| 22.45 Uhr

Borussia Mönchengladbach
Gladbachs Sturmflaute hält an - 0:0 gegen Frankfurt

Einzelkritik: Gladbachs Offensive zu unpräzise und kraftlos
Einzelkritik: Gladbachs Offensive zu unpräzise und kraftlos FOTO: Dirk Päffgen
Mönchengladbach. Borussia Mönchengladbach ist im Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt nicht über ein torloses Unentschieden hinaus gekommen. Damit wartet das Team von Trainer André Schubert bereits seit vier Ligaspielen auf einen Sieg. Von Jannik Sorgatz

Max Eberl nahm den Namen am Donnerstag bewusst nicht in den Mund. Wenn der aktuelle Trainer danebensitzt, klingt es immer etwas merkwürdig, wenn der Sportdirektor vom alten Trainer spricht. Doch es wusste auch so jeder, wer gemeint war. "Er hat gebetsmühlenartig gepredigt, dass wir nicht vergessen dürfen, wo wir herkommen", erinnerte Eberl an Lucien Favre, Trainer bei Borussia Mönchengladbach von 2011 bis 2015.

Der Verein kommt aus der Relegation, das ist gemeint. Aber Borussia ist in den vergangenen beiden Spielzeiten eben auch von einem Champions-League-Platz genommen. Deshalb herrschte vor dem Bundesligaspiel gegen Eintracht Frankfurt nicht die Zufriedenheit, die rein tabellarisch zum Normalzustand am Niederrhein geworden ist: zehnter Platz, elf Punkte aus acht Spielen. Diese Bilanz konnte Gladbach mit einem 0:0 nur leicht aufbessern. Vier Ligaspiele hintereinander ohne Sieg sind es nun zum ersten Mal unter Trainer André Schubert.

"Wir können im Moment nicht kreativer sein. Nach vorne fehlen uns einfach ein paar Jungs", befand Schubert mit Blick auf die lange Verletztenliste. Er monierte viele "technische Fehler".

Im Kader fehlten erneut Raffael und Thorgan Hazard, die hauptberuflich dafür sorgen, dass derartige Negativläufe nicht zustande kommen. Schubert waren angesichts von acht Verletzten die Hände gebunden, er brachte in Julian Korb und Oscar Wendt nur zwei Neue nach dem 2:0 gegen den VfB Stuttgart im DFB-Pokal. Frankfurts Trainer Niko Kovac wechselte viermal nach dem Sieg gegen den FC Ingolstadt.

Beide Teams legten keine besonders ausgeruht wirkende erste Halbzeit hin. Borussia blieb in den wenigen aussichtsreichen Situationen hängen. Das Gegenpressing funktionierte zu selten, der Ball lief so wenig flüssig wie der Verkehr auf den Anfahrtswegen zum Stadion. Auf der anderen Seite traf Branimir Hrgota, im Sommer von Gladbach nach Frankfurt, in der besten Szene nur das Außennetz. Zur Pause stand der Torlos-Zähler der Gastgeber demnach bei 329 Minuten. Dass viele Zuschauer pfiffen, lag jedoch auch daran, dass Schiedsrichter Felix Zwayer die erste Hälfte ein paar Sekunden zu früh beendete.

Frankfurt war am Dienstag erst im Elfmeterschießen weitergekommen. Würde die Müdigkeit eine Rolle spielen? Und wenn ja, wann? Auf der Position vor der Abwehr bemühte sich Tony Jantschke als Antreiber. Einmal verpasste Fabian Johnson nach André Hahns Flanke den Ball, dann stand er nach Oscar Wendts Flanke im Abseits. Es war nicht mehr ansatzweise das Duell aus dem Frühjahr. Da hatte Gladbach die Eintracht dominiert beim 3:0 und erst in der Schlussphase einen Torschuss zugelassen. Hinten stand Borussia auch diesmal sicher, doch nach vorne ging wenig gegen die drittbeste Abwehr der Liga. Nationalspieler Christoph Kramer erkannte: "Wir haben im Moment nicht das Selbstverständnis nach vorne."

Da passte es, dass in der 69. Minute Torschreie durch den ausverkauften Borussia-Park hallten, nachdem Omar Mascarell den Ball beinahe ins eigene Tor abgefälscht hatte. Doch die Zuschauer waren einer optischen Täuschung erlegen. Kurz darauf jubelte das Stadion wieder vergebens, diesmal lenkte Torwart Lukas Hradecky Wendts Schuss an die Latte. In der Schlussviertelstunde blieben die großen Strafraumszenen aus. Beide Mannschaften setzten nicht voll auf Sieg, vielleicht konnten sie auch nicht.

Borussia ist seit 374 Minuten ohne Tor, so lange wie seit neun Jahren nicht. Solche Statistiken aus Zeiten, als permanenter Abstiegskampf angesagt war, wollen selbst die Demut predigenden Borussen gerne vergessen. Dass sie in den vergangenen fünf Pflichtspielen viermal kein Gegentor kassiert haben, ist bemerkenswert. Doch wenn das Prunkstück Offensive lahmt, geht es in der Liga nur in ganz kleinen Schritten voran. Am Dienstag kommt nun Celtic Glasgow in der Champions League.

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