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Borussia Mönchengladbach
Zwei Serien, die glückliche 13 und drei Minuten Effektivität

Essen - Gladbach: die Bilder des Spiels
Essen - Gladbach: die Bilder des Spiels FOTO: rtr, saw
Mönchengladbach. Das Pokalspiel in Essen zeigte einige Erkenntnisse. Borussia Serie gegen Viertligisten im Pokal hält, Jonas Hofmann wird Vincenzo Grifo und Patrick Herrmann als Joker vorgezogen und sticht, beim Torabschluss fehlt 80 Minuten lang das Zielwasser, Raffael kann auch Pokaltore und vier Borussen-Neulinge warten noch auf ihr Debüt. Von Karsten Kellermann

Eine Serie hält, eine andere muss enden

Rot-Weiss Essen, dessen Startelf mit 26 Jahren und 202 Tagen exakt genauso alt war, wie die der Borussen, war am Freitagabend drauf und dran, den Gladbachern eine historische Niederlage zuzufügen. Achtmal sind diese in der ersten DFB-Pokalrunde gescheitert, doch nie passierte ein solches Missgeschick gegen einen Viertligisten. Benjamin Baiers Kopfballtor ließ die Serie arg wackeln, doch am Ende hielt sie. Zuletzt war es 2013 in Runde eins schief gegangen, damals beim Drittligisten Darmstadt 98 im Elfmeterschießen. Was das Weiterkommen gegen Essen bedeutet? Die Statistik ist, was das angeht, etwas entmutigend. In der Saison 1979/1980 setzte sich Borussia in der zweiten Runde gegen RWE durch, weil sie daheim 4:0 gewann, in der Spielzeit 1981/82 gab es im Achtelfinale ein 4:0 an der Hafenstraße. In beiden Fällen war in der Runde danach Schluss mit dem Pokal: 1979/80 gab es in Runde drei ein 0:1 beim Karlsruher SC, 1981/82 ein 1:3 beim 1. FC Nürnberg. Der statistischen Logik zufolge wäre ein Auswärtslos nach dem aktuellen Sieg in Essen eher suboptimal. Also: Ein Heimspiel muss her in Runde zwei. Dann wäre die Chance vielleicht größer, dass die weniger schöne Pokal-Serie im Zusammenhang mit Rot-Weiss Essen endet.

Schneller Hofmann und die Glückszahl 13

Der Dosenöffner in Essen war Jonas Hofmann. Er war Dieter Heckings Joker und stach. Im Netz gab es erst mal ein kollektives Aufstöhnen, als Hofmann eingewechselt wurde, lieber wäre den Fans gewesen, Patrick Herrmann oder Vincenzo Grifo wären gekommen. Doch Hecking hatte das Gefühl, Hofmann wäre bereit für das Tor, da er zuletzt im Training zweimal getroffen hatte, weil er sich gewieft in die Tiefe bewegte – und sein Gefühl täuschte den Trainer nicht. "Er hat ein gutes Näschen bewiesen", sagte dann auch Hofmann. Er wurde von Lars Stindl aufs Feinste bedient und traf im Nachschuss. 13 Minuten nach der Einwechslung kam der Pass von Borussias Nummer 13 – wer da noch sagt, die 13 ist eine Unglückszahl, der liegt ebenso daneben wie die, die unkten als Hofmann kam. Das Unbehagen indes war nicht ganz unberechtigt. Denn als cooler Knipser hat sich der frühere Dortmunder bisher noch nicht präsentiert. In seiner ersten Halbserie als Gladbacher (215 Minuten Spielzeit in der Rückrunde der Saison 2015/2016) traf er gar nicht, in der vergangenen Saison schoss er sein erstes Tor nach 881 Einsatzminuten. Somit ist Hofmann in Sachen Torproduktion in dieser Saison schnell bei der Sache. Sein insgesamt drittes Tor für Gladbach war das zweite im Pokal (das dritte Tor schoss er in der Europa League auf Schalke) und das erste, das zu einem Sieg beitrug. Denn im Halbfinale gegen Frankfurt kam nach seinem 1:1 die Niederlage im Elfmeterschießen. Und sein Treffer in Gelsenkirchen zum 1:0 brachte am Ende nur ein 1:1 ein. Angesichts dieser Weiterentwicklung wäre es auch mal Zeit für ein Tor für Gladbach in der Bundesliga. 29 Liga-Spiele hat er hinter sich, zum 30. wäre das Debüt-Tor passend. "Am liebsten gleich nächste Woche im Derby", sagte Hofmann, der eine gewisse Genugtuung empfand ob seines Treffers in Essen: "Es wurde viel geredet, aber jetzt habe ich die richtige Antwort gegeben."

Verspielt, aber am Ende auch effektiv

Oft ist es ja so, dass die Tormänner der kleinen Klubs in der ersten Pokalrunde zu Helden werden. Der Essener Robin Heller, ein gebürtiger Mönchengladbacher mithin, hatte jedoch vergleichsweise wenig zu tun gegen die Gladbacher. Nur bei einem Schuss von Ibo Traoré wurde er gefordert, weitere Großtaten musste er nicht vollbringen, weil es bis auf die beiden Gegentreffer durch Hofmann und Raffael sonst mehr oder weniger keine Schüsse gab, die gefährlich aufs Tor flogen. 23 Torschüsse gab es laut Liste insgesamt, doch die meisten verfehlten das Ziel. Eine Auswahl: Thorgan Hazards Freistoß rauschte ebenso vorbei wie Lars Stindls Versuch von der Strafraumgrenze, auch Traoré zielte weit vorbei. Es gab einige nette Ansätze, aber es fehlten Konsequenz und Klarheit in Richtung Tor. Dann kamen drei Minuten, die das drohende Pokal-Debakel abwendeten – und letztlich war die gesamte Offensivabteilung am Sieg beteiligt: In der 79. Minute spielte Lars Stindl den genialen Pass auf Hofmann und sammelte damit einen Assist ein. Flügelspieler Traoré war mit seiner Flanke der Assist-Geber des Assistenten Thorgan Hazard beim 2:1. Hazard gewann das entscheidende Kopfball-Duell – normalerweise ist so etwas nicht seine Disziplin. Raffael war der Nutznießer und machte das Siegtor in Mittelstürmer-Manier. Lange war Borussia zu verspielt, dann aber total effektiv.

Raffael mit einem neuen Trend

Raffael hatte ein Tor-Tabu. Während seiner ersten drei Spielzeiten als Borusse schoss er viele Tore – doch "nur" in der Bundesliga, in der Champions Leage und in der Europa League, aber keines im DFB-Pokal. Fünf Cup-Partien gingen seit seinem Wechsel von Berlin nach Gladbach vorbei und noch zwei Drittel der sechsten, bevor es Raffaels erstes Tor für Gladbach gab. Beim 2:1 in Hamburg im Viertelfinale der vergangenen Saison endete die Flaute, als er den zweiten Elfmeter des Spiels zum vorentscheidenden 2:0 verwandelte. Nun in Essen traf er zum ersten Mal in seiner Gladbacher Zeit im Pokal aus dem Spiel heraus. Damit bestätigte er seinen neuen Trend: Raffael kann auch Tore für Borussia im DFB-Pokal. Gerade der Pokal hat für ihn aber einen ganz besonderen Reiz: Das Finale ist in Berlin, in der Stadt, in der sich Raffael sechs Jahre lang sehr wohl fühlte, als er für Hertha BSC spielte. Im Olympiastadion mit Borussia das Endspiel zu bestreiten ist sein großer Traum. Und nun wäre er auch bereit für Tore.

Vier Debüts stehen noch aus

Zwei der sechs neuen Borussen kamen in Essen zu ihrem ersten Pflichtspiel: Matthias Ginter und Denis Zakaria. Ginter spielte durch, der Schweizer wurde nach 66 Minuten gegen "Joker" Hofmann ausgetauscht. Beide Neulinge hatten Licht und Schatten an diesem Tag. Ginter war gleich der Dirigent von hinten, er sprach viel auf dem Platz und begab sich damit in die von ihm erwartete Chef-Rolle. Beim 0:1 jedoch war er wie die gesamte Defensive indisponiert. Zakaria war bemüht, Action nach vorn zu machen, hatte auch gute Ansätze, verhaspelte sich aber auch zuweilen. Vier andere Neue wären indes gern schon so weit gekommen, sich auf dem Rasen zu verhaspeln, waren aber nicht dabei. Am nächsten dran war Vincenzo Grifo. Der Ex-Freiburger saß in Essen 90 Minuten auf der Bank, auch als Hecking am Ende auf den Flügeln wechselte, blieb er draußen (Patrick Herrmann kam für Hazard, Fabian Johnson für Ibo Traoré). Somit steht auch das erste Pflichtspiel eines Italieners in Gladbach noch aus. Mickael Cuisance und Julio Villalba waren nicht im Kader (dafür aber U23-Stürmer Kwame Yeboah), Reece Oxford hat nach seinen Sprunggelenks-Beschwerden am Samstag erstmals individuelle Übungen absolviert. Er soll in der kommenden Woche nach den zwei freien Tagen (Sonntag und Montag) möglichst am Dienstagnachmittag, wenn die Vorbereitung auf das Derby am Sonntag startet, wieder ins Training einsteigen.

 
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