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Borussia Mönchengladbach
Bern baut auf Sommers Erben und Zlatans Vorgänger

Borussia Mönchengladbach: Young Boys Bern bauen auf Yvon Mvogo
Yvon Mvogo ist Torwart der Schweizer U21-Nationalmannschaft. FOTO: dpa, gk asu sam
Mönchengladbach. Dass die Borussia gegen Young Boys Bern Favorit ist in den Play-offs, streitet kaum jemand ab. Doch wie groß ist der Vorteil? Und auf wen gilt es zu achten auf dem Weg in die Champions League? Von Jannik Sorgatz

Joachim Löw macht es seit Jahren vor. Spielt sein DFB-Team bei der WM gegen Serbien, geht es in der Vorbereitung gegen Bosnien-Herzegowina. Muss Deutschland gegen die Ukraine ran, schnappt er sich vorab das ebenfalls mauernde Ungarn. Wenn er könnte, würde er vermutlich direkt gegen die Gruppengegner testen, doch das erlauben die Statuten nicht.

In diesem Sinne hat die Borussia das Prinzip der Generalprobe in diesem Sommer perfektioniert, wenn auch unfreiwillig und halbwegs unvorhersehbar. Zwischen den Young Boys Bern und Schachtjor Donezk war die Kluft in der 3. Qualifikationsrunde der Champions League auf dem Papier viel zu groß, um den Schweizern den Sprung in die Play-offs zu erlauben. Aber manchmal ist dieses Papier, von dem im Fußball immer wieder die Rede ist, nichts wert.

Tsiy William Ndenge rettete Borussia

Bern verlor der Hinspiel in der Ukraine 0:2, dann traf Yuya Kubo doppelt im Rückspiel, Donezk verschoss viele Minuten später zwei Elfmeter, Bern hatte plötzlich die nächste Runde erreicht und empfängt nun am 16. August die Borussia zum Play-off-Hinspiel im Stade de Suisse. Das letzte Aufeinandertreffen wird dann erst 34 Tage zurückliegen. Beim Uhrencup in Grenchen trennten sich beide Teams 3:3, Gladbach behielt im Elfmeterschießen die Oberhand.

Damals steckten die Borussen in der Anfangsphase der Vorbereitung, am Vortag hatten sie sich beim Jojo-Test gequält. Die Young Boys standen kurz vor dem Saisonstart. In einer Phase nach der Halbzeitpause zeigten sie mehr physische und geistige Frische, drehten die Partie, bis Tsiy William Ndenge noch der Ausgleich gelang. Am 16. August wird vieles anders sein, aber gewarnt sind die Schubert-Jungs schon einmal. Erst Recht nach dem vergangenen Mittwoch, als am Ort des alten Wankdorf-Stadions überschwänglich das "zweites Wunder von Bern" gefeiert wurde.

Die sportliche Einordnung eines solchen Gegners ist schwierig. Kommt man den Young Boys entgegen, bescheinigt man ihnen, in der Bundesliga mitspielen zu können. Ordnet man sie kritischer ein, würden sie dort wohl um den Klassenerhalt kämpfen – mit dem SC Freiburg oder dem FC Augsburg. Dementsprechend ist die Borussia der Favorit, aber niemand sollte Bern unterschätzen. Lucien Favre würde wohl eine ganze Pressekonferenz zum Mahnen verwenden, aber oft lag Gladbachs ehemaliger Trainer mit seiner Skepsis ja auch richtig.

Steve von Bergen spielte bei Hertha BSC

Eine namenlose Truppe sind die Young Boys keineswegs. Die kommenden Stars der Schweizer heißen Denis Zakaria und Yvon Mvogo, wobei die beiden Talente bei einem Klub im Ausland in die internationale Klasse vordringen dürften. Sprich, sie dürften nicht mehr lange in Bern bleiben. Mittelfeldmann Zakaria fehlte gegen Donezk noch verletzt, Torwart Mvogo hat das Zeug, in der Nati bald die Bundesliga-Phalanx um Yann Sommer, Roman Bürki und Marwin Hitz herauszufordern. Doch auch das Potenzial des 22-Jährigen kennt die Borussia seit dem Uhrencup. Mvogo träumt mittelfristig von der Primera Division.

Die bekanntesten Akteure bei den Young Boys haben ihre beste Zeit hinter sich. Kapitän Steve von Bergen spielte bei Hertha BSC in der Innenverteidigung, ist 33 Jahre alt. Linksfuß Miralem Sulejmani (27) ist immer noch der teuerste Einkauf, den Ajax Amsterdam je getätigt hat. Dieses Versprechen aus seinen späten Teenager-Jahren konnte der Serbe jedoch nie auf allerhöchstem Niveau einhalten. Vorne sorgt Guillaume Hoarau für Gefahr und gehört zu den besten Torjägern der Schweizer Super League. Am stärksten war der 32-Jährige allerdings bei Paris Saint-Germain, noch bevor Zlatan Ibrahimovic dort anheuerte.

Trainer Adi Hütter führte Red Bull Salzburg in der Saison 2014/15 zur Meisterschaft. Dann hatte er jedoch keine Lust mehr, seine besten Spieler immer abgeben zu müssen. "Im beiderseitigen Einvernehmen" wurde die Trennung verkündet. Der Österreicher übernahm Bern im vergangenen September und führte den Klub zur Vizemeisterschaft, was in der vom FC Basel dominierten Schweizer Liga eine Art inoffizieller Titel ist.

Bern läuft in der Regel im 4-4-2 mit Doppelsechs auf, vergleichbar mit dem alten Favre-System. Hoarau ist ein klassischer Mittelstürmer. Kubo, der Held vom Mittwoch, mit seinen 1,78 Meter eher eine hängende Spitze. Auf dem Papier drohen keine großen Überraschungen. Aber davon dürfte, siehe oben, Schachtjor Donezk ebenfalls ausgegangen sein.

 

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