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Borussia Mönchengladbach
Was macht Lucien Favre im Sommer?

Fotos: Favre – akribischer Arbeiter und Ex-Gladbach-Trainer
Fotos: Favre – akribischer Arbeiter und Ex-Gladbach-Trainer FOTO: AP
Mönchengladbach. Ausgerechnet eine Derby-Niederlage beendete die erfolgreichste Trainer-Ära der jüngeren Vereinsgeschichte von Borussia Mönchengladbach. Einen Tag nach dem 0:1 im Hinspiel in Köln trat Lucien Favre am 20. September 2015 zurück. Er fühlte sich nicht mehr in der Lage, die Wende zu schaffen nach sechs Pflichtspielniederlagen in Folge. Von Karsten Kellermann

Favre entschwand fortan aus der Öffentlichkeit. Irgendwann gab es ein Foto, das ihn in einem Gladbacher Restaurant zeigte, dann war zu hören, er urlaube auf Costa Rica. Und es gab Spekulationen: Galatasaray Istanbul, VfB Stuttgart, Lille, Lyon, gar die Bayern – insgesamt gab es 15 Gerüchte um Favre. Geäußert hat er sich dazu nie, nur sein Berater José Noguera stellte klar: "Nein, da ist nichts dran." 153 Tage nach dem Rücktritt kehrte Favre nun verbal in die Öffentlichkeit zurück.

Borussia ist noch immer Favres "Baby"

Borussias Spiele schaut er "sehr gerne und mit Freude" im Fernsehen an, sagte er im ersten Interview mit der "Sport Bild". Dieses Team ist, das darf man vermuten, vom Gefühl her noch immer "sein Baby", er hat es entwickelt, weiterenwickelt und umentwickelt, hat es vom Abstiegskandidaten zum Champions-League-Teilnehmer gemacht. "Ich wünsche Borussia alles Gute", sagte Favre. Was er vom Wandel des Teams unter seinem Nachfolger André Schubert hält, darüber hat er nichts gesagt.

Chronologie: Die 1680 Tage des Lucien Favre bei Borussia FOTO: dapd

Großvater ist er geworden, gab der Ex-Trainer Borussias indes bekannt, er hat viel Zeit mit der Familie verbracht, vor allem aber ist er Bildungsreisender "in vielen Bereichen". Auch in Sachen Fußball. So hat er es auch gemacht, als er nach seinem Rauswurf bei Hertha BSC Berlin 18 Monate kein Trainer war: Gespräche mit Kollegen, schauen, welche Entwicklungen es gibt, daraus eigene Ideen entwickeln. "Es war immer mein Ziel, bei der nächsten Station besser zu sein als bei der letzten – das ist auch jetzt so, und dazu benötigst du vor allem Frische", sagte Favre. Im Borussia-Park war er seit dem Rücktritt nicht mehr.

Der Akku ist wieder voll

Auch andere Bundesligaarenen hat er gemieden. In Spanien war er aber, beim Clasico Real gegen Barcelona, zuletzt in England. Und er hat wohl hunderte Spiele auf DVD geschaut. Der Akku ist nun wieder voll. Er sei bereit für neue Herausforderungen, so der Schweizer, der zwischen seiner Heimat und Mönchengladbach hin- und herpendelt.

Aber: Sein Vertrag bei Borussia ist noch da. Bis 2017 ist er datiert – und nicht aufgelöst, sondern ruhend gestellt. Nach Informationen unserer Redaktion gibt es aber nach Ablauf dieser Saison eine Konstellation, die eine Kündigungsmöglichkeit bietet. Im Sommer wäre Favre dann frei für einen neuen Arbeitgeber, bis dahin wird er wohl pausieren.

Was würde zu Favre passen? Eine Rückkehr in die Bundesliga wäre durchaus vorstellbar für Favre. Er hält viel vom "Gesamtpaket" des deutschen Fußballs. Doch ist zu vermuten, dass er sich eher eine ganz andere Herausforderung vorstellen kann: Ein anderes Land, eine andere Liga, eine andere Art Fußball. England vielleicht. Oder Frankreich. Und die Schweizer "Nati"? Auch in diesem Kontext wird sein Name immer wieder spekuliert. Noch ist nicht sicher, ob der nach der Europameisterschaft im Sommer auslaufende Vertrag von Trainer Vladimir Petkovic verlängert wird. Doch Favre ist vielleicht doch eher ein Trainer, der die tägliche Arbeit im Verein braucht. Wieder braucht. Und wo? Favre sei offen für vieles, sagt José Noguera.

Quelle: RP
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