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Borussia Mönchengladbach
Borussia zwischen schwarz und weiß

Borussen-Frust nach historischem Fehlstart
Borussen-Frust nach historischem Fehlstart FOTO: Dirk Päffgen
Mönchengladbach. In nicht mal vier Monaten von himmelhoch jauchzend zu zu Tode betrübt – im Borussen-Land ist Relativierung zur Herausforderung geworden. Von Stefan Klüttermann

Irgendwann flüchtete sich Max Eberl in Galgenhumor. Nein, Borussia werde sich jetzt nicht von der Champions League abmelden, nur weil man schlecht in die Bundesliga gestartet sei, gab der Sportdirektor zu Protokoll. Es ist letztlich nur eine ironische Episode aus der Mixed-Zone, aber sie wirft das Schlaglicht auf die augenblickliche Situation im Borussen-Land, die selbst nicht einer gewissen Ironie entbehrt – dass nämlich ausgerechnet der Verein, der das Kommunizieren des Realistisch Machbaren, des ausgewogen-besonnenen favorisiert, binnen nicht mal vier Monaten die beiden Extreme himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt kennenlernt.

Auf Platz drei und mit der erstmaligen Qualifikation für die Gruppenphase der Champions League wirkte bei Borussia alles federleicht, Verein und Mannschaft wurden hip, die Vereinsfarben schienen sich bei vielen Anhängern gerade in schwarz-weiß-rosa umzuändern. Nun, nach drei Niederlagen in Serie zum Start in die Bundesliga gerät diese heile Borussen-Welt ins Wanken. Geduld und Zuversicht werden in der Fangemeinde zum strapazierten Gut, die Ansichtssache der momentanen Lage wird für jeden Einzelnen zur Herausforderung. Doch die Wahrheit liegt – im Mai, wie jetzt Anfang September – wie immer im Graubereich, sie ist weder strahlendweiß, noch düster-schwarz.

Doch Misserfolg scheint schwerer verdaulich, wenn er auf ungeahnten Erfolg folgt. Selbst für einen Verein und sein Umfeld, die ja jahrelang weit größeren Kummer als den momentanen gewohnt waren, wie Eberl noch mal erinnerte: "Es ist ja nicht so, dass wir den Misserfolg nicht kennen, dass wir eine Mannschaft sind, die von Erfolg verwöhnt ist", sagte er. Womöglich ist es diese unterschwellige Angst, die bei vielen mitschwingt, die bereits den Untergang des Abendlandes auf Mönchengladbach und seine Borussia zukommen sehen. Das wäre menschlich, es kann aber keine Haltung sein, der sich Verantwortliche und Profis hingeben.

"Irgendwann müssen die Jungen ja spielen"

Lucien Favre musste, wenn man sich bei Anhängern umhört, Kritik dafür einstecken, dass er Youngster wie Marvin Schulz oder Andreas Christensen (vor allem in Dortmund) ins kalte Wasser geworfen hatte. Doch stellt sich die Frage, ob der von Borussia oft genug postulierte und mit Applaus bedachte Weg der Jugend nur so lange sympathisch wirkt, solange junge Spieler ihre Fehler nur im Training machen? "Irgendwann müssen die Jungen ja spielen. Wir haben gute Talente. Das kannst du aber nicht immer nur in der Öffentlichkeit sagen, und dann keine Taten folgen lassen. Das gehört zum Gladbacher Weg dazu. Es ist immer ein schmaler Grat. Wenn es läuft, sagen immer alle: Bravo, ein Super-Zeitpunkt erwischt. Wenn es nicht läuft, sagen alle: Mhhh, vielleicht doch besser die Erfahrenen", sagt Tony Jantschke. Es ist ein Werben für mehr A und B sagen – und für weniger A ohne B.

Dieser Tage macht verstärkt die Erinnerung an 2012/13 die Runde. An einen ebenfalls verkorksten Start und an eine Übergangssaison, die auf Rang acht endete. In Eberls Überzeugung war just diese Spielzeit übrigens eine der wichtigsten der letzten Jahre. Weil sie für ihn verdeutlichte, was Borussia damals realistisch zu leisten vermochte. Und genau vor dieser Herausforderung steht man nun wieder. Zu zeigen, wo die aktuelle Borussia steht – wo zwischen schwarz und weiß.

Quelle: RP
 
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