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Borussia Mönchengladbach
Weniger Derby war mehr

Derby-Stimmen: "Hätten früher den Sack zu machen müssen"
Derby-Stimmen: "Hätten früher den Sack zu machen müssen"
Meinung | Mönchengladbach. Es ist etwas passiert mit diesem Derby am Samstag. Zumindest, wenn man der eigenen Wahrnehmung traut, und der, die sich aus vielen Gesprächen nach dem Abpfiff deckungsgleich ergab. Und dieses Etwas heißt Normalität. Von Stefan Klüttermann

Nach Jahren, in denen der sportliche Kern des Ganzen, also die 90 Bundesliga-Minuten zwischen Borussia und dem 1. FC Köln, derart in den Hintergrund gerückt war und stattdessen die groß zelebrierte Abneigung kleiner Teile beider Fanlager sowie die Folgen daraus die öffentliche Wahrnehmung flutete, tat es in den Augen vieler schlichtweg gut, mal wieder ein auf die sportliche Rivalität zurechtgestutztes Derby zu erleben.

Was die gut 52.000 Zuschauer zu sehen bekamen, war ein nicht immer hochklassiges, aber immer intensives Spiel. Keine Treterei, aber ein Kampf um jeden Quadratmeter Grünfläche. Sie sahen Akteure auf beiden Seiten, denen die Bedeutung des Spiels für ihre jeweilige Anhängerschaft bewusst war, die deswegen aber Motivation noch lange nicht mit blindem Eifer verwechselten.

Wer dann noch erlebte, wie sich Spieler beider Lager nach dem Abpfiff miteinander unterhielten, scherzten, lachten, der konnte durchaus auf den Gedanken kommen, dass Hass vielleicht doch ein falsches Leitbild für das Derby sein könnte, wenn es um die emotionale Heransgehensweise an dieses besondere Spiel geht.

Und dann wäre da noch das, was viele Zuschauer am Samstag als besonders schön empfanden: sich selbst – also die Stimmung auf den Rängen. Wo im Lager der Borussen-Profis im Vorfeld die Befürchtung aufgekommen war, viele Anhänger könnten sich dem Stimmungsboykott der Ultras anschließen, passierte das Gegenteil. Andere füllten die Lücke, und rissen die Mehrheit sogar mit, weil die Mehrheit sich nur allzu gerne mitreißen ließ – egal, ob oben in der Nordkurve oder unten auf der Haupttribüne.

Kollektiv-Strafen als Thema traten so mal wieder hinter Kollektiv-Anfeuerung zurück. Mancher sagte hinterher, die Derby-Atmosphäre sei mal wieder so gewesen wie früher am Bökelberg, und wer das sagte, meinte das natürlich als Kompliment. Es war vielleicht das größte Kompliment, das dieses Derby erhalten konnte. Ein Derby, das deswegen so gut tat, weil Sport und Fankultur mal wieder eine konstruktive Symbiose als ergänzte Bestandteile eingingen. Eine Symbiose, wie sie normal sein sollte. Eine Symbiose, wie sie viele Borussen-Anhänger offenbar wieder dauerhaft wollen.

Genau das jedenfalls bleibt als Quintessenz dieses Derbys hängen. Und genau das könnte auch wieder dazu führen, dass in Zukunft ein Gästeblock im Derby mal wieder voll besetzt sein darf. Weniger Derby kann also künftig wieder mehr sein.

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