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Borussia Mönchengladbach
Wunderkind im Wartestand

Porträt: Das ist Thorgan Hazard
Porträt: Das ist Thorgan Hazard FOTO: dpa, soe jai
Mönchengladbach. Borussias begabter Belgier Thorgan Hazard spielt nur eine Nebenrolle bei Borussias Aufschwung. Von Karsten Kellermann

Wesley Sonck war mal wieder im Borussia-Park. Er kam zurück an einen ihm bekannten Ort, doch in eine andere Welt. Zu seiner Zeit bei Borussia war es düster und chaotisch, nun kam er als TV-Experte zu Gladbachs erstem Heimspiel auf der schillernden Champions-League-Bühne. Sonck war zum ersten Mal da, seit seine kurze und unerfreuliche Episode als Stürmer in Gladbach im Juli 2007 endete.

Anfang 2005 war der Belgier im Zuge der Runderneuerung des damaligen Teams durch Dick Advocaat gekommen – flankiert von großen Erwartungen. Sein Name stand damals, als er für 2,5 Millionen Euro von Ajax Amsterdam kam, für Tore. Doch es passte nicht mit ihm und den Borussen, zumal nachdem Advocaat nach kurzer Zeit weg war. 28 Bundesligaspiele machte Sonck für Gladbach, aber nur 19 von Beginn an. Sechs seiner 126 Tore als Profispieler schoss er für Gladbach. Am Ende fand sich Belgiens Fußballer des Jahres von 2001 bei Borussias U23 wieder.

"Er hat viel Talent"

2014 hat Sonck seine Karriere beendet. Nun analysiert er im Fernsehen die Taten der belgischen Gegenwarts-Kicker. Bei ManCity spielt einer der Vorzeigefußballer Belgiens, Kevin de Bruyne. Auch Gladbach hat einen, dessen Name in Belgien einen guten Klang hat: Thorgan Hazard. "Er viel Talent", sagte Sonck über seinen Landsmann, den Borussia dem FC Chelsea für acht Millionen Euro abgekauft hat.

Zu sehen bekam Sonck Hazard gegen "City" nicht. Hazard kam nicht zum Einsatz. Überhaupt sind es andere, die für den jüngsten Aufschwung der Borussen stehen. Hazard, der als nichts weniger als eines der ganz großen Talente des europäischen Fußballs gilt und in dieser Saison das Prestige-Projekt von Ex-Trainer Lucien Favre werden sollte, hat kaum noch gespielt, seit Favre weg und André Schubert im Amt ist. Zuvor bei Favre hatte Hazard sechs Pflichtspiele am Stück von Beginn an gemacht. Es gab lauter Niederlagen. Die Saison, die seine werden sollte, ist es noch nicht.

Hazard bekam nach Max Kruses Abgang die 10, seine Wunschnummer, mit der er vor dem Wechsel nach Gladbach in Waregem groß aufgespielt hatte. Doch eine Verletzung bremste ihn in der Vorbereitung aus. Im Trainingslager konnte er kaum mitmachen, und auch danach brauchte er noch, bis er richtig im Teamtraining angekommen war.

Favre testete ihn dann mal im Sturmzentrum, mal als hängende Spitze oder auf Außen. Ganz rund lief es nirgends. Und viel Glück hatte Hazard auch nicht. Beim 1:2 gegen Mainz vergab er diverse Chancen, auch die zur möglichen 2:1-Führung. Dem jungen Mann, der mit 22 schon Familienvater ist, hätte (wie auch Borussia) ein Erfolgserlebnis in jenem Spiel gutgetan, vieles wäre dann jetzt vielleicht anders. So aber hat das Team ohne Hazard die Wende hingekriegt, es hat sich eine Achse gebildet, auf die Schubert setzt. Hazard gehört wie auch der Zehn-Millionen-Einkauf Josip Drmic, der nach dem Trainerwechsel gar nicht mehr spielte, nicht dazu. Das Wunderkind ist im Wartestand.

Nun, da viele Nationalspieler weg sind und er zu den Daheimgebliebenen gehört, ist die Gelegenheit günstig, sich Schubert zu zeigen, auch am Freitag im Testspiel gegen den MSV Duisburg (15.30 Uhr). Hazard muss er sich erst wieder heranarbeiten. Am 8. Dezember ist das Rückspiel der Borussen in Manchester. Ob diese Reise auf dem Dienstplan des TV-Experten Wesley Sonck steht, ist nicht bekannt. Thorgan Hazard hofft, dass er spätestens dann wieder eine andere Rolle in Gladbach spielt. Bestenfalls eine Hauptrolle. Sonck wäre ein interessierter Beobachter. Eine Hauptrolle hat er selbst in Gladbach nie bekommen.

Thorgan Hazard ist am Mittwoch mit Ibrahima Traoré beim Logentalk der Postbank und der RP dabei. Der Talk wird ab 19 Uhr via Livestream übertragen.

Quelle: RP
 
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