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Borussia Mönchengladbach
Wie der Erfolg Borussia verändert

Borussia Mönchengladbach: Wie der Erfolg den Verein verändert
Max Eberl kämpft mit vielen anderen um die Deutungshoheit dieser Saison. FOTO: afp, PST
Mönchengladbach. In Gladbach ist man uneins darüber, wann man mit der Saison zufrieden sein kann. Max Eberl sagte am Sonntag, dass ihm jede Art von Europapokal recht sei. Doch das Schwächeln der Konkurrenz eröffnet ungeahnte Möglichkeiten Von Stefan Klüttermann

Bei acht Punkten Vorsprung und einem deutlich besseren Torverhältnis müsste an den drei verbleibenden Spieltagen einiges kolossal schieflaufen, damit Borussia Mönchengladbach in der kommenden Spielzeit nicht im Europapokal vertreten ist. Es wäre Gladbachs vierte Teilnahme am internationalen Wettbewerb in den vergangenen fünf Jahren.

"Das wäre Wahnsinn", sagte Sportdirektor Max Eberl nach dem 3:1 gegen Hoffenheim. Aber auch er registriert nur allzu deutlich, dass die Erfolgsgeschichte der jüngeren Vergangenheit nicht etwa dazu geführt hat, dass es rund um den Verein nur noch Lila-Laune-Geschichten gibt. Im Gegenteil: Der Aufschwung hat Borussia verändert, Kritikpunkte, Kontroversen und Erwartungshaltung haben mit den gestiegenen Leistungen Schritt gehalten.

Borussias Weg von unten nach oben

So tobt seit inzwischen mehreren Wochen in Umfeld, Medien und Öffentlichkeit ein Gerangel um die Deutungshoheit in der Frage, was denn für Borussia am Saisonende eigentlich ein Erfolg wäre - die Europa League oder einzig die Champions League. Die Vereinsführung wird nicht müde zu betonen, wo man a) vor fünf Jahren stand (vor dem dritten Abstieg), und wo man außerdem b) nach fünf Ligaspielen dieser Saison rangierte (mit null Punkten auf Rang 18).

Vor diesem Hintergrund, so die Argumentation, wäre Europa in jeder Couleur ein Erfolg. Aber es gibt eben auch viele, die sagen, so einfach wie in diesem Jahr werde es wohl nicht oft sein, in die Champions League einzuziehen, weil eben so viele arrivierte Teams schwächeln. Und wenn Borussia letztlich selbst zu sehr schwächele, um mindestens Vierter zu werden, sei das eben ein Anlass zur Kritik.

Mittendrin in diesem Schwarzweiß der laufenden Serie steht Trainer André Schubert. Anfangs Kult als seriensiegender Lucien-Favre-Erbe mit Kapuzenpulli, inzwischen durchaus kontrovers gesehen im Borussen-Land. Dass er in Interviews nach Spielen zuweilen arrogant rüberkommt und dünnhäutig wirkt, dürfte er wissen. Dass Öffentlichkeitsarbeit nicht immer ein sportwissenschaftlicher Diskurs ist, sollte er wissen. Schubert eckt immer wieder mal an, weist zurecht, reagiert genervt, aber all das tat Favre auch – anders, weil der Schweizer ein anderer Typ war und zudem Halbgott-Status in Mönchengladbach genoss, aber auch er konnte schwierig sein.

Hat André Schubert als junger Trainer mehr Zeit verdient?

Eberl sagte in der Vorwoche auf der Mitgliederversammlung, Schubert habe seine Ideen, und er werde die Zeit bekommen, diese umzusetzen. Die Verantwortlichen wissen selbst womöglich gar nicht, wie weit Schuberts Weiterentwicklung gehen kann und wie lange diese zu Borussias Weiterentwicklung passt. Aber sie wissen bestimmt, dass sie nicht permanent betonen können, Borussia setze auf junge Spieler, und diese dürften auch Fehler machen - und genau das soll dann nicht für einen jungen Trainer gelten?

Die Erwartungen sind mit Borussias Tabellenplätzen gestiegen. Und mit jedem neuen Rekordumsatz und Rekordgewinn, den der Verein verkündet, wachsen sie ein Stückchen weiter. Auf der anderen Seite stehen der Wille der Mitglieder und der Anspruch des Klubs, bei allem Aufschwung die familienfreundliche Borussia vom Niederrhein zu bleiben. Keine leichte Aufgabe. Vielleicht die größte der nächsten Jahre.

Quelle: RP
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