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Borussia Mönchengladbach
Wenn der Gegner zweimal klingelt

Borussia Mönchengladbach: Wenn der Gegner zweimal klingelt
Der Ex-Borusse Max Kruse traf zum 2:0 für die Wolfsburger. FOTO: afp, OA
Wolfsburg. Im dritten Auswärtsspiel in Folge fängt sich Borussia zwei Gegentore binnen drei Minuten. In den vergangenen zwölf Pflichtspielen gab es eine solche Art Doppelschlag gar sechsmal. Eine Ursachenforschung fällt den Beteiligten schwer. Von Stefan Klüttermann

Es gab mal eine vermeintliche Erkenntnis im Fußball: Die, dass eine Mannschaft immer dann besonders anfällig für ein Gegentor sei, wenn sie soeben selbst einen Treffer erzielt hat. Mit dieser Legende haben englische Psychologen zwar längst aufgeräumt, doch die Borussen mühen sich aktuell nach Kräften, an einer eng verwandten Theorie zu stricken: Der, dass ein Team dann besonders anfällig für ein Gegentor ist, wenn es soeben ein Gegentor kassiert hat.

Die Gladbacher Beweisführung spiegelt sich in einer gewissen Regelmäßigkeit über die vergangenen drei Monate wieder. So fing sich André Schuberts Team in den vergangenen zwölf Pflichtspielen fünfmal zwei Gegentore binnen höchstens drei Minuten. In den vergangenen drei Auswärtsspielen in Folge gelang dieses fragwürdige Kunststück sogar jedes Mal. Keines dieser "Doppelschlag-Spiele" wurde dabei gewonnen, weswegen Granit Xhaka nach dem 1:2 von Wolfsburg dann auch verärgert feststellte: "Wir kriegen - wie schon in den vergangenen Spielen - binnen Minuten das zweite Tor. Und wenn du da oben mitspielen willst, dann geht das nicht. Irgendwann müssen wir das lernen, und ich hoffe, dass es nicht zu spät ist."

Herrmann verhindert Hazard-Tor FOTO: Screenshot Sky

Hier seien die sechs Partien einmal einzeln beleuchtet:

8. Dezember, Manchester Bis zur 80. Minute führt Borussia in der Champions League bei Manchester City sensationell 2:1, würde mit diesem Ergebnis international überwintern. Dann fällt der Ausgleich, der Borussias Ausscheiden bedeutete, eine Minute später fällt das 2:3, vier weitere Zeigerumdrehungen der 2:4-Endstand.

12. Dezember, Leverkusen 0:1 liegt Borussia nach einer Stunde bei Bayer 04 zurück, erwischt aber eine gute Anfangsviertelstunde der zweiten Halbzeit. Dann erzielen die Hausherren das 2:0. Alles wäre weiter offen, aber drei Minuten nach dem 2:0 fällt das 3:0. Die Partie ist entschieden. Endstand: 5:0.

15. Dezember, Mönchengladbach Borussia hatte sich über das Heimspiel und den Gegner Werder Bremen im Achtelfinale des DFB-Pokals so gefreut, aber die Bremer erweisen sich als zäher Gegner. Immerhin: Der eingewechselte Branimir Hrgota erzielt nach 73 Minuten das 2:2. Alles steht wieder auf Null. Aber nicht lange: Nach 75 Minuten geht Bremen 3:2 in Führung - und nach 78 Minuten gelingt den Gästen mit dem 4:2 die Entscheidung. Borussia ist ausgeschieden.

Pressestimmen: Niederlage in Wolfsburg: "Komplett unnötig" FOTO: qvist /Shutterstock.com/Retusche RPO

14. Februar, Hamburg Borussia führt beim HSV 1:0, alles läuft nach Plan. Aber dann gönnt sich das Team zu viel Überheblichkeit und kassiert den Ausgleich. Drei Minuten später hat der HSV das Spiel auf 2:1 gedreht, er gewinnt am Ende 3:2.

28. Februar, Augsburg Borussia führt 1:0 und nimmt diese Führung auch mit in die Kabine. Nach 50 Minuten fällt der Ausgleich, drei Minuten später steht es 2:1. Fabian Johnson rettet zumindest einen Punkt.

5. März, Wolfsburg Nach 15 Mionuten bringt Julian Draxler die Wölfe in Führung, nach 17 Minuten steht es 2:0, weil Max Kruse getroffen hat. Raffaels Anschlusstreffer ist am Ende zu wenig für Zählbares.

All diese Spiele verbindet eine Frage: Was passiert mit Borussia, dass sie nach einem Gegentor direkt ein zweites zulässt? Ist es der naive Wille, sofort auf den Ausgleich zu drängen? Oder ist es Enttäuschung über das erste Gegentor, die die Konzentration vor dem zweiten vermindert? Die Beteiligten tun sich schwer damit, Erklärungen zu liefern. "Das darf uns nicht passieren. Wir müssen da viel ruhiger agieren, vielleicht mal ein bisschen abwartender spielen und nicht sofort das 1:1 suchen", sagte Xhaka in Wolfsburg.

Wer sich Lucien Favre ins Gedächtnis ruft, der erinnert sich, dass der vorsichtige Schweizer in zwei Situationen Vorsicht förmlich in Richtung seines Teams predigte: Just nach einem Tor und just nach einem Gegentor mahnte Favre mit beiden Armen gen Boden zu Cleverness und Besonnenheit. Es ist eine Besonnenheit, die Borussia offenbar abhandengekommen ist. Die Häufung der Doppelschläge lässt jedenfalls keinen anderen Schluss zu.

Quelle: RP
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