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Borussia Mönchengladbach
Wer soll die Klatsche ausbügeln?

Borussia Mönchengladbach: Wer soll die Klatsche ausbügeln?
Gibt’s gegen Hannover den gleichen Kreis? Torwart Tobias Sippel (rechts) könnte wieder durch Yann Sommer ersetzt werden – wenn der Schweizer rechtzeitig fit wird. Ansonsten scheint Trainer Dieter Hecking selbst noch nicht entschieden haben, ob er nach dem 1:6 in Dortmund Änderungen vornimmt oder die identischen Spieler aufstellt. FOTO: Imago
Mönchengladbach. "Es kann sein, dass wir etwas verändern. Es kann aber auch sein, dass wir dem Team von Dortmund die Chance geben, sich zu rehabilitieren. Für beides spricht etwas", sagte Borussias Trainer Dieter Hecking. Wir diskutieren beide Optionen. Von Karsten Kellermann und Jannik Sorgatz

Chance zur Reaktion

Von Karsten Kellermann

Dieter Hecking hat Optionen - und es sind gute Optionen dabei. Ganz junge Kerle wie Mickael Cuisance, die sich zeigen wollen. Oder Routiniers wie Tony Jantschke, die Ruhe reinbringen können. Ruhe ist ein Weg zur Konstanz - und die ist nötig. Aber kriegt man Konstanz hin, wenn man personelle Konstanz auflöst? Hecking hat eine Elf gefunden, der er vertraut, die Wechsel waren bisher meist Reaktionen auf Verletzungen. Das Team hat in Dortmund enttäuscht und es gibt Spieler, denen ein Denkzettel guttun würde. Aber wäre das sinnvoll?

Hecking hat gesagt, dass er im Misserfolgsfall nicht reflexartig wechselt. Gerade nach solchen Niederlagen würde jeder, der aus dem Team genommen wird, zum Sündenbock gestempelt. Borussias Team ist noch dabei, Hierarchien zu entwickeln. Daher ist Vorsicht geboten, sie voreilig zu kippen. Und stark ist auch, wer nach Niederlagen aufsteht.

Auch Hecking wird am Spiel gegen seinen Ex-Vereins gemessen werden: Kriegt er das Debakel aus den Köpfen der Spieler heraus? War Dortmund ein Einzelfall oder der Auftakt eines Trends? Entscheidend ist: Wie ist die Reaktion? Und wer kann besser Antworten auf die Fragen geben, die nach Dortmund aufgekommen sind, als die, die sie provoziert haben? Dass das 1:6 kein Spiegel des realen Leistungsvermögens der Gladbacher war, darf man voraussetzen (wenn es nicht so wäre, hätte Borussia ganz andere Sorgen). Also: Sie können es besser. Und sollten nun vom Ehrgefühl getrieben sein, zu zeigen, dass es so ist.

Darum sollte Hecking die Dortmund-Elf möglichst unverändert gegen Hannover auf den Rasen schicken mit dem klaren Auftrag: Macht gut, was ihr verbockt habt! Das ist ein konservativer Ansatz. Und schon gar nicht populistisch, denn nach Ergebnissen wie in Dortmund werden immer Schuldige gesucht. Hecking stellt sich stets vor sein Team. Auch darum wird Hannover zugleich ein Charakter-Test: Auf wen kann sich Hecking in schwierigen Situationen verlassen? Die Chance, sich zu rehabilitieren, sollten die Dortmund-Verlierer bekommen - und dann auch nutzen.

Ein, zwei Reize setzen

Von Jannik Sorgatz

Als Dieter Hecking im Januar übernahm, war personelle Kontinuität der Schlüssel, um die Mannschaft wieder in die Spur zu bringen. Der innige Vertrauensbeweis des Trainers, besonders an seine Achsen-Spieler, konnte auch als Gegenreaktion auf das Hin und Her der Monate zuvor gesehen werden. Das Team schien durchzuatmen wie ein kränkelndes Kind, dem die Mutter Erkältungssalbe auf die Brust gerieben hat.

Zwei Siege, zwei Unentschieden und zwei Niederlagen liefern Ende September noch keine eindeutigen Signale in die eine oder andere Richtung. Und doch macht Borussia den Eindruck, als benötige sie mehr als den externen Warnschuss durch das 1:6 gegen den BVB. Denn dieses Spiel war nur der Tiefpunkt der Janusköpfigkeit.

Die schier unendliche Verletztenmisere hat bislang verhindert, dass der Konkurrenzkampf für Dynamik im Kader sorgt. Erst langsam löst das Leistungsprinzip die Devise "Wer gesund ist, steht im Kader" vollständig ab. Allerdings würden etwas mehr interne Reize die Stammleute nicht gleich demontieren. Neun Profis haben in sieben Pflichtspielen stets begonnen. Im Tor musste Hecking unfreiwillig wechseln, ansonsten wurde nur der zweite Flügelspieler munter rotiert.

Blinder Aktionismus sollte nie die Reaktion auf ein Spiel wie in Dortmund sein, aber Hecking hat in der Übungseinheit am Mittwoch gezeigt, wie der wohldosierte Ansatz aussehen kann. Im Trainingsspiel brachte er in einem 4-3-3 Mickael Cuisance, den großen Lichtblick der vergangenen drei Monate, sowie Raúl Bobadilla, der in den vergangenen drei Wochen nur eine Minute gespielt hat. Sie könnten Unbekümmertheit und Aggressivität einbringen - Zutaten, die Borussia im Moment fehlen.

Es dürfte nicht schaden, wenn zum Beispiel Wendt und Elvedi intensiver den Druck von Fabian Johnson und Tony Jantschke spüren, oder Raffael keinen Freifahrtschein in Anbetracht seiner langjährigen Verdienste ausgestellt bekommt. Denn letztlich kann es Hecking selbst nicht gefallen, wenn seine Mannschaft so sehr von einem wohlklingenden Plan abweicht wie in Dortmund.

Quelle: RP
 
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