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Borussia gefangen in der Zeitschleife
Zwischen Aufwind und Depression

Gladbach - Dortmund: Einzelkritik
Gladbach - Dortmund: Einzelkritik FOTO: rtr, mb
Mönchengladbach. Borussia Mönchengladbach erspielt sich reichlich Chancen. Tore fehlen aber. Der Punkteschnitt ist deshalb besorgniserregend. Von Karsten Kellermann

Ein bisschen ist es, als sei Borussia Mönchengladbach in einer Zeitschleife gefangen, zumindest seit vier Wochen. Es passiert immer das Gleiche: Es ist ein Bundesligaspiel, und die Borussen sind nicht unbedingt das schlechtere Team, sie haben auch reichlich Chancen, doch am Ende verlieren sie. Mit dem 0:1 gegen Dortmund blieben die Gladbacher zum vierten Mal in Folge tor- und punktlos, den letzten Treffer erzielte Thorgan Hazard genau heute vor einem Monat zum 2:0-Endstand gegen Augsburg, seither sind 360 Minuten plus Nachspielzeit vergangen.

Die Bilanz der Borussen anno 2018 ist bedenklich: Fünf von sechs Spielen gingen verloren, keine Mannschaft kassierte so viele Niederlagen, Gladbach ist Vorletzter mit drei Punkten im Rückrunden-Klassement, nur der Hamburger SV ist schlechter. Doch das ist nur die Fortsetzung eines Trends, der nach dem Sieg gegen den FC Bayern München am 25. November 2017 begonnen hat: Zehn Ligaspiele gab es seither, von 30 möglichen Punkten holte Gladbach sieben, hinzu kam das Pokalaus gegen Leverkusen.

Europa und Abstiegskampf sind ähnlich weit entfernt

Der Abwärtsstrudel hat die Borussen aus der Nähe der Champions-League-Ränge in eine Zwischenwelt gespült irgendwo zwischen Europa und Gefahrenzone der Liga: Sechs Punkte sind es von Platz zehn bis zum ersten definitiv internationalen Platz, dem sechsten, aber auch nur noch acht bis zum Relegationsrang. Wie wahrscheinlich das Abrutschen in den Abstiegskampf für ein Team ist, das in zehn Spielen einen Punkt- und Torschnitt von jeweils 0,7 hat und 2018 sogar noch schlechtere Werte aufweist (je 0,5 pro Spiel), darf jeder für sich entscheiden.

In diesem Kontext fällt eine Bewertung der mentalen Folgen des 0:1 gegen die Dortmunder schwer. Gibt die gute Leistung Auftrieb, oder deprimiert das Ergebnis? Wenn man 28 Torschüsse abgibt, ohne zu treffen, der Gegner mit zwei Versuchen das Siegtor schafft, wenn man nach der Pause deutlich besser ist und noch mindestens einen klaren Elfmeter versagt bekommt, kann das schon zu einer Depression führen. Zumal da die Geschichte mit den vielen Verletzten ist, die nicht aufhören will. Tony Jantschke hat eine Knieprellung, und Nico Elvedi knickte um, Diagnose: "nur" eine Kapsel- und Bänderdehnung. Aber für Samstag droht ein Verteidiger-Engpass. Offen ist auch, ob Raffael spielen kann.

"Wir müssen positiv bleiben", sagte Raúl Bobadilla, der gegen den BVB überraschend in der Startelf stand. Positiv ist, dass er ein gutes Spiel machte und zeigte, dass er eine Alternative für den Endspurt ist. Für den Moment geht es darum, Schlimmeres zu vermeiden. Allerdings ist der kommende Gegner Hannover 96 unangenehm. In der Hinrunde reagierten die Gladbacher aber mit einem Last-Minute-2:1 gegen den Aufsteiger auf das 1:6 beim BVB. Und da ist die Erinnerung an 2012: Da hatte Gladbach in sieben Spielen nur einen Sieg geschafft und gewann dann durch ein Tor von Juan Arango 3:2 nach einem 0:2-Rückstand bei 96.

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Positives Denken contra Fatalismus - Gladbach muss in der Krise zu sich selbst zurückfinden. Das geht nur über den Torerfolg. "Wenn wir so weitermachen wie gegen Dortmund, werden wir wieder punkten", vermutet Verteidiger Matthias Ginter.

Quelle: RP
 
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