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Borussia Mönchengladbach
Zwölf Monate und kaum echte Verlierer

Bundesliga 16/17: Hazard trifft innerhalb von sechs Minuten doppelt
Bundesliga 16/17: Hazard trifft innerhalb von sechs Minuten doppelt FOTO: Dirk Päffgen
Mönchengladbach. "Ein bisschen Geduld ist im Fußball manchmal gefragt", sagte André Schubert noch am vergangenen Wochenende.Dass die Geduld sich auszahlt, haben viele seiner Profis im ersten Jahr unter Lucien Favres Nachfolger gespürt. Von Jannik Sorgatz

Die erste Aufstellung war gleich ein Ausrufezeichen. André Schubert brachte fünf Neue gegen den FC Augsburg. Dass er seitdem konsequent alles auf links gedreht oder die Lieblinge seines Vorgängers Lucien Favre degradiert hätte, lässt sich aber nicht sagen. Borussias Trainer hat ein paar Gewinner produziert, für einige war es ein langer Weg dorthin, andere büßten ihren Gewinnerstatus zwischenzeitlich ein, um ihn mitunter wiederzuerlangen. Es war also auch personell ein bewegtes erstes Schubert-Jahr. Zum Beispiel für diese Spieler:

Tony Jantschke Dass er das erste Spiel gegen Augsburg angeschlagen verpasste, war stilbildend. Verletzungen setzten Jantschke bis ins Frühjahr weitgehend außer Gefecht, die Kapitänsbinde bekam Granit Xhaka. Ein Eigengewächs am Ende? Auf keinen Fall! In der Sommervorbereitung verdiente sich Jantschke großes Lob, ist seitdem wieder Stammspieler. Wer unterm Strich nichts dazu gewonnen hat, muss ja nicht zu den Verlierern gehören.

Einzelkritik: Hazard der Dreh- und Angelpunkt FOTO: dpa, rwe hak

Nico Elvedi Startelfdebüt gegen den Bayern und gleich ein Sieg - die Geschichte werden sich die Enkel des Schweizers gerne anhören. Das dürfte allerdings noch eine Weile dauern, Elvedi ist erst 19 Jahre alt. Schubert hat ihn protegiert, auch wenn er mal Lehrgeld zahlen musste. Elvedis Entwicklung ist sichtbar, im Sommer fuhr er schon zur EM.

Julian Korb Er schien unter Favre kein Visum für den gegnerischen Strafraum zu haben, Schubert verschaffte ihm gleich einen Zweitwohnsitz. Korb schoss sogar Tore, die Vorstöße hatten beinahe Dani-Alves-Format. Aber dann war in der Rückrunde kein Platz mehr, als die Dreierkette kam. Und nun? Spielt Korb halt rechts in der Dreierkette, Joshua Kimmich statt Dani Alves.

Borussia - Bremen FOTO: Dirk Päffgen

Mo Dahoud Zwar steckt der 20-Jährige in seiner ersten kleinen Krise, doch die erlebt er als Heilsbringer, Nationalspieler in spe und europaweit begehrter Profi. Dahoud hat eben eine gewisse Fallhöhe erreicht, weil er unter Schubert auf dem Rasen ein Jahr wachsen durfte.

Fabian Johnson Über eine halbe Saison hatte sich unter Favre die Debatte gezogen, ob der US-Amerikaner nach links oder nach rechts, nach vorne oder nach hinten gehört. Aus "vorne" und "links" sind "Was genau ist vorne?" und "sowohl als auch" geworden. Johnson lernte unter Schubert das Toreschießen, vergaß aber nicht das Verteidigen. Mittlerweile ist der 28-Jährige sogar Mitglied des Mannschaftsrates.

3. Spieltag: Elf des Tages FOTO: dpa, a hak

Lars Stindl Zentrum, rechte Seite, Bank - seine ersten Wochen bei Borussia verliefen in Schlangenlinien. Dann kam Schubert, installierte Stindl als Raffaels Sturmpartner, und der Ex-Hannoveraner dankte es ihm gleich mit einem Traumtor gegen Augsburg. Heute ist Stindl Kapitän des VfL - und fester Bestandteil der, wenn auch nur imaginären, deutschen B-Nationalmannschaft.

Thorgan Hazard Außen vor, oben auf - der Belgier ist einer der wenigen Spieler, die unter Schubert diesen Weg gegangen sind, ohne seitdem einen Rückschlag erlitten zu haben. Der Trainer kritisierte ihn, kitzelte ihn, gab ihm Anfang Februar eine Chance - und wurde nicht enttäuscht. So gut wie jetzt war Hazard noch nie. Sechs Tore in den vergangenen fünf Spielen sprechen Bände, eine echte Explosion.

Raffael 21 Tore und 15 Vorlagen in 39 Spielen - die Bilanz des Brasilianers unter Schubert ist überragend. Unter Favre war Raffael schon eminent wichtig, inzwischen ist er Borussias MVP, ihr wertvollster Spieler. Seine Freiheiten rechtfertigt Raffael permanent, von seinem Ziehvater Favre hat er sich emanzipiert.

Die Verlierer Álvaro Dominguez, Josip Drmic und Patrick Herrmann sind im vergangenen Jahr von schweren Verletzungen zurückgeworfen worden. Deshalb stehen sie grundsätzlich schlechter da, laufen als Pechvögel aber außerhalb der Wertung. Dass nach dem 0:4 zum Start in die vergangene Saison Andreas Christensen auf die Bank musste und zunächst Marvin Schulz weitere Chancen erhielt, ist eine fast vergessene Randnotiz.

Quelle: RP
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