| 00.00 Uhr

Borussia Mönchengladbach
Warum Borussia in Düsseldorf gewinnt

Borussia Mönchengladbach: Warum Borussia in Düsseldorf gewinnt
Zwei Derby-Siegtorschützen des Jahres: Lars Stindl traf beim 3:2 in Leverkusen doppelt, sorgte für das 3:2 gegen Köln (hier im Bild), Nico Elvedi hinter ihm folgte als Held im August beim 1:0 gegen Köln im Borussia-Park. FOTO: Päffgen (Archiv)
Mönchengladbach. Borussia hat noch nie ein Pokalspiel gegen Fortuna gewinnen können. Aber dabei kann es nicht bleiben, oder? Von Karsten Kellermann und Jannik Sorgatz

Was die Fohlen in den großen 70ern zweimal nicht geschafft haben und auch nicht Lucien Favres Europapokal-Rückkehrer vor fünf Jahren, das soll nun Dieter Heckings Team gelingen: im Pokal gegen Fortuna weiterzukommen. Wir liefern fünf gute Gründe, warum es am 24. Oktober so kommen wird.

Geschichte wiederholt sich Es ist das vierte Pokalspiel zwischen Düsseldorf und Gladbach. Dreimal setzte sich Fortuna durch. Im vierten Spiel wird diese Serie reißen. Dafür gibt es eindeutige Hinweise in der Historie dieses niederrheinischen Wettstreits. In der guten alten Oberliga West kamen die Fortunen und Borussen ebenfalls dreimal zusammen, bevor es im vierten Aufeinandertreffen der beiden Klubs den ersten Sieg der Gladbacher gab. Zunächst gewann Düsseldorf zweimal (2:0, 4:1), dann gab es ein 1:1. Und schließlich, am 12. April 1953, war es so weit: Heinz Jansen und Willi Wicken (per Elfmeter) sorgten für eine 2:0-Führung, die Fortuna zwar noch einmal aufholte, doch dann schaffte Friedel Schicks in der 84. Minute den 3:2-Siegtreffer. Im Hinspiel hatte es einen Eklat gegeben: Der Radioreporter des NWDR bezeichnete die Gladbacher als "Abstiegskandidat". Der Borussen-Vorstand war not amused - und der Reporter bat um Entschuldigung. Er habe das Ansehen eines Pioniers des westdeutschen Fußballsports nicht schmälern wollen, ist in Borussias Chronik nachzulesen. Der Sieg im Rückspiel brachte am drittletzten Spieltag die beiden Punkte, die Borussia am Ende Vorsprung hatte vor dem ersten Abstiegsplatz.

Der 60. Jahrestag 1950 stieg Borussia erstmals in die Oberliga auf. Danach vergingen aber sieben Jahre, bevor es den ersten Auswärtssieg in Düsseldorf gab. Am 13. Januar 1957 gewannen die Borussen 3:1 bei Fortuna. Vor sechs Jahrzehnten erzielten Willi Höfer (2) und Helmut Heinrichs die Tore der Gladbacher. Bei denen stand Heinz Nellen im Tor - und nicht wie beim 2:5 im Hinspiel am 25. August 1956 der deutsche "Fußballgott" von 1954, Toni Turek. Der war zu Beginn der Saison nach einer einjährigen Pause zu den Gladbachern gekommen, um ein Comeback zu versuchen. Das misslang. Vier Spiele machte der Held von Bern für Gladbach - und kassierte 17 Gegentore. Im Vorfeld des zweiten Spiels gegen "seine" Fortuna gab er sein Karriereende bekannt. Der erste Sieg gegen Fortuna brachte jedoch kein Glück, Borussia stieg am Ende ab, sie war vom ersten bis zum finalen Spieltag Letzter. Dennoch: Zum 60. Jahrestag des ersten Sieges in Düsseldorf wäre es nur logisch, wenn Borussia nun den ersten Pokalerfolg in der Landeshauptstadt schaffen würde.

Sehnsucht nach Berlin Borussias Trainer Dieter Hecking, weiß, wie süß der Pokalsieg schmeckt. Er gewann den "Pott" 2015 mit dem VfL Wolfsburg. In der vergangenen Saison erlebte Matthias Ginter, wie schön sich der Triumph im Berliner Olympiastadion anfühlt, er war mit Borussia Dortmund gegen Eintracht Frankfurt erfolgreich - gegen jene Eintracht, die den Gladbachern im Elfmeterschießen die Reise in die Hauptstadt vermiest hatte. Es war das vierte Mal seit 2001, dass die Borussen im Halbfinale den Traum platzen ließen. Das Motto der Gladbacher muss sein: Über Düsseldorf fahr'n wir nach Berlin. Ein Sieg bei Fortuna ist daher, sagen wir es im Angela-Merkel-Sprech, "alternativlos". Denn sonst wäre der Traum von Berlin nach zwei Pokalspielen vorbei. Die Sehnsucht nach dem großen Spiel im Olympiastadion, dem ersten seit 1995, sollte zu groß sein, um dies geschehen zu lassen.

Die Favoriten-Rolle Platz eins in der 2. Bundesliga bedeutet deutschlandweit Platz 19 für Fortuna. Gladbach ist momentan Siebter und selbst für den Fall, dass es bis zum 24. Oktober ein Stück bergab gehen sollte, der haushohe Favorit im Pokalderby. Als erste Vergleichsgröße wird gerne der Marktwert herangezogen: Der Düsseldorfer Kader hat laut "Transfermarkt" einen durchschnittlichen Wert von 610.000 Euro pro Spieler, Zugang Benito Raman hat mit zwei Millionen die Nase vorn. Bei Borussia ist im Schnitt jeder Spieler 5,19 Millionen wert, Lars Stindl kommt mit 15 Millionen fast auf die gleiche Summe wie der gesamte Fortuna-Kader. Natürlich kann ein Kompaktwagen eine 90 Kilometer lange Strecke schneller als ein Sportwagen absolvieren, das wird Hecking seiner Mannschaft schon einimpfen - aber nur, wenn der Sportwagen seine PS unter der Haube nicht voll einsetzt.

Im richtigen Modus Wenn Köln die Mutter aller Derbys für Borussia ist, kann Leverkusen allenfalls als Schwiegermutter durchgehen. Doch gegen beide Rivalen aus dem Rheinland hat Dieter Hecking eine 100-prozentige Siegquote, seit er den Job in Gladbach übernommen hat. Der 3:2-Erfolg in Leverkusen nach einem 0:2-Rückstand Ende Januar brachte das Team unter dem neuen Trainer wieder in die Spur. Nach dem 3:2 in Köln Anfang April durfte Borussia weiter von Europa träumen, und im August legte sie mit dem 1:0-Heimsieg am ersten Spieltag noch einen nach - unterdessen wurde im Dortmunder Fußballmuseum übrigens das Fortuna-Los gezogen. Da trifft es sich doch ganz gut, dass Gladbach drei Tage vor dem Pokalderby in Düsseldorf schon in den ersten, zweiten, vielleicht dritten Derby-Gang schalten kann. Dann ist Leverkusen im Borussia-Park zu Gast.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Borussia Mönchengladbach: Warum Borussia in Düsseldorf gewinnt


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.