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Borussia-Analyse
Wenn die Bayern der richtige Gegner sind

Einzelkritik: Nur Vestergaard und Kramer besser als Note 4
Einzelkritik: Nur Vestergaard und Kramer besser als Note 4 FOTO: Dirk Päffgen
Mönchengladbach. Auswärts stärker als zu Hause - das ist Borussia Mönchengladbach im Jahr 2017. Das erhöht in zwei Wochen bei Hertha BSC den Druck und bietet danach womöglich Vorteile gegen den FC Bayern. Von Karsten Kellermann

Das ist die Hans-Meyer-Tabelle extrem: Borussia steht in dieser Gegenrechnung von Heim- und Auswärtspartien nach elf Spieltagen auf null - aber vor welchem Hintergrund! Acht Punkte hat das Team von Dieter Hecking in der Fremde eingesammelt, zudem gab es im Pokal zwei Siege in anderen Stadien, überhaupt wurde jenseits des Borussia-Parks nur einmal verloren, dies aber deftig beim 1:6 in Dortmund. Alles in allem ist es eine starke Bilanz.

Bemerkenswert ist aber auch die Zwischenbilanz im heimischen Stadion im ersten Saisondrittel: Im Borussia-Park gab es bereits zwei Niederlagen und zwei Unentschieden, insgesamt gingen den Borussen zu Hause schon acht Punkte durch die Lappen. Somit ist die tolle Auswärtsserie nicht zur Mehrung der Möglichkeiten da, sondern sie ist ein Muss - denn hätte Borussia in der Fremde weniger gepunktet, würde sie nicht mit 18 Punkten Anschluss an die Europapokal-Plätze halten. Auch nach Berlin, wo am 18. November das nächste Liga-Spiel ausgetragen wird, fahren die Gladbacher mit dem Druck, etwas holen zu müssen, um die beiden gegen Mainz verspielten Punkte wieder auszugleichen.

In früheren Zeiten war es meist anders herum: Dienstreisen waren meist für die Katz, dafür wurden daheim Punkte geholt, um die etwaigen Saisonziele zu erreichen. Ging daheim dann mal was schief, war die Bescherung groß. Daher sollte in Berlin nichts schiefgehen, denn es folgt turnusmäßig ein Heimspiel. Und das auch noch gegen den FC Bayern München, der gerade 3:1 in Dortmund gewonnen hat, in jenem Stadion also, in dem Borussia so krass unterging. Es gibt Menschen, die rechnen in solchen Fällen beide Ergebnisse zu Prognosen zusammen - doch das wäre defätistisch.

Gehen wir das Bayern-Spiel aber mal anders an. Vielleicht ist es gerade der richtige Gegner zur rechten Zeit, um den Borussen ihre Heim-Angst zu nehmen. Denn gegen die Bayern, zumal im aktuellen Jupp-Heynckes-Modus, wird niemand so vermessen sein und tun, was Hecking vor dem Mainz-Spiel allenthalben festgestellt hat: Einen Sieg der Gladbacher voraussetzen.

Von der Favoritenrolle befreit können die Borussen am 25. November daher vielleicht im Auswärtsmodus unterwegs sein: ohne die Pflicht, Spiel und Gegner kontrollieren zu müssen, mit dem das Wissen, dass an dem Tag alles außer einer Heimniederlage viel Lob einbringen würde. Was im Umkehrschluss jedoch nicht so zu interpretieren ist, dass man sich ohne Weiteres in das Schicksal fügen sollte, denn letztlich gibt es auch da drei Punkte zu holen - und bei einer Niederlage gibt es entsprechend ein Punkte-Defizit. Trotzdem: Ein Heimspiel gegen die Bayern ist kein normales Heimspiel. Das könnte hilfreich sein.

Aber: Erst mal muss Borussia bei der Hertha ihren Job machen. Und, noch mal: Wer daheim schludert, der muss auswärts etwas holen. Es gibt eine Statistik, die Hoffnung macht, dass das auch gelingt - und, dass es gut ist, nach der Länderspielpause auswärts anzutreten. Denn nach der ersten Unterbrechung gab es daheim das 0:1 gegen Frankfurt, nach der zweiten das 2:0 in Bremen. Doch all das ist nur Sinnieren. Fakt ist: Wenn Borussia ihre beste Leistung abruft, ist viel möglich. Und wenn nicht, dann... Die (Meyer-)Tabelle lügt zwar nicht, aber die Wahrheitsfindung geschieht nun mal auf dem Platz.

Quelle: RP
 
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