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Borussia Mönchengladbach
Schubert will Sowohl-als-auch statt Entweder-oder

Das ist André Schubert
Das ist André Schubert FOTO: dpa, fg fdt
Mönchengladbach. Welcher Stil darf's denn sein? Unter Trainer Schubert soll Borussias Mannschaft alles können – je nach Situation und Gegner. Von Jannik Sorgatz

Der Fußball lebt von der Polarisierung. Offensiv oder defensiv? Ballbesitz oder Konter? Pep Guardiola oder Diego Simeone? Ästhetik oder Kampf? Die gängigen Diskurse lassen die Vermischung zweier scheinbar strikt getrennter Welten kaum zu. Und was macht Borussia Mönchengladbach? Widerstrebt dem Schwarz-Weiß-Denken, ohne deshalb in Graustufen ohne Wiedererkennungswert zu verfallen. Auch das ist einer der großen Trümpfe, die der beste Saisonstart seit 44 Jahren offenbart hat. Damals gewann Gladbach unter Hennes Weisweiler zuletzt die ersten vier Pflichtspiele.

Es ist nicht leicht, Borussia mit eindeutigen Labeln zu versehen. "Gegenpressing-Mannschaft" hat André Schubert nach dem 2:1 gegen Bayer Leverkusen so eins benutzt. In anderer Hinsicht hatte der Trainer sein Team vorab noch klar abgegrenzt von Bayer 04 unter Roger Schmidt. "Wir sind eine Mannschaft, die immer wieder versucht, auch Kontrolle im Spiel zu haben", meinte Schubert. "Wenn wir den Ball gewinnen, wollen wir zwar den Blick in Richtung Tor des Gegners haben. Wenn uns dann aber die Wahrscheinlichkeit eines gut vorgetragenen Angriffs zu gering erscheint, brechen wir ab." Das war eine ausführliche und dennoch präzise Erläuterung des Gladbacher Ansatzes in der Offensive. Alles können wollen, die richtigen Prioritäten setzen, also flexibel in den fünften Gang schalten und wieder runter in den zweiten.

Seit zwölf Ligaspielen fußt das Konzept auf einer Dreierkette, die fast nie zur Fünferkette wird à la "Wir spielen gegen die Bayern und schauen mal, wie lange wir die Null halten können". In neun der zwölf Spiele mit Dreierkette hatte Borussia mehr Ballbesitz als der Gegner, gegen Leverkusen am Samstag war es ausgeglichen, nur in München und Ingolstadt lag der Anteil unter 50 Prozent. Bei den Bayern entsprach das den Naturgesetzen, beim FCI war eine der schlechtesten Leistungen der vergangenen Saison der Grund.

Zwischen Heim- und Auswärtsspielen besteht kein grundsätzlicher Unterschied. Stellt sich Darmstadt zu Hause hinten rein, hat Borussia auch am Böllenfalltor 70 Prozent Ballbesitz. Erscheint es sinnvoll, Leverkusen zur Ballzirkulation zu zwingen, ist im Borussia-Park eine gleichmäßige Verteilung auch mal in Ordnung. Wenn die "Neue Zürcher Zeitung" die Schubert-Jungs nun nach dem Sieg gegen Bayer als "Konterteam" bezeichnet, wird niemand auf Unterlassung klagen. Beide Tore fielen nach Sechs-Sekunden- und Zwei-Stationen-Angriffen. Bei den anderen drei Großchancen reichten neun bis 15 Sekunden für 60 bis 80 Meter Raumgewinn von der Balleroberung bis zum Abschluss.

Gleichzeitig weiß Borussia sich inzwischen besser zu helfen, wenn der Gegner sich zurückzieht, als wäre er in der Münchner Allianz-Arena zu Gast. Eintracht Frankfurt schoss im März zum ersten Mal aufs Tor, als Gladbach das Spiel längst entschieden hatte. Auf diese Qualität wird es in den kommenden Wochen vermehrt ankommen, wenn es gegen den SC Freiburg, Werder Bremen, RB Leipzig und den FC Ingolstadt geht. Der Test gegen Hannover 96 am Freitag (15.30 Uhr, Live-Ticker) passt in dieses Profil. In der Champions League bei Manchester City wird Borussia den Gegner mehr kommen lassen können, um wieder ein Konterteam für einen Abend zu sein. Schubert hat eine Sowohl-als-auch-Borussia geformt.

Quelle: RP
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