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Borussia Mönchengladbach
"Wir haben eine eindrucksvolle Reaktion gezeigt"

Borussia Mönchengladbach: "Wir haben eine eindrucksvolle Reaktion gezeigt"
FOTO: dpa, tfr hak
Mainz. Vier Tage nach dem bitteren Aus im DFB-Pokalhalbfinale hat Borussia Mönchengladbach beim FSV Mainz 05 einen wichtigen Auswärtssieg in der Bundesliga geholt. Matchwinner Nico Schulz gab nach dem 2:1 zu, dass zumindest seine Vorlage nicht unbedingt so beabsichtigt gewesen sei. Von Jannik Sorgatz

Lars Stindl ließ sich Zeit. Wenn Yann Sommer schon zum ersten mal die Kapitänsbinde bei Borussia überstreift, sollte sie auch richtig sitzen. Erst danach machte sich Stindl langsam auf zur Seitenlinie, wo Djibril Sow auf sein Bundesligadebüt wartete. Der junge Schweizer, noch tragische Figur am Dienstag mit seinem Fehlschuss im Elfmeterschießen gegen Eintracht Frankfurt, bekam noch ein paar Anweisungen, dann klatsche Stindl ab und ging vom Platz. Die Mainzer tippten aufgebracht auf ihre Handgelenke, es lief schließlich die dritte und letzte Minute der Nachspielzeit. Doch Schiedsrichter Sascha Stegemann gewährte ihnen keinen nennenswerten Aufschlag und besiegelte mit dem Schlusspfiff Gladbachs immens wichtigen 2:1-Erfolg beim FSV Mainz – am Wochenende nach dem fast schon traumatischen Abend im DFB-Pokal. 

"Die letzten Tage waren zäh und schwierig. Jeder hat es ein Stück weit anders verarbeitet. Der Trainer hat die richtigen Worte gefunden. Wir wollten eine Reaktion zeigen und haben das sehr eindrucksvoll getan", sagte Stindl nach dem zwölften Saisonsieg, der die Punkte 40 bis 42 und damit den Klassenerhalt brachte. Noch wichtiger: Borussia konnte die Abstände auf den fünften, sechsten und siebten Platz verkürzen: von sieben, fünf und drei Punkten auf vier, drei und zwei. 

Der "Mann des Spiels" (O-Ton Stindl) wusste kurz nach dem Abpfiff noch gar nicht, wie der fünfte Auswärtserfolg der Rückrunde die Konstellation im Kampf um Europa verändert hat. "Ich muss erstmal schauen, wie die anderen gespielt haben", sagte Nico Schulz, der Stindl das erste Tor aufgelegt und das zweite selbst geschossen hatte. Der 24-Jährige wurde in Kenntnis gesetzt und schlussfolgerte: "Wenn wir in den letzten drei Punkte noch unsere Punkte holen, warum sollte nicht etwas nach oben gehen? Nach unten brauchen wir jetzt nicht mehr gucken."

Schulz will sich nicht für Vorlage feiern lassen

Es war das erste Bundesligaspiel von Beginn an, das der gebürtige Berliner in 20 Monaten als Borusse machen durfte. Schulz absolvierte den Interviewmarathon so entschlossen, aber gleichzeitig unaufgeregt wie das Spiel. Nur in der Schlussphase geriet er wie seine Kollegen ins Schwimmen. Zumindest für seine Vorlage zum 1:0 nach einem beherzten Sprint über die linke Seite wollte Schulz sich auch gar nicht feiern lassen. "Wenn mir mein Schuss nicht abrutscht, geht er auch nicht rein. Aber so war es natürlich gut", sagte der Linksfuß.

Die Partie analysierte er genau wie Stindl und Trainer Dieter Hecking: "Die erste Halbzeit war sehr souverän. Wir wollten keine einfachen und dummen Fehler machen. Dass wir vorne immer für ein Tor gut sind, weiß man." Mainz' Coach Martin Schmidt gab zu, dass seine Mannschaft zunächst überrascht gewesen sei von den abwartenden Gladbachern, die in den Zweikämpfen dennoch aggressiv zu Werke gingen. Hecking hatte neben Schulz noch Laszlo Bénes für Tobias Strobl und Patrick Herrmann für Ibrahima Traoré gebracht.

Schulz' 2:0 nur 40 Sekunden nach der Pause habe Borussia "in die Karten gespielt", sagte Stindl und fügte hinzu: "Dass es hinten raus etwas eng wurde, ist verständlich nach dieser Saison. Die Personalsituation ist schwierig. Deshalb muss man den Jungs, die reinkommen und wie Nico war entscheidend sind heute, ein Riesenkompliment machen."

Borussia trotzt mentaler Belastung

Immerhin neun Profis, davon sechs mit Stammspielerpotenzial hatten gefehlt, das war selbst in einer Saison mit so vielen Verletzungen ein eingestellter Höchstwert. Hinzu kam die mentale Belastung nach dem bitteren Aus im Pokalhalbfinale. "Den Jungs am Donnerstag frei zu geben, war die richtige Entscheidung", sagte Hecking, so seien sie möglichst wenig an den Abend gegen Frankfurt erinnert worden. "Am Freitagnachmittag hatten wir dann eine sehr gute Trainingseinheit. Da habe ich gemerkt, dass sie 'on fire‘ sind." Dementsprechend sprach der 52-Jährige seiner Mannschaft "ein ganz besonderes Lob aus" für die mentale Leistung.

Am nächsten Spieltag kommt der FC Augsburg in den Borussia-Park, für den es wie für die Mainzer im Abstiegskampf um alles geht. Die erste Prüfung dieser Art hat Borussia gemeistert, nach Augsburg folgen mit dem VfL Wolfsburg und dem SV Darmstadt zwei weitere. "Mit etwas Glück haben wir auch die Schlussphase überstanden, als die Beine schwer waren. Unterm Strich steht für mich ein verdienter Auswärtssieg", sagte Hecking. Oder wie der verletzte Oscar Wendt vor dem Fernseher twitterte: "Bravo Männer, ganz stark!"

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(jaso)
 
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