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Borussia Mönchengladbach
Borussias Abwehr steht

Borussia Mönchengladbach: Borussias Abwehr steht
Sicherheitsbeauftragte: Tobias Strobl (Mitte) und Andreas Christensen sind zwei wichtige Faktoren im Defensivkonzept von Borussen-Trainer André Schubert. FOTO: Imago
Mönchengladbach. Mo Dahoud hatte bislang wenig Spielzeit. Das hat Gründe. Einer heißt Tobias Strobl, der andere Stabilität, für die der Zugang aus Hoffenheim mitverantwortlich ist. Trainer André Schubert setzt auf eine eingespielte Defensive - und hat eine gute Quote. Von Karsten Kellermann

Bevor es bei den Borussen richtig losging, wurde viel spekuliert. Trainer André Schubert hatte angekündigt, rotieren zu wollen. Doch er merkte auch an, dass dies nicht vogelwild geschehen, sondern durchaus ein Stamm da sein werde. Wenn es um die Kandidaten ging, die dazu gehören würden, fiel meist auch der Name Mo Dahoud. Er und Rückkehrer Christoph Kramer, wurde gemutmaßt, wären nahezu fix im zentralen Mittelfeld. Dahoud als Aufsteiger der Vorsaison, als großes Talent, als Hoffnungsträger.

Nun sind vier Pflichtspiele vorbei. Dahoud ist zur U21 des DFB gereist, die in Kassel gegen die Slowakei spielt. Indes: Bei Borussia hat er weit weniger gespielt, als erwartet. Nur 95 von 360 möglichen Pflichtspielminuten stand der 20-Jährige auf dem Platz, nur einmal war er von Beginn an dabei, beim Bundesligastart gegen Leverkusen am Samstag spielte er gar nicht. Dahouds Problem heißt Tobias Strobl. Der Neuling aus Hoffenheim hat getan, was er angekündigt hat: Er hat überrascht und sich in der Vorbereitung den Platz neben Kramer erarbeitet.

Da Trainer André Schubert viele Künstler im Team hat, sind Strobls Vorzüge – Ruhe, Zuverlässigkeit und extreme Ballsicherheit – gefragt. Denn damit gibt er den Borussen das, was Schubert im zentralen Mittelfeld haben will: Stabilität. Strobl ist kopfballstark, konsequent im Zweikampf und macht kaum Fehler. Zudem kann "Mr. Zuverlässig" bei Bedarf auch in die Dreierkette einrücken. Dass er auch nach vorn etwas bewirken kann, hat er in den 234 Minuten, die er bisher für Gladbach auf dem Platz stand, ebenfalls gezeigt.

Schubert, der vorn und auf den Flügeln wie angekündigt viel rotiert, setzt hinten auf eine feste Formation. Strobl und Kramer waren dreimal die Doppelsechs, die beiden Laufstarken arbeiten gut zusammen, unspektakulär und effektiv. Dahinter formierten sich Nico Elvedi, Andreas Christensen und Tony Jantschke ebenso oft zur Dreierkette. Nur in Drochtersen baute Schubert die Abwehr um (Julian Korb, Tony Jantschke, Jannik Vestergaard hinter Kramer/Dahoud).

Christensen ist der Boss der Abteilung Torverhinderung. Mit seinen 20 Jahren ist er extrem cool und verlässlich, er trifft fast immer die richtige Entscheidung. Weswegen er im dänischen Nationalteam zu den Hoffnungsträgern gehört. Am Wochenende war eigens ein Kamerateam aus seiner Heimat angereist, um zu ergründen, welchen Führungs-Faktor der junge Kerl schon hat. "Er führt mit Qualität", lautete das Urteil des Journalisten Kristian Bronsbak nach der Betrachtung der christensen'schen Darbietung gegen Leverkusens starken Sturm. Glück hatte der Borusse allerdings, dass Yann Sommer kurz vor dem 1:1 der Gäste mit einem Reflex sein Eigentor verhinderte.

Schubert setzt hinten also auf ein eingespieltes Quintett. Er hat schließlich eine Quote zu verteidigen - und die ist richtig gut. 0,75 Gegentore gab es in den ersten vier Spielen im Schnitt, das entspricht exakt dem Schnitt der letzten vier Partien der vergangenen Saison. Der Gesamtschnitt der Rückrunde lag bei 1,18 Gegentoren, in der Hinrunde war die reine Schubert-Bilanz 1,5 im Schnitt. Das indes lag am "düsteren Dezember", da gab es wettbewerbsübergreifend und inklusive des Rückspiels gegen Dortmund 18 Gegentore in fünf Spielen (Schnitt: 3,6). Zuvor jedoch, von Schuberts Start gegen Augsburg bis zum 3:1 gegen die Bayern, kassierten die Borussen durchschnittlich 1,06 Tore pro Spiel.

Da war die Viererkette noch Usus – und bis zum Hannover-Spiel war Alvaro Dominguez als Sicherheitsbeauftragter wichtig. An der Seite des Spaniers, der noch immer auf unbestimmte Zeit wegen seiner Rückenbeschwerden ausfällt, entwickelte sich Christensen mehr und mehr zu einem Fixpunkt in der Abwehr. Beim Champions League-Spiel. In Turin war Schubert beeindruckt vom Dreierkettenkonzept der Italiener.

Er nahm es zum Anlass, Borussias Abwehrkonstrukt umzumodeln. In Hoffenheim (3:3) wurde geprobt, der Ernstfalltest von Beginn an kam gegen den FC Bayern. Der junge Schweizer Nico Elvedi wurde an diesem Tage quasi zum Geburtshelfer der Dreierkette, seither ist er ein ständiger Startelf-Teilnehmer, die seit dem 4:0 gegen Stuttgart am 2. März fix als erstes Abwehrprogramm eingeloggt ist in Gladbach. Kein anderer Bundesligist spielt diese Defensivformation so konsequent wie Gladbach.

Leverkusens starker Sturm war der erste echte Härtetest dieser Saison. Borussias Kette stand, unterstützt von Kramer und Strobl, weitgehend sicher. Jannik Verstergaard ersetzte nach der Pause den angeschlagenen Tony Jantschke und fügte sich nahtlos ein. Man darf sagen: Borussias Abwehr steht. Und der Gegentorschnitt um die 1 genügt höchsten Ansprüchen. "Wie wir es defensiv gespielt haben, bin ich zufrieden. Es gab nach langen Bällen und Flanken die eine oder andere brenzlige Situation. Ich kann mich aber aus dem Spiel an keine Situation erinnern, in der wir ausgespielt worden sind. Wir haben gut gestanden", sagte Schubert. Seine Borussia kann nicht nur stürmen, sondern auch gut verteidigen.

Quelle: RP
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