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Borussia Mönchengladbach
Borussias Fans: Hauptsache, sie sind dabei

Borussias Fans: Hauptsache, sie sind dabei
Der verletzte Patrick Hermann flog mit nach Manchester. FOTO: Kellermann
Mönchengladbach. Manuel Breuer ist froh. Er ist Mönchengladbacher, lebt aber in Schottlands Hauptstadt Edinburgh. So hat Breuer heute quasi ein Heimspiel: Manchester City gegen "seine" Borussia.  Von Karsten Kellermann und Jannik Sorgatz

In der Wahlheimat oder wenigstens in der Nähe das Team seines Herzens zu sehen, das hatte er sich gewünscht, seit sich die Borussen 2012 erstmals seit 16 Jahren wieder für Europa qualifiziert hatten.

"Bei jeder Auslosung habe ich natürlich auf die Manchester-Klubs oder Celtic Glasgow gehofft. Aus Edinburgh sind es 1200 Kilometer zum Borussia-Park, da ist eine dreistündige Zugreise für das City-Spiel eine willkommene Abwechslung. Nach dem Freundschaftsspiel gegen Newcastle sehe ich Borussia das zweite Mal diese Saison auf der Insel - das ist ein Spielplan nach meinem Geschmack", gab Breuer bekannt. Er betreibt den unter Gladbach-Fans geschätzten Vollraute-Podcast. "Unser Team vom Vollraute-Podcast ist damit per Flugzeug, Bahn und Pkw unterwegs zum Champions-League-Spiel", so Breuer.

Wer am Montag das Internet durchkämmte, musste den Eindruck bekommen, dass nahezu jeder Gladbach-Fan irgendwie auf dem Weg in den Norden Englands war. Viele Borussen-Freunde sind schon seit Sonntag unterwegs, um das Erlebnis England in vollen Zügen auszukosten - nicht wenige schauten sich gleich noch andere Spiele, wie zum Beispiel Sheffield Wednesday gegen Derby County (Sonntag) oder Everton gegen Crystal Palace (gestern) an. Einige Fans reisten zunächst nach Liverpool. Dorthin hatte Graham Agg eingeladen, der sich seit Jahren um die guten Beziehungen zwischen Gladbach-Fans und denen des FC Liverpool kümmert. Agg, der auch eine Kolumne für Focus Online schreibt, hatte eine Tour durch die Pubs der Stadt am Mersey organisiert. Sonntagabend tauchte dann das eine oder andere romantische Foto vom Sonnenuntergang am städtischen Flussufer auf.

Gut eine Stunde ist es von Liverpool nach Manchester - da sind andere Fans am Spieltag weit länger unterwegs. Die nämlich, die erst heute von Gladbach auf die Insel reisen - oder vielmehr: die mitten in der Nacht in den Bus geklettert sind. "Es ist die klassische Tour: Bus und Fähre", sagt Philip Hülsen, der auf eben diesem Weg heute zum Spielort reist, rund 17 Stunden dauert die Bustour, und nach dem Spiel geht es gleich retour. Was die Reiserouten angeht, sind die Fans stets sehr kreativ über Düsseldorf, über Basel, über Dünkirchen und Dover, über Brüssel, über Dublin oder über Luxemburg reis(t)en sie an.

Stefan Feldt aus Viersen-Boisheim und vier Freunde sind mit dem Auto gereist. Zur Mittagszeit saßen sie im "Wetherspoons Pub" an den Piccadilly Garden. Sie waren am Montag um 3.30 Uhr mit dem Auto aufgebrochen. Um kurz nach fünf waren sie in Brüssel, von wo es um sieben mit dem Zug durch den Eurotunnel nach London ging. Nach einem Bahnhofswechsel und zwei weiteren Stunden Zugfahrt sind sie um halb eins in Manchester angekommen. "Das ist schon ziemlich verrückt. Aber wenn die Champions League ruft, geht man schon mal an seine Grenzen." Die Ticketsuche war eine ähnliche Odyssee wie die Anreise. "Der Bekannte eines Bekannten aus England hat die Karten über ManCity gekauft", erklärte Feldt. Heute sitzt er mit seinen Freunden im neutralen Bereich. Offiziell dürfe man sich dort gar nicht als Gladbach-Fan zu erkennen geben, "aber mal sehen, wie es dann wirklich wird."

Wie die Viersener werden nicht wenige Gladbacher etwas abseits des Gladbach-Blocks das vorerst letzte Champions-League-Spiel der Borussen verfolgen. 3000 Tickets gab es für Borussia, die Nachfrage war weit größer. "Sicher wird man auch in den an den Gästebereich angrenzenden Blöcken Gladbacher antreffen, die sich in Manchester mit Karten eingedeckt haben", hieß es am Montag auf der Internetseite des FPMG Supporters Club.

Auch einige Borussen-Profis sind als Fans im Etihad-Stadion dabei. Sie sind angeschlagen, aber trotzdem mitgereist auf die Insel: Patrick Herrmann und Nico Schulz, die beide am Knie verletzt sind. "Das wollte ich mir nicht entgehen lassen. Es ist schon bitter, nicht spielen zu können. Ich habe ja immer von einem Europapokal-Spiel auf der Insel geträumt. Aber so kann ich wenigstens die Jungs anfeuern und die Atmosphäre genießen", sagte Herrmann, während er am Flughafen von Manchester auf sein Gepäck wartete.

Die Fußballprofis sind immer wieder aufs Neue verblüfft, was die Fans alles bewerkstelligen, um bei den Spielen in der Fremde dabei zu sein. "Unglaublich, dass immer so viele Fans dabei sind. Das hilft und motiviert uns sehr", sagte Mittelfeldspieler Havard Nordtveit bei der obligatorischen Pressekonferenz im Etihad-Stadion.

Quelle: RP
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