gefeiert und anschließend zurück nach Mönchengladbach. Selbst für austrainierte Astronauten wäre eine solche Reise eine Tortur gewesen – aber Waltraud "Walli" Hamraths nannte es kurz und knapp "Urlaub".

Damals, im November 2012, war sie bereits 77 Jahre alt. Es folgten noch ein paar großartige Erlebnisse mit dem Verein, gekrönt von der erstmaligen Qualifikation für die Champions League. Das war selbst für "Walli" noch etwas Neues, die jeden der zehn großen Titel in Borussias Geschichte hautnah miterlebt hat. In einem Werbevideo für das Champions-League-Trikot spielte sie 2015 die Hauptrolle. "Borussia ist mein Leben", sagte "Walli", während sie durch das Wohngebiet schlenderte, wo früher das Bökelbergstadion stand. Nun ist "Walli" mit 83 Jahren gestorben.

2017 hatten sie auch Fußball-Fans abseits von Borussia kennengelernt, zuerst durch einen Auftritt in einer WDR-Doku, dann durch ein Porträt im Magazin "11 Freunde". Außerdem warb "Walli" für Mönchengladbachs Bewerbung als Spielort für die EM 2024. Doch in Borussias Fanszene war die Frau mit den rotgefärbten Haaren schon seit Jahrzehnten eine Institution. "Walli" kellnerte in der Vereinskneipe "Alt Eicken" und organisierte den Fanladen in Eicken, als noch niemand das Wort "Merchandising" kannte, und leistete dort soziale Arbeit, als es noch keine Fanprojekte gab. "Es kamen viele Jugendliche, die vielleicht sonst auf die schiefe Bahn geraten wären", hat sie einmal erzählt.

2004 folgte der Umzug vom Bökelberg in den Borussia-Park. "Was haben wir geweint! Wir wollten doch in Eicken nicht weg", sagte "Walli". Doch sie machte den kilometerlangen Marsch zum neuen Stadion bei Temperaturen über 30 Grad mit. Bei der Eröffnungsfeier stand sie auf dem Rasen und schwenkte stolz eine Fahne. "Die gute Seele des Fanprojekts" wurde "Walli" genannt, die jeder kannte, die von allen Fangruppen respektiert wurde und die in Gladbach mit Sicherheit niemand vergessen wird.

 
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