| 22.14 Uhr

Borussia Mönchengladbach
Borussia zeigt sich gnädig mit Bremen

Einzelkritik: Hazard der Dreh- und Angelpunkt
Einzelkritik: Hazard der Dreh- und Angelpunkt FOTO: dpa, rwe hak
Mönchengladbach. Borussia Mönchengladbach zerlegt Werder Bremen innerhalb von 45 Minuten in seine Einzelteile. Danach nimmt André Schuberts Team den Fuß vom Gaspedal, der Gegner darf seine Wunden lecken. 4:1 steht es am Ende. Von Jannik Sorgatz

Nicht nur die Außentemperaturen hatten sich seit dem Heimsieg gegen Bayer Leverkusen am ersten Spieltag abgekühlt, von 32 auf 19 Grad, auch die Stimmung bei Borussia Mönchengladbach war etwas in den Keller gewandert. Nach zwei Niederlagen in Folge hat die Mannschaft von Trainer André Schubert mit einem 4:1 gegen Werder Bremen wieder in die Spur gefunden. 

"Wenn wir einen Gang zurückschalten, wäre es mir lieb, wenn wir das Spiel trotzdem besser im Griff haben. Aber wenn wir zu Hause 4:1 gewinnen, bin ich total zufrieden. Jetzt gilt es, am Mittwoch wieder Vollgas zu geben", sagte Schubert nach der Partie. 

Auftreten und Ergebnis hatten wieder etwas von Hochsommer. Es war der neunte Bundesliga-Heimsieg in Folge, nur zwei Serien hielten bislang länger in der Historie des VfL. Der Lauf im eigenen Stadion begann Anfang Februar – mit einem 5:1 gegen Bremen.

Schubert veränderte die Elf, die bei Manchester City chancenlos gewesen war, auf fünf Positionen. Thorgan Hazard und Ibrahima Traoré kamen rein, die Dreierkette wurde mit Julian Korb, Jannik Vestergaard und Tony Jantschke komplett neu formiert. Andreas Christensen rückte davor in der Offensive neben Christoph Kramer auf die Doppelsechs. 

Sich bei Ballbesitz des Gegners in eine Viererkette zurückfallen lassen musste sich Christensen in der Anfangsphase so gut wie gar nicht. Borussia begann äußerst dominant. Vier Ecken, drei Schüsse, zwei Chancen brachten die ersten zehn Minuten. In der elften gelang Hazard bereits der Führungstreffer, nachdem er zuvor an Fallou Diagne auf der Linie und am stark reagierenden Keeper Jaroslav Drobny gescheitert war. Es ging alles zu schnell für Werder: Raffael auf Fabian Johnson, Johnson auf Hazard, Tor.

Die Bremer konnten allenfalls einen Teilerfolg verbuchen, indem sie ihre Ballbesitzquote auf mehr als 30 Prozent steigerten. Dann fiel schon das 2:0. Ein langer Schlag Vestergaards ging über die gegnerische Abwehr hinweg, Hazard behielt im Vollsprint vor Drobny die Nerven. Fast jeder Angriff des VfL sorgte für Gefahr, oft mit Werders Unterstützung. In der 20. Minute schoss Theodor Gebre Selassie einen Mitspieler an, der Ball landete bei Lars Stindl, der Drobnys Berührung dankend annahm. Raffael hämmerte den Elfmeter zum 3:0 ins Tor. 

Werder konnte in der Folge dankbar sein über jede Minute zum Verschnaufen. Gelegentlich gewährte Borussia dem überforderten Gegner eine, um dann wieder das Tempo anzuziehen. Nach einer knappen halben Stunde setzte Traoré seinen Kumpel Hazard in Szene. Der spielte einen sehenswerten Doppelpass mit Johnson und hatte am langen Pfosten das Auge für Raffael, der allerdings im letzten Moment behindert wurde. Gladbachs Angriffsfußball genügte höchsten Ansprüchen, Bremens Verteidigung allerdings gar keinen. Wann immer Borussia in der Nähe des Tores auftauchte, kam sie zu einer Chance. 

Vor der Pause verpasste zunächst Johnson allein vor Drobny, der gut mit dem Fuß parierte, das vierte Tor. Das wurde schließlich in der 41. Minute nachgeholt. Stindl flankte ins Zentrum, wo Ludovic Sané noch zu retten versuchte, Raffael am Ende aber doch weitgehend unbehelligt per Drehschuss den Ball ins Tor schießen durfte. Dass nur "Werder, Werder, zweite Liga" durch das Stadion hallte, war in der Wortwahl noch gnädig angesichts der desolaten Bremer Vorstellung. So hoch nach 45 Minuten führt Borussia zuletzt bei Schuberts Debüt gegen den FC Augsburg vor einem Jahr.

Viktor Skripnik wechselte zweimal, brachte in Aron Johansson einen Stürmer und tauschte hinten Fallou Diagne gegen Niklas Moisander aus. Schubert gönnte Raffael eine Pause, für ihn erhielt Jonas Hofmann eine Bewährungschance. Das passte zum Testspielcharakter, den die Partie in der ersten Hälfte gehabt hatte. Es passierte wenig nach dem Seitenwechsel. Sambou Yatabaré hatte Werders beste Chance, als er etwas weit rechts vor Yann Sommer auftaucht und seinen Abschluss verzog. Borussia zeigte nach wie vor Spielfreude, nahm aber etwas den Fuß vom Gas, während der Gegner zumindest keine haarsträubenden Böcke mehr produzierte.

Nach einer guten Stunde kam Mo Dahoud für Lars Stindl in die Partie, der die Kapitänsbinde an Jantschke weitergab. Attraktiv war das Spiel kaum noch. Gladbach baute einige Abspielfehler ein und agierte hinten immer nachlässiger. So konnte – und musste – sich Sommer bei Ulisses Garcias Linksschuss bewähren. Zwei Minuten später, in der 71., parierte der Schweizer zunächst gegen Johansson, dann rettete Vestergaard für seinen geschlagenen Keeper. Kurz darauf war es passiert: Serge Gnabry hämmerte den Ball aus 14 Metern wütend ins Tor. Diese Ergebniskosmetik hatte Bremen sich verdient.

Erst eine Viertelstunde vor dem Abpfiff meldete sich Borussia wieder zu Wort. Hazard traf den linken Pfosten. Das war auch nötig, denn das Publikum drohte so langsam die berauschende erste Hälfte zu vergessen. Für eine unrühmliche Szene vor dem Ende sorgte Bremens Johansson, der offenbar wegen Schiedsrichterbeleidigung die Rote Karte sah. Erfreuliches gab es dagegen für Nico Schulz, der nach fast genau einem Jahr sein Comeback feierte.

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